München-Streik im Nahverkehr: Wirte und Händler klagen über massive Umsatzeinbrüche
Obwohl er grundsätzlich nichts gegen die Gewerkschaften habe, fehlt Gastronom und Wiesn-Wirt Lorenz Stiftl inzwischen das Verständnis. "Früher gab es auch schon Streiks, aber diese Extreme gab es so nicht" sagt er im Interview mit der AZ.
Der erneute Streik im öffentlichen Nahverkehr in München setzt Restaurants und Geschäften massiv zu. Stiftl betreibt mehrere Lokale in der Stadt, darunter den "Spöckmeier" am Marienplatz. Für ihn ist die Laufkundschaft fast unverzichtbar, bleibt sie aus, bricht der Umsatz deutlich ein. "Du kannst davon ausgehen, dass es etwa die Hälfte weniger ist", so Stiftl.

Nicht nur ihn selbst treffe die Situation hart, auch für die Belegschaft sei sie eine große Belastung. "Die Mitarbeiter werden ja nach Umsatz bezahlt", verrät er. Sinkt der Umsatz, fällt auch der Lohn niedriger aus. Außerdem sei es mit der Anreise schwierig, viele Mitarbeiter kämen per Taxi oder Uber. "Oft kommen sie dann verspätet, aber sie kommen schon", sagt Stiftl.
Ähnlich geht es Leandros Schenk, er betreibt das "Baricentro" am Sebastiansplatz. Auch seine Angestellten haben durch den Streik Probleme, zur Arbeit zu kommen. "Ich habe in der Vergangenheit schon meinen Koch oder meinen Barmann mit dem Auto abgeholt." Manche Entscheidungen während der Streiks kann er nur schwer nachvollziehen. Dass die U-Bahn bei Heimspielen des FC Bayern trotz Streik nach Fröttmaning fährt, wundert ihn. "Da frage ich mich: Was ist euch denn wichtiger? Die eigene Wirtschaft im Sinne der mittelständischen Unternehmen oder das Fußballspiel?"
Von der Stadt München wünscht sich der 24-jährige mehr Unterstützung. Seiner Meinung nach sollte die oberste Priorität sein, "dass die Erwerbstätigen in die Arbeit kommen können."

Dafür gehen manche Arbeitnehmer auch ungewöhnliche Wege. Andjelko Kaser, Store-Manager im Modeladen Vintage Revivals, erzählt von einer Kollegin, die normalerweise mit der Bahn nach München fährt. "Wenn gestreikt wird, schläft sie die Nacht davor bei Kollegen oder Freunden."
Auch im Second-Hand-Shop machen sich Streiktage bemerkbar, Kunden bleiben fern. "Ungefähr 20 bis 30 Prozent Umsatz fehlen dann." Grundsätzlich habe Kaser nichts gegen Streiks, aber "zwei Mal in so kurzer Zeit ist schon stressig."
Deutlich härter trifft es die Betreiber der vielen Standl um den Marienplatz herum. Ihr Geschäft ist fast vollständig von Laufkundschaft abhängig. Ein Blumenverkäufer, der anonym bleiben möchte, zeigt sich wütend. "Weniger streiken, mehr arbeiten!" lautet seine Forderung. Obst- und Gemüsehändlerin Nusha Zeqiraj vom Nebenstand ist dagegen traurig. "Es ist schade, wenn man so viele schöne Sachen aufbaut und dann nicht verkaufen kann."
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