München: Raubmord an Rentner in der Au nach 30 Jahren geklärt

Die Münchner Polizei hat einen 30 Jahre zurückliegenden Raubmord geklärt. Dank einer Wiederaufnahme des Falls und neuer Methoden bei der Spurenabfrage konnte jetzt der mutmaßliche Mörder gefunden werden.
| Nina Job
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Ein AZ-Foto vom 17. Januar 1986: Bestatter tragen die Leiche des ermordeten Rentners aus dem Haus in der Auerfeldstraße.
AZ-Archiv Ein AZ-Foto vom 17. Januar 1986: Bestatter tragen die Leiche des ermordeten Rentners aus dem Haus in der Auerfeldstraße.

Franz S. (†80) wurde im Januar 1986 in seinem Bett brutal erschlagen – der Täter ist in Wien gefasst worden.

München - Es hat lange gedauert, aber nun hat ihn seine Vergangenheit doch noch eingeholt. Mit 25 Jahren tötete ein Serbe, der sich nur wenige Tage in München aufgehalten hatte, den Rentner Franz S. aus der Au. Mehr als 30 Jahre später wurde der mutmaßliche Mörder nun ausgeliefert. Er sitzt in Stadelheim und wartet auf seinen Prozess.

Das Opfer: Franz S. (80), einst Hilfsarbeiter in einem holzverarbeitenden Betrieb, lebte mit einem Kellner und einem taubstummen Mann in der Auerfeldstraße in einer Wohngemeinschaft. Franz S. war homosexuell. Wie dem Modedesigner Rudolf Moshammer († 2005) wurde auch Franz S. ein Stricher zum Verhängnis. Am 16. Januar gegen 13 Uhr nahm der 80-Jährige am Rosenheimer Platz einen jungen Mann mit nach Hause, von dem er Sex wollte. Um 21 Uhr telefonierte Franz S. noch mit seinem Mitbewohner und erzählte, dass der junge Besucher über Nacht bleiben werde.

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Der Mord: Als der Mitbewohner den 80-Jährigen am Morgen zum Frühstück wecken wollte, fand er Franz S. mit zertrümmertem Schädel im Bett. Der Besucher war verschwunden – und die Geldbörse des Rentners auch.

Der Mörder blieb für die Münchner Ermittler jahrzehntelang ein Phantom. Erst als der heute 56 Jahre alte Mann nun auch im Ausland in Verdacht geriet, einen Menschen getötet zu haben, konnte seine Identität geklärt werden. Er landete in einer Polizei-Datenbank.

Die Ermittlungen: Die Polizei fahndete mit einem Phantombild nach einem 20- bis 25-jährigen, dunkelhaarigen Mann und setzte 5000 Mark Belohnung aus – ohne Erfolg. Doch der Mörder hatte am Tatort sowohl Fingerabdrücke als auch Blut hinterlassen, da er sich bei der Tat selbst verletzt hatte.


Das Phantombild druckte damals auch die Abendzeitung. Foto: AZ-Archiv

Im Sommer 2016 rollte die Mordkommission den Fall wieder auf. Dabei wurden die gesicherten Spuren noch einmal in die AFIS-Datenbank des BKA eingespeist sowie mit ausländischen Datenbanken verglichen. Dieses Mal gab es einen Treffer! Die Spuren konnten einem in Slowenien erfassten Serben zugeordnet werden.

In Österreich klicken die Handschellen

Im Oktober ermittelte die Mordkommission, dass sich der Verdächtige trotz Einreiseverbot in Österreich aufhielt – es erging ein europäischer Haftbefehl wegen Mordes. Als der heute 56-Jährige dann wegen eines ausländerrechtlichen Verstoßes in Österreich festgenommen wurde, reisten zwei Ermittler nach Wien, um den Mann zu vernehmen. „Der Tatverdächtige hat die Gewaltanwendung eingeräumt“, sagt Markus Kraus, Chef der Mordkommission. Er lobt die hervorragende Zusammenarbeit mit Österreich.

Ermittler befassen sich seit vier Jahren systematisch mit ungeklärten alten Mord- und Totschlagsfällen (und Versuchen) seit 1960, die eigentlich schon zu den Akten gelegt waren. 250 sind noch offen.

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