München: Mann gesteht Axtmord an Nachbarin

Ein Mann tötete seine Nachbarin mit einer Axt. Die 77-Jährige hatte keine Chance: Ihr Mörder schlägt neun Mal zu, weil er "Wut auf die Welt" gehabt hat.
| John Schneider
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Anwältin Garina Hamel zeigt ihm seinen Platz auf der Anklagebank: Peter S. vor dem Prozessauftakt am Montag.
Petra Schramek Anwältin Garina Hamel zeigt ihm seinen Platz auf der Anklagebank: Peter S. vor dem Prozessauftakt am Montag.

München - Um ganz sicher zu gehen, fühlte er seinem Opfer noch den Puls. Drei, vier Mal schlug das Herz der 77-Jährigen noch, dann nichts mehr. Hertha G. (Name geändert) war tot. Ermordet von ihrem Nachbarn. Auf die Frage von Richter Thomas Bott nach dem Motiv für die Bluttat antwortet der 64-jährige Peter S., der laut Staatsanwaltschaft an einer Persönlichkeitsstörung leidet: "Das weiß ich auch nicht."

In der Nacht davor habe er schlecht geschlafen, am 2. Mai 2018 dann "Wut auf die Welt" gehabt. Und so entschloss sich der Hausmeister, den Erstbesten zu töten, der ihm begegnete. Es traf seine Nachbarin. Hertha G. wollte gerade ihre Wohnungstür in dem Germeringer Wohnhaus abschließen, als ihr Nachbar mit der Axt auf sie einschlug.

Axtmörder rief nach der Tat die Polizei

Anschließend zog er die am Boden liegende Frau ins Innere ihrer Wohnung und vollendete dort den Mord. Er schlug weiter mit der Axt auf sein Opfer ein, würgte die Frau und stach mit einem mitgebrachten Messer zu. Nach der Tat musste sich Peter S. übergeben, versuchte noch, Blutspuren im Hausflur wegzuwischen. Doch dann rief er selbst die Polizei. "Ich habe meine Nachbarin erschlagen", soll er damals gesagt haben.

Auch beim gestrigen Prozessauftakt sagt er bereitwillig aus. So wie er es schon bei der Polizei getan hatte. Die Anklage basiert zum großen Teil auf seinen Aussagen, wie Anwältin Garina Hamel anmerkt.

Mordfantasien nach Schlaganfall

Der Hintergrund: Im November 2013 erlitt der 64-Jährige einen Schlaganfall. "Danach ging’s mit mir bergab", berichtet er gestern. Seitdem habe er Mordfantasien. Mal sah er sich als Amokläufer, mal als Autofahrer, der seinen Wagen in eine Menschenmenge steuert. Er entwarf Szenarien, wie er mit Schusswaffe oder Schwert Menschen tötet.

Bereits im Sommer 2014 zog er in einer Bankfiliale ein Messer, laut eigener Aussage ebenfalls, um seine Wut abzureagieren und "Terrorist zu spielen". Da er das Messer aber wieder einsteckte, wurde er lediglich wegen Nötigung zur Verantwortung gezogen und erstmals in eine forensische Psychiatrie eingewiesen. Auch heute noch kämen ihm Gedanken dieser Art. "Jetzt in die Freiheit zu kommen, das wäre mir nicht geheuer", erklärt er gestern selber vor Gericht.

Für die Staatsanwaltschaft hat Peter S. heimtückisch und aus Mordlust getötet. Neben einer Haftstrafe wird sie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus fordern. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

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