München: Jugendlicher bietet Mitschüler auf eBay Kleinanzeigen an

Ein 15-jähriger Junge hat einen 14 Jahre alten Mitschüler im Internet zum Verkauf angeboten. Ein Münchner ist Anfang des Jahres auf die schockierende Online-Annonce gestoßen. Was jetzt auf den Teenager zukommt.
| Ralph Hub
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Der Schüler bot den 14-Jährigen bei "eBay-Kleinanzeigen" zum Verkauf an. (Symbolbild)
Monika Skolimowska/ZB/dpa Der Schüler bot den 14-Jährigen bei "eBay-Kleinanzeigen" zum Verkauf an. (Symbolbild)

München - Es begann mit harmlosen Hänseleien auf dem Pausenhof. Die Schikanen, denen sich ein 14-Jähriger aus München ausgesetzt sah, wurden im Lauf der Zeit aber immer schlimmer. Zuletzt wurde der Schüler sogar samt Foto bei Ebay Kleinanzeigen zum Kauf angeboten: "14-jähriger Junge zu verkaufen", stand da. Verhandlungsbasis: 100.000 Euro.

Eine Frau, die auf Ebay das Angebot entdeckt hatte, informierte die Polizei. Weder der Anbieter noch das Opfer waren zunächst bekannt.

Menschenverachtend wird der Bub bei Ebay als "Fehlkauf" beschrieben. Das "Exemplar komme leider aus China", sei absolut "minderwertig" und würde "wirklich derbe stinken", so dass ein "Ölwechsel" zu empfehlen sei.

Menschenhandels-Kommisariat nimmt Ermittlungen auf

Alles nur ein übler Scherz, oder doch ein ernst gemeintes Angebot? Niemand vermochte das zunächst mit Sicherheit zu sagen.

Das K 35 – zuständig für Menschenhandel – nahm die Ermittlungen in dem bizarren Fall auf. Menschenhandel ist ein weltweites Phänomen. Banden verdienen ein Vermögen mit Mädchen und Buben, die sie als Arbeits- oder Sex-Sklaven über das Internet anbieten. Geschäfte, die üblicherweise im Verborgenen stattfinden. Die Opfer werden im Darknet oder auf dubiosen Foren präsentiert.

Dieser Bub war dagegen auf dem weltweit größten Onlinemarktplatz und für jedermann sichtbar. Fahndern gelang es nach monatelangen und schwierigen Ermittlungen, den "Initiator" aufzuspüren, wie die Polizei gestern mitteilte.

Täter: Es war "derber Spaß aus Langeweile"

Hinter der Mobbing-Attacke steckt ein 15-Jähriger aus München. Der Teenager hielt es für eine lustige Idee. Es sei ein Scherz gewesen, ein "derber Spaß aus Langeweile", sagte er, als ihm Polizisten zuhause bei den Eltern einen Besuch abstatteten.

Täter und Opfer kennen sich, wohnen sogar in derselben Straße. Die Fahnder durchsuchten bereits im Mai die Wohnung der Eltern des 15-Jährigen. In seinem Zimmer fanden die Beamten gepolsterte Würgehölzer – eine verbotene Waffe. Der 15-Jährige wird sich vor dem Jugendgericht wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung verantworten müssen. Dazu kommt illegaler Waffenbesitz.

In schweren Fällen würde einem Erwachsenen sogar eine Freiheitsstrafe drohen. Da der Schüler allerdings erst 15 ist, dürfte er mit einem blauen Auge davonkommen – mit einer Geldstrafe oder Sozialstunden, bei denen er Gelegenheit hat, über alles nachzudenken.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren