Münchens grüne Oasen: Hinter der Allianz Arena versteckt sich ein Urwald
Kaum zu glauben eigentlich, dass es in der 1,6-Millionen-Stadt München noch Gebiete gibt, die Urwald-Feeling vermitteln. Doch es gibt sie! Im Norden der Stadt, zwischen Allianz Arena, Fröttmaninger Berg und Klärwerk, kann man eintauchen in ein Naturparadies, das in Teilen fast völlig sich selbst überlassen wird.
Der verwunschene Naturwald, der bis zur Stadtgrenze Obere Isarau heißt, erstreckt sich bis nach Freising, immer entlang der Isar.
Freilich kann man auch mit dem Fahrrad den Isar-Radweg entlangfahren – zusammen mit vielen anderen Freizeitfahrern und sportlicheren Stramplern, die Zeit und Strecke machen wollen – die eigentliche Schönheit der Isarauen erkundet man am besten zu Fuß mit Ruhe und Zeit. Dann kann man nicht nur emsige Wasseramseln oder Biberburgen am Isarufer entdecken, sondern auch eine unfassbare Vielfalt an Wiesen- und Sumpfpflanzen. Und zur richtigen Jahreszeit mit etwas Glück auch noch einen hervorragenden Speisepilz finden.

Hirsche und Wildschweine haben reichlich Rückzugsorte
Teils ist das Gestrüpp so dicht, dass man schon eine Machete bräuchte, um durchzukommen durch den Wald – was freilich niemand versuchen sollte. Hier gibt es noch Fleckerl, die nie ein Mensch betritt, und das ist gut so. Sie sind perfekte Rückzugsorte für Wildschweine, Hasen, Rehe – und sogar Hirsche.

Auch ohne die Wege zu verlassen, kann man am Wegesrand und auf den Wiesen hübsche und auch oft seltene und geschützte Pflanzen entdecken – und das zu jeder Jahreszeit, außer im Winter. Hat man sein Handy dabei, am besten mit Pflanzenbestimmungs-App (Tipp: Die App Flora Incognita ist kostenlos und ohne Werbung), ist es ratsam, vorher den Akku geladen zu haben, so viele kann man bestimmen.
Hier wachsen Knabenkraut, Wurz und Mausohr
Nicht nur die vielen Farben und Blütenformen machen gute Laune, auch die Namen: Da wächst Geflecktes Knabenkraut in der Nähe von Mausohr-Habichtskraut oder Echtes Mädesüß und Zottiger Klappertopf unweit von Sommerwurz.


In weniger trockenen Jahren wie diesem kann man am Waldrand und auch auf feuchten Wiesen sogar Morcheln finden. Für Nichtkenner schauen die Pilze erst einmal gewöhnungsbedürftig aus, aber sie sind eine echte Delikatesse. Wenn das Frühjahr feucht und warm ist, sprießen die Schlauchpilze – getrocknet schmecken sie am intensivsten – schon ab März und bis in den Mai.
Um Morcheln zu finden, braucht es auch Regen und etwas Glück
Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, ist allerdings nicht ganz einfach. Wartet man zu lange, schießen auch die Gräser in die Höhe, dann sieht man die Pilze nicht mehr.
Besonders wohl fühlen sich Morcheln unter Eschen, die aber leider durch das berüchtigte Eschentriebsterben immer weniger werden in unseren heimischen Wäldern.

So traurig es ist, dass so viele Eschen sterben und umfallen: In den Isarauen verstärken sie den Urwald-Charakter. Denn wenn sie nicht gerade auf Spazierwege oder den Radl-Highway stürzen, werden sie als Totholz liegengelassen. Dort werden sie zum Lebensraum für allerlei kleines Getier im Isar-Urwald – wo auch Hirsche, Fledermäuse, Uhus, Spechte, Waldlaubsänger und viele andere Tiere leben.
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