München-Inzidenz weiter unter 50: Wann kommen Lockerungen?

Seit über einer Woche liegt die Corona-Inzidenz in München unter 50, Lockerungen wird es vorerst aber trotzdem nicht geben. Ein neuer Grenzwert ist bei den Corona-Maßnahmen nun entscheidend.
| Michael Schleicher Lukas Schauer
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Recht leer: Der Marienplatz Anfang Januar. Mittlerweile ist die Inzidenz in München stark gesunken, befindet sich sogar unter 50.
Recht leer: Der Marienplatz Anfang Januar. Mittlerweile ist die Inzidenz in München stark gesunken, befindet sich sogar unter 50. © Peter Kneffel/dpa

München - Am vergangenen Donnerstag war es endlich soweit: Nachdem die Sieben-Tages-Inzidenz in München kurz vor Weihnachten sogar einmal über 300 lag, ist sie am 4. Februar nach Wochen erstmals wieder unter 50 gesunken.

Auf 48 um genau zu sein – eine Zahl, die vielen Münchner Hoffnung gemacht haben dürfte. Denn über Monate hinweg wurde die 50er-Inzidenz als Schwellenwert deklariert, mit dem die Kontaktnachverfolgung erleichtert und dadurch möglicherweise Lockerungen einhergehen könnten.

Doch die Stadt wiegelte ab und erklärte: Die Inzidenz muss mindestens eine Woche am Stück unter 50 liegen, um überhaupt erst über mögliche Lockerungen sprechen zu können. Das gab vergangene Woche auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu verstehen: Er freue sich zwar und hoffe, dass die Fallzahlen weiterhin sinken, aber man müsse erst die kommenden sieben Tage abwarten, sagte er.

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Corona-Inzidenz: München seit über einer Woche unter 50

Diese sieben Tage sind mittlerweile vergangen, die Inzidenz in München blieb diese gesamte Woche unter 50. Die AZ hatte am vergangenen Mittwoch deshalb bei der Stadt nachgefragt: Sind bereits Lockerungen geplant, wenn die Inzidenz weiterhin unter 50 bleibt? Die Verwaltung hielt sich bedeckt, verwies auf die Beschlüsse der Ministerpräsident-Konferenz, die am Mittwoch stattgefunden hatte. Zudem könne über Lockerungen nur in Abstimmung mit dem Freistaat entschieden werden.

Nach der Bund-Länder-Konferenz stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dann klar, dass die Lockerungs-Werte neu gezogen werden. Künftig könne man erst ab einer dauerhaften Inzidenz von 35 oder darunter über Lockerungen im jeweiligen Kreis nachdenken. Gleiches bekräftigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen Tag später in München nach der Kabinettssitzung.

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Lockerungen in München sind also vorerst vom Tisch, doch wie lange noch? Denn die Münchner - oder zumindest der Großteil - scheint die Corona-Regeln zu befolgen, die Inzidenz sinkt seit Tagen Stück für Stück ab. Dem Robert Koch-Institut zufolge liegt sie derzeit bei 42,4 (Stand: 12.02., 0 Uhr). Viel zur neu auserkorenen "Lockerungs-Inzidenz" 35 fehlt also nicht mehr.

Stadt: "Rechtsverbindliche Regelungen erst nach Landtagsdebatte"

Am Freitag teilte die Stadt auf AZ-Nachfrage mit, dass sich die Lage nicht verändert habe. "Nach der heutigen Landtagsbefassung wird die Staatsregierung  die Beschlüsse in eine neue Fassung ihrer Infektionsschutzmaßnahmenverordnung überführen. Dort wird dann rechtsverbindlich geregelt, welche Maßnahmen gelten und unter welchen Voraussetzungen ggf. Lockerungen möglich sind", so das Presseamt. Heißt: Es bleibt erst einmal alles so, wie es ist.

"Sofern der Münchner Inzidenzwert weiterhin unter 100 liegt, wird nach den Ankündigungen der Staatsregierung in München ab kommenden Montag die nächtliche Ausgangssperre entfallen", so der Sprecher weiter. Die Regelungen für Schulen und Kitas gelten ab dem 22. Februar ebenfalls in München, ebenso wie die Friseur-Öffnungen ab 1. März.

Lockerungen: Münchner Virologe plädiert für 25er-Inzidenz

Übrigens: Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner, der in Schwabing die ersten Corona-Fälle behandelte, favorisiert als Voraussetzung für weitere Öffnungen eine Sieben-Tages-Inzidenz von 25. Vor Lockerungen im größeren Stil müssten die Zahlen weiter sinken, sagte der Chefarzt der Klinik für Infektiologie in Schwabing der Deutschen Presse-Agentur. Doch neben der Inzidenz sei es auch notwendig, auf weitere Werte zu schauen, besonders den Reproduktions-Wert, also die Zahl der Neuansteckungen pro Infizierten.

Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing.
Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing. © -/München Klinik/dpa/Archivbild

Die nun angestrebte Inzidenz von 35 sei aus seiner Sicht "sehr akzeptabel", jedoch kombiniert mit einem Reproduktions-Wert von höchstens 0,7 – "besser wäre kleiner". Das könne reichen, um vor einer großen dritten Welle zu schützen.

Inzidenz: Wird der Wert nochmals nach unten korrigiert?

Möglicherweise könnte Wendtners Vorschlag nach einer noch niedrigeren Inzidenz sogar bald umgesetzt werden. Auf die Frage, ob aus der 35 bald eine 20 werden könnte, verwies Merkel nach der Bund-Länder-Konferenz auf Paragraph 28a des Infektionsschutzgesetzes, in dem sowohl die 50 und auch die 35 als Grenzwerte genannt werden. "Beide Zahlen dürfen nicht das Ende der Fahnenstange sein", so die Kanzlerin.

Und weiter: "Wir dürfen uns auf gar keinen Fall mit irgendeiner Seitwärtsbewegung dann bei 35 zufriedengeben, weil dann die Umkehr, dass bei weiteren Öffnungen sofort wieder exponentielles Wachstum beginnt, sehr wahrscheinlich sein kann."

Es wird deutlich: Die Lockerungs-Debatte in Bezug auf konkrete Inzidenz-Zahlen scheint noch lange nicht beendet zu sein.

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