München: Mann (39) kann verletzten Vater nicht im Krankenhaus besuchen

Der Sohn eines Unfallopfers (68) erhebt Vorwürfe gegen die Polizei und fleht darum, dass er seinen Vater in der Klinik besuchen darf.
| Jasmin Menrad
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Das Unfallopfer Sadok Houki.
privat Das Unfallopfer Sadok Houki.

München - Aus der AZ hat Murat Houki (39) erfahren, dass die Polizei gegen den Mann, der seinen Vater umgefahren hat, Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet hat.

Körperverletzung heißt im Fall von Sadok Houki (68): beidseitig gebrochenes Jochbein, zertrümmerter Kiefer, gebrochenes Schlüsselbein links, fünf gebrochene Rippen, gebrochene Hüfte links und Fraktur im linken Bein. So berichtet es Murat Houki der AZ. Sein Vater konnte nicht sprechen, lag bis vor Kurzem intubiert im Bogenhauser Krankenhaus im künstlichen Koma.

Das Unfallopfer Sadok Houki.
Das Unfallopfer Sadok Houki. © privat

Der zuständige Polizeibeamte des Unfallkommandos hatte Murat Houki 20 Stunden nach dem Unfall mitgeteilt, wer die Schuld trägt: Sadok Houki, der am Sonntag gegen 18.10 Uhr die Berg-am-Laim-Straße überqueren wollte und von einem 24 Jahre alten Pizzalieferanten, der rückwärts auf der Berg-am-Laim-Straße fuhr, umgefahren wurde. Laut der Polizei war der Mann mit seinem Citroën etwa 50 Meter rückwärts gefahren, um in eine Lücke einzuparken.

Weil die Polizei seinem Vater die Schuld gibt, sucht Houki Zeugen

Am Tag nach dem Unfall telefoniert Murat Houki mit dem zuständigen Polizeibeamten: "Er gab meinem Vater die Schuld an dem Unfall und riet mir, ich solle mich mit der Versicherung des Unfallfahrers in Verbindung setzen, weil dessen Heckscheibe durch den Unfall beschädigt worden sei", sagt Murat Houki.

Er ist fassungslos, wie der Polizist mit ihm als Angehörigen umgeht – zumal die Pressestelle der Polizei eine Meldung herausgibt, in der es heißt, der Fahrer sei angezeigt worden. Die Pressestelle recherchiert den Fall intern, kann aber noch nichts sagen. "Deshalb suche ich Zeugen, die den Unfall am Sonntag gegen 18.10 Uhr beobachtet haben und der Polizei sagen, was meinem Vater passiert ist", sagt Houki – Unfallaufnahme 62 16 33 22.

Unfallopfer lebt seit 35 Jahren in München

Sadok Houki, der bis zu seiner Rente bei einem großen Unternehmen in der Produktion gearbeitet hat, ist im Viertel bekannt. Seit 35 Jahren lebt der Münchner hier, der Unfall geschah vor seinem Haus.

Seinen Vater konnte Murat Houki kein einziges Mal besuchen. Wegen der Coronabestimmungen darf er seinen Vater nicht sehen. "Das ist zu viel für die Psyche", sagt Houki, der als Logistikleiter in einem Baumarkt arbeitet und dort das Corona-Hygieneschutzkonzept entwickelt hat. "Ich kam mit einer FFP2-Maske an, ich muss doch meinen Vater sehen." Am Donnerstag erwachte Sadok Houki, doch im Laufe des folgenden Tages verschlechterte sich sein Zustand.

Lesen Sie hier: Corona-Patientin irrtümlicherweise für tot erklärt

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