Münchener Kanalführung: Auf Entdecker-Tour im Kanal - Einblicke in die Stadtentwässerung

Die Stadtentwässerung macht eine spannende Führung durch die geheime Welt der Münchner Kanalisation. So schaut die Stadt von unten aus.
| Eva von Steinburg
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Geheimnisvoller Gang: Rote Ziegeln, hartgebrannter Klinker, schlanke Bögen. Die über 100 Jahre alte Münchner Kanalarchitektur fasziniert. Hier die Bilder von Münchens Kanalisation.
Daniel von Loeper 6 Geheimnisvoller Gang: Rote Ziegeln, hartgebrannter Klinker, schlanke Bögen. Die über 100 Jahre alte Münchner Kanalarchitektur fasziniert. Hier die Bilder von Münchens Kanalisation.
Kanal-Experte: Bernhard Böhm (l.), von der Stadtentwässerung,
macht die Zunahme von Starkregen in der Stadt große Sorgen.
Daniel von Loeper 6 Kanal-Experte: Bernhard Böhm (l.), von der Stadtentwässerung, macht die Zunahme von Starkregen in der Stadt große Sorgen.
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München - Gäste liefern schockierte Berichte aus München: Die Stadt ist ein Drecksloch, es gibt Unrat auf den Straßen und einen Gestank sondersgleichen. Um 1850 wird in München noch auf jedem Wochenmarkt geschlachtet: "Danach wurden die Überreste in den nächsten Stadtbach gekippt", schaudert es Bernhard Böhm (55) von der Stadtentwässerung München.

Unter jeder Straße in München liegt unsichtbar ein Kanal

Erst der "Vater der Münchner Kanalisation" ließ das ändern: Der Arzt Max von Pettenkofer veranlasste vor rund 150 Jahren einen zentralen Schlachthof – und ließ unterirdische Abwasserkanäle bauen. Durch die geheime Welt der Münchner Kanalisation macht Böhm, Betriebsleiter der Stadtentwässerung, jedes Jahr eine Tour – für das Münchner Forum. Start ist an der Ungererstraße: Vor dem Parkplatz am Nordfriedhof führen Backsteintreppen tief in die Münchner Unterwelt.

In Arbeitsjacke mit Reflektoren und gestreifter Krawatte steigt der Ingenieur hinunter in den Kanal. Mit 18 Besuchern passiert er in fünf Metern Tiefe eine Kiste mit seltsamen Fundstücken aus der Unterwelt (Handys, Besteck, Putzlappen, sogar ein Gebiss!). Im Licht der Taschenlampe sind die erhabenen Bögen und Gewölbe von 1910 zu bewundern. München hat eine faszinierende Kanalarchitektur: aus hartgebrannten Klinkern, die gegen Korrosion robuster sind als Beton.

"Ob wir so etwas Schönes in Sendling auch haben?", "Warum ist es im Kanal so sauber?", "Gibt es Ratten?", fragen die Besucher. Ratten gibt es im Englischen Garten mehr, meint der Kanal-Experte. Was dem Ingenieur aber großes Kopfzerbrechen macht, ist die Zunahme von Starkregen – im Mai und Juni. "Dann laufen die 13 unterirdischen Regen-Rückhaltebecken der Stadt häufig voll", sagt er. Gullys können dann kein Wasser mehr schlucken. Es drohen Überschwemmungen.

Trennung von Abwasser und Regenwasser ist nicht immer möglich

Hin und wieder muss daraufhin Regenwasser – gemischt mit Abwasser – über die Regenablässe der Stadt in die Isar geleitet werden. "Das ist nicht optimal. Doch bei extremen Spitzen können wir die Trennung von Abwasser und Regenwasser nicht bewältigen. Dafür müssten wir ein ganz neues Kanalsystem bauen", erklärt Böhm.

Die Zunahme von Starkregen sei eine unschöne Folge des Klimawandels. Die Lösung liegt aber nicht im Kanal, sondern über der Erde: "Wir setzten auf Versickerung des Regenwassers und auf Entsiegelung. Das ist der Königsweg", so Böhm. München hat die höchste Besiedlungsdichte in Deutschland. Immer mehr Grün wird asphaltiert. Umso wichtiger ist, dass der Abtransport des Regenwassers funktioniert. Dass unter jeder Straße der Stadt dafür ein Kanal liegt, ist fast keinem Münchner bewusst. Doch: Münchens 2.400 Straßen-Kilometer entsprechen 2.400 unsichtbaren Kanal-Kilometern.

Kanalarbeiter: "Man braucht ein gewisses Gemüt, um die Arbeit ertragen zu können"

200 Kanalarbeiter reparieren und reinigen das System – heute meist von außen. Über den Gully werden dafür Geräte in die Tiefe gelassen. "Aber die Kollegen müssen doch in den Kanal, um Mörtel zwischen den Ziegeln auszubessern. Sie liegen manchmal auf einem Rollbrett und arbeiten über Kopf", sagt Bernhard Böhm. Er hat Hochachtung vor dem Job der Kanal-Arbeiter: "Man braucht ein gewisses Gemüt, um die Arbeit auf Dauer ertragen zu können. Die meisten Leute wären dazu nicht bereit."

Die zweite Station: An der Nürnberger Autobahn, unter dem Bolzplatz an der Schenkendorfstraße, liegt ein unterirdisches Regen-Rückhaltebecken. Es ist größer als ein Fußballplatz und kann 20.0000 Kubikmeter Wasser fassen. Gerade ist das Becken natürlich leer. Rolf Mantler (70) vom Münchner Forum findet es "beeindruckend". Er wäre gerne länger die schön gemauerten, dunklen Kanäle entlanggelaufen, in denen es zwar säuerlich riecht, aber nicht unerträglich stinkt. Heute lebt der Schwabinger seinen Traum von der geheimen Münchner Unterwelt: "Seit ich ein Bub war, wollte ich hier herunter. Als Rentner habe ich es endlich geschafft!"


Kanalführung: Donnerstag, 22. März, 16 Uhr, Kanalführung in Schwabing. Anmeldung per Mail: info@muenchner- forum.de. Mehr Termine: www.muenchen.de


Auch im Münchner Untergrund: Das Fernkältenetzwerk der SWM

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