München von oben: Neuer Bildband zeigt spektakuläre Farbblicke auf die Stadt

Drohnenflüge, Turmblicke, Aufnahmen aus dem Hubschrauber: Ein neuer Bildband des Münchner Fotografen Rainer Viertlböck zeigt die Stadt aus atemberaubenden Perspektiven – und mit erstaunlich viel Farbe.
von  Thomas Müller
So hat man die Frauenkirche noch nicht gesehen!
So hat man die Frauenkirche noch nicht gesehen! © Rainer Viertlböck

Es gibt München-Bücher, die sind eine echte Schau. Der epische Bildband "München in Farbe – 108 Stadtbilder von 2009 bis 2025" des gebürtigen Münchner Fotografen Rainer Viertlböck, das jetzt in einer erweiterten Neuauflage beim Verlag Schirmer/Mosel (49,80 Euro) erschienen ist, gehört zweifellos dazu.

Viertlböck hat dazu Hochhäuser oder Türme bestiegen, ist mit dem Hubschrauber geflogen, hat Drohnen eingesetzt oder sich per Hebebühne in die Höhe hieven lassen, um sich mit seiner Kamera stets den jeweils ganz besondern Blickwinkel auf – vom Boden aus gesehen – nur allzu Vertrautes zu verschaffen. Ein Perspektivwechsel, der für wohltuend überraschende Optiken sorgt aus einer Stadt, von der man hätte meinen können, sie sei nun schon wirklich aus jedwedem Blickwinkel abgelichtet worden.

Auch dieser Einblick bleibt normalerweise verborgen: Blick hinter das Hauptgebäude des 21 Hektar großen Botanischen Gartens an der Menzinger Straße.
Auch dieser Einblick bleibt normalerweise verborgen: Blick hinter das Hauptgebäude des 21 Hektar großen Botanischen Gartens an der Menzinger Straße. © Rainer Viertlböck

OB Ude: "Atemberaubend! Umwerfend!"

Alt-Oberbürgermeister Christian Ude dachte wohl so ähnlich, als er (wie so oft) gebeten wurde, auch für diesen Bildband ein Vorwort zu schreiben. Für ihn eher eine Last als ein Segen: "Wie viele Bücher sollen denn noch erscheinen, um Isar-Athen ins Bild zu rücken und zu preisen?"

Aber Ude ließ sich beim Blick in das Buch gern eines besseren belehren. "Atemberaubend! Umwerfend!", lautet sein Urteil. Und nennt beispielhaft die von Denkmalschützern in den faszinierend farbigen Urzustand zurückversetzte mosaikartige Dacheindeckung der Ludwigskirche. "Das hatte zuvor noch niemand gesehen – ein ganz neuer Blick", so Ude begeistert.

Ein buntes Kreuz auf dem Dach der Ludwigskirche: Von unten ist das 2009 wiederhergestellte Kunstwerk aus farbig glasierten Ziegeln überhaupt nicht zu sehen.
Ein buntes Kreuz auf dem Dach der Ludwigskirche: Von unten ist das 2009 wiederhergestellte Kunstwerk aus farbig glasierten Ziegeln überhaupt nicht zu sehen. © Rainer Viertlböck

Münchner Kindl auf der Rathausspitze

Freilich, auch vermeintlich vertraute Anblicke gibt es zu sehen, wenn auch immer mit einem Tüpfelchen auf dem i: Wie etwa von ganz nah das Münchner Kindl auf der Spitze des neuen Rathauses, den Friedensengel ganz nah von hinten. Oder auch hautnah die welschen Hauben der Frauenkirche auf einen Blick. Faszinierend!

Was für ein riesiges Kirchportal! Es ist übrigens das weltgrößte seiner Art. Der 1997 bis 2000 erstellte Bau der Herz-
Jesu-Kirche hat nichts von seiner Faszination verloren.
Was für ein riesiges Kirchportal! Es ist übrigens das weltgrößte seiner Art. Der 1997 bis 2000 erstellte Bau der Herz- Jesu-Kirche hat nichts von seiner Faszination verloren. © Rainer Viertlböck

Monumental-Portal der Herz-Jesu-Kirche

Doch nicht nur Frauenkirche & Co. sind im Buch versammelt. Auch den Blick auf den faszinierenden Bau der Herz-Jesu-Kirche samt geöffnetem Monumental-Portal hat er von oben eingefangen. Oder den mittelalterlichen Löwenturm inmitten lauter Nachkriegsbebauung.

Ein Relikt aus ganz alter Zeit: Der freigestellte, mittelalterliche Löwenturm am Rindermarkt wirkt heutzutage fast wie ein Fremdkörper zwischen seinen baulichen Nachbarn.
Ein Relikt aus ganz alter Zeit: Der freigestellte, mittelalterliche Löwenturm am Rindermarkt wirkt heutzutage fast wie ein Fremdkörper zwischen seinen baulichen Nachbarn. © Rainer Viertlböck

Diese Münchner Farbigkeit!

Die 1973 eröffnete Moschee in Freimann hat man so auch noch nie gesehen. Und auf der Panorama-Aufnahme einer Demo von Corona-Gegnern im Januar 2022 auf dem Königsplatz geht man gedanklich (und nachdenklich) schon mal länger spazieren.

Die Heimat der Roten: Ikonisch strahlt das Wohnzimmer der Bayern im städtebaulichen Nirwana zwischen
Autobahnkreuz, U-Bahnbetriebswerk und Klärwerk.
Die Heimat der Roten: Ikonisch strahlt das Wohnzimmer der Bayern im städtebaulichen Nirwana zwischen Autobahnkreuz, U-Bahnbetriebswerk und Klärwerk. © Rainer Viertlböck

Dazu kommt eine sehr charakteristische Farbigkeit. Nie im strahlenden Sonnenschein mit seinem bei Fotografen ungeliebten Schlagschatten. Viertlböck bevorzugt eher Tage mit indirektem Licht, das manchmal fast schon weichzeichnerisch daherkommt.

Bis 1972: München trist und grau

München und Farbe? Das war ja nicht immer so. Noch bis zu den Olympischen Spielen 1972 präsentierte sich die Stadt trist und in einem Grau in Grau. Weshalb vor allem in der Altstadt mit viel Farbe Hand an den Fassaden angelegt wurde. In weiten Teilen der Stadt blieb freilich noch lange danach das Grau dominant.

"München ist in Schönheit getaucht"

Auch der Verleger Lothar Schirmer erinnert sich im Gespräch mit der AZ noch an diese grauen Zeiten. Umso mehr freut es ihn, dieser ungeheuren Buntheit, wie sie die Stadt heute fast ein bisserl protzig vor sich herträgt, mit diesem Bildband ein regelrechtes Denkmal gesetzt zu haben. "Diese Farbigkeit, diese pastellige, frühlingshafte Farbe", ist es, die ihn auf Viertlböcks Aufnahmen so fasziniert: "München ist in Schönheit getaucht."
Wer München gut kennt, weiß natürlich, dass es noch viele Ecken gibt in der Stadt, die noch nie derart gekonnt inszeniert worden sind – die vielleicht auch nicht ganz so "schön" sind. Insofern: Material gibt es noch genug – für weitere Bildbände.

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