München steigt um
Lieber leihen statt kaufen: Carsharing kommt in München jetzt immer mehr in Mode. Allein beim Carsharing-Unternehmen Stattauto haben sich seit Jahresbeginn 800 neue Mitglieder angemeldet. Jetzt düst auch Sixt auf den Markt.
MÜNCHEN Die Horror-Meldungen von den Zapfsäulen reißen nicht ab: Bis auf 1,75 Euro könnte der Preis für den Liter Super Bleifrei bis zum Herbst nach Berechnungen des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung steigen. Preise, die für viele Autofahrer kaum noch zu bezahlen sind.
Kein Wunder, dass auch Münchens Pendler allmählich damit beginnen, sich nach Alternativen umzuschauen. Immer beliebter wird dabei vor allem der Umstieg aufs Gemeinschaftsauto. Allein beim Branchenführer „Stattauto München“ haben sich im ersten Halbjahr 2008 bereits rund 800 neue Mitglieder angemeldet: „Jeden Monat kommen 120 bis 160 dazu“, sagt Geschäftsführer Jürgen Tesch.
Potential erkannt
Dieses Potential hat jetzt auch der Pullacher Autovermieter Sixt erkannt und in Berlin kürzlich sein erstes Carsharing-Modell gestartet.
Per Internet oder Handy können die Berliner beim „Sixti Car Club“ ganz bequem Fahrzeuge für wenige Stunden bis hin zu mehreren Wochen mieten, die sich per aufgeklebtem Mikrochip auf dem Führerschein öffnen lassen. „Das Angebot wird bisher hervorragend angenommen“, heißt es bei Sixt.
Deshalb soll das Geschäftsmodell sukzessive auf andere Großstädte ausgeweitet werden: „Noch in diesem Jahr werden wir es auch in Münchenanbieten“, bestätigte ein Unternehmenssprecher der AZ. Wie in der Hauptstadt sollen die Fahrzeuge überall im Stadtgebiet zu finden sein. Außerdem können sie an den Sixt-Vermietungsstandorten abgestellt werden.
Die Konkurrenz
Sixt könnte den ohnehin schon umkämpften Markt der Carsharing-Firmen in München kräftig aufwirbeln. Derzeit konkurrieren dort in erster Linie das Stadtteilauto München, das Stattauto München und das Carsharing der Deutschen Bahn um Kunden.
Deshalb drückt Sixt nun kräftig die Preise: Der Stundenpreis für einen Smart fortwo liegt tagsüber bei Sixt lediglich bei 4,50 Euro die Stunde. Für einen Mercedes der B-Klasse werden 6,50 Euro fällig (siehe Tabelle).
Jürgen Tesch ist vor der neuen Konkurrenz trotzdem nicht bange. Schließlich hätte Sixt vor zehn Jahren schon einmal versucht, ein Carsharing-Modell an Münchner Tankstellen zu etablieren: „Damals sind sie gescheitert“, sagt Tesch. Mal schauen, wie es diesmal läuft.
Daniel Aschoff
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