München: Kälte greift in Alltag von Obdachlosen, Tieren und Verkehr ein

Die sibirischen Temperaturen in München machen Pendlern, Autofahrern, Obdachlosen und Tieren zu schaffen.
| Nina Job, Irene Kleber, Annika Schall
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Kalt und auch schön: Winterstimmung in München.
Wackerbauer 3 Kalt und auch schön: Winterstimmung in München.
Ein eisiger Brunnen in Thalkirchen.
Sophie Anfang 3 Ein eisiger Brunnen in Thalkirchen.
Ganz schön vereist: das Brunnenbuberl am Stachus.
Sigi Müller 3 Ganz schön vereist: das Brunnenbuberl am Stachus.

Bibber, bibber, Dauerfrost – die sibirische Extremkälte hat München seit Tagen fest im Griff. Für die Nacht zum Mittwoch sagten Meteorologen noch einmal zweistellige Minus-Temperaturen voraus, auch in den Morgenstunden soll es noch bis zu -13 Grad kalt sein. Die Eiseskälte macht (fast) allen zu schaffen:

OBDACHLOSE

Das Evangelische Hilfswerk fuhr in der vergangenen Nacht mit einem Kälteschutz-Nachtbus gezielt Plätze an, an denen Obdachlose schlafen. Die Helfer boten an, sie in die Bayernkaserne zu fahren, wo sie kostenlos übernachten können. Vier Plätze wurden sogar für Menschen mit Hund eingerichtet.

U- und S-BAHN-CHAOS

Wer als Pendler polartaugliche Kleidung trug, war in den vergangenen Tagen klar im Vorteil: Auf eisigen Bahnsteigen warteten tausende Fahrgäste lange oder vergeblich auf ihre S-Bahn. Eine technische Störung an der Oberleitung führte am Montag zu vielen Verspätungen. Zwei Züge, die bei Pasing liegengeblieben waren, mussten evakuiert werden.

Gestern legte eine Stellwerksstörung im Bereich des Flughafens den Zugverkehr lahm. Sie hatte zwar nichts mit dem Wetter zu tun, aber die S8 fuhr trotzdem nur bis Ismaning, die S1 ausschließlich nach Freising. Busse und Taxis wurden eingesetzt. In München Ost gab’s in der Früh eine Weichenstörung.

Auch den U-Bahnen machte der Frost zu schaffen: Am Montag fielen mehrere Züge der Linie U3, U5, U6 und U7 aus. Der Grund: Die Feststellbremsen waren eingefroren. Die MVG organisierte geschützte Stellplätze für besonders frostgefährdete U-Bahnen. So fiel die Bilanz gestern positiver aus: Lediglich ein Zug muste auf der Linie U7 frostbedingt ausfallen.

1200 AUTOPANNEN

Den Autofahrern geht es in diesen Tagen kaum besser. Allein am Montag ging bei 1200 Münchner Autofahrern nichts mehr: Der Motor startete nicht mehr. Die extreme Kälte hatte über Nacht die Autobatterien an ihre Grenze gebracht – und in der Folge die "Gelben Engel" vom ADAC.

45 ADAC-Pannenhelfer waren bis weit nach Mitternacht 400 Stunden im Einsatz, um etwa 800 Fahrzeuge in allen Stadtteilen fremdzustarten oder gleich neue Autobatterien einzusetzen. Dazu kamen externe Helfer. "Wir sind am Limit", erklärte der Chef der ADAC-Hilfezentrale Süd, Emil Weigel. "Der Montag war mit 1200 Pannen ein Rekordtag für uns. Noch nie hat unsere Straßenwacht in München an einem Montag so viele Aufträge erledigt wie diesmal. Normal wären 500."

Gestern ging der Pannenmarathon weiter. Bis Mittag meldeten sich 350 Münchner, die Starthilfe brauchten – die Wartezeit bei der Pannenhotline betrug bis zu 30 Minuten.

Der ADAC rät, die kostenlose "Pannenhilfe App" aufs Smartphone zu laden. Dort lässt sich eine Panne schnell beim ADAC melden, der Standort des Anrufers wird automatisch übertragen. "Damit hängt man nicht ewig in der Warteschleife, wenn die Telefonleitungen überlastet sind", erklärt Emil Weigel.

HEIZUNGSAUSFALL

Wem in diesen Tagen die Heizung den Dienst versagt, muss meist vorübergehend umziehen: Betroffen war unter anderem das Sozialbürgerhaus in der Plinganserstraße. Gestern betrug die Raumtemperatur dort 7 Grad. Es bleibt nun geschlossen, bis die Heizung wieder läuft.

Heizungsinstallateure hatten gut zu tun, einige konnten keine neuen Kunden mehr annehmen. "Zu Ausfällen kam es vor allem bei Heizungen, die zuvor schlecht gewartet wurden", so ein Installateur zur AZ.

HAUSARREST FÜR TIGER

Der Rekordfrost hat auch Folgen für viele Tiere in Hellabrunn: Die sibirischen Tiger Ahimsa und Jegor haben Hausarrest. Nicht etwa, weil ihnen zu kalt wäre – sondern weil sie flüchten könnten. Hellabrunn-Sprecher Daniel Hujer: "Der Wassergraben ist zugefroren, sie könnten herausspazieren!"

Auch die 140 Flamingos müssen drinbleiben. Die Pumpen, die das Wasser in Bewegung halten sollen, damit der Teich nicht zufriert, kamen nicht mehr nach.

Die Giraffen haben es besser. Damit sie bei der Eisglätte nicht ausrutschen und sich die langen Haxen brechen, haben sie im Vorgehege eine Fußbodenheizung. Trotzdem dürfen sie und die Elefanten bei der extremen Kälte nur stundenweise ins Freie, damit sie nicht zu sehr auskühlen. Den Elefanten gefällt der Winter: Sie rollen sich mit ihren Rüsseln Schneebälle und werfen sie sich selbst ins Maul.

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