München im Sommer neu erleben – Sehenswürdigkeiten für Einheimische

Das "Dolce Vita" genießen
Dass München die nördlichste Stadt Italiens sei, können die meisten Einheimischen nicht mehr hören. Doch wer schon lange in einer Stadt lebt, übersieht oft, was viele Touristen so sehr fasziniert. Denn tagtäglich laufen die Münchner über den Odeonsplatz – doch wer nimmt sich die Zeit, um kurz innezuhalten und die beeindruckende Theatinerkirche zu bewundern?
Diese erbauten die italienischen Architekten Agostino Barelli, Enrico Zucalli und Giovanni Viscardi im 17. Jahrhundert. Ihr Vorbild: die Kirche Sant’Andrea della Valle in Rom. Dabei lässt sich das Gotteshaus nicht nur von außen bestaunen. Besucher erwartet ein prunkvoller Innenraum in Weiß, reich verziert im Stil des italienischen Barocks. Es gibt Gottesdienste sogar auf Latein. An Samstagen lässt sich zudem von 10 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr die Fürstengruft der Wittelsbacher besuchen, wo unter anderem Prinzregent Luitpold beigesetzt ist.

Die Theatinerkirche ist aber nicht das einzige italienische Bauwerk Münchens. Wer wieder hinaustritt und sich umsieht, wird merken, dass er plötzlich auf einer italienischen Piazza steht. Denn auch die Feldherrnhalle wurde nach italienischem Vorbild gebaut, ebenso wie der Königsbau der Residenz am Max-Joseph-Platz.
Die italienischen Baumeister Barelli und Zucalli entwarfen auch das grandiose Schloss Nymphenburg – eines der größten Schlösser Deutschlands. Von hier aus kommen daheim gebliebene Urlauber schnell nach Venedig: Jeden Freitag von 12.30 bis 18 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr finden im Schlosspark auf dem Mittelkanal Gondelfahrten statt. Diese kann man für 15 Euro pro Person über die Website https://www.gondel-nymphenburg.de buchen.
Ein weiteres Stück Italien findet man am Lenbachhaus gleich hinter dem Königsplatz: Im Garten der Villa Franz von Lenbach können sich Ausflügler auf Bänken und an Brunnen im italienischen Renaissance-Stil ausruhen und das Münchner "Dolce Vita" genießen.
Familienurlaub vor Ort
Mit den Kindern muss man immer verreisen? Von wegen! München ist die Familienstadt schlechthin. Von spannenden Museen bis hin zu ausgefallenen Aktivitäten für Kinder gibt es viel zu sehen und zu erleben.
Besonders jetzt, wenn andere noch im Urlaub sind, aber die Touristen langsam wieder aus München verschwinden, lohnt es sich, mit der Familie die Stadt neu zu erkunden. Am besten geht das mit einer der Kindertouren, die der Verein Stattreisen München organisiert. Auf deren Webseite finden Eltern Touren für Kinder von fünf bis 12 Jahren – von Altstadtführungen bis hin zu Abenteuern wie dem "Tatort Blutenburg".

Während der Sommerferien bieten viele Orte in München außerdem spezielle Angebote für Kinder an, wie die BMW Welt mit ihrem Ferienprogramm für Kinder oder das Varieté-Theater GOP. Dort können sich Kinder (bis 14 Jahre) bei der Aufführung "Zweifach magisch" kostenlos verzaubern lassen.
Viele Museen bieten zudem extra Führungen für Kinder und Familien an, darunter das Paläontologische Museum. Hier kommen Dino-Fans jeden Mittwoch bei Gratis-Führungen von Experten auf ihre Kosten. Oder man besucht mal wieder den Tierpark Hellabrunn. Dieser bietet vergünstigte Familienkarten ab 25 Euro an.
Ein besonderes Erlebnis ist freilich auch der Märchenwald im Isartal. Etwas außerhalb gelegen, lässt sich dieser verwunschene Ort in Wolfratshausen noch mit der S-Bahn erreichen. Eintrittskarten gibt es für Kinder und Senioren ab 16 Euro und für Erwachsene ab 18 Euro. So lassen sich die letzten Ferientage mit der Familie richtig ausnutzen.
Klingender Geheimtipp
Das Glockenspiel des Neuen Rathauses kennt freilich jeder Münchner. Bekanntlich findet dieses täglich um 11 und 12 Uhr und von März bis Oktober zusätzlich um 17 Uhr statt. Dabei stellt es zwei historische Ereignisse dar: Ein Ritterturnier, welches zur Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen 1568 stattfand, und einen Schäfflertanz.

Die Fassmacher sollen nach einer Pestepidemie auf den Straßen mit ihren Tänzen die Bevölkerung aufgeheitert haben. Ein drittes Glockenspiel ist aber selbst vielen Einheimischen nicht bekannt. Wer um 21 Uhr zum Rathaus aufschaut, wird die beiden Turmerker aufleuchten sehen. Im linken dreht dann ein Nachtwächter mit einem Hund seine Runde. Im rechten Erker bringt kurz darauf der Friedensengel das Münchner Kindl zu Bett.
Dazu erklingen "Die Meistersinger von Nürnberg" von Wagner und das "Wiegenlied" von Johannes Brahms. So wird jeden Abend in München die Nachtruhe eingeläutet.
Stadt-Geschichte verstehen
Wer eine fremde Stadt besucht, setzt sich oft mit ihrer Geschichte auseinander. Dabei wissen viele über ihre eigene Stadtgeschichte nur wenig.
Zeit, das zu ändern. Der erste Halt führt dabei erst mal raus aus der Stadt. In der Gemeinde Kirchheim bei München verschlägt es die Städter auf einen archäologisch rekonstruierten Bajuwarenhof des Frühmittelalters. Jeden Sonntag von 11 bis 17 Uhr lernen Besucher dort etwas über die Ursprünge der Bayern. Der Eintritt ist frei.
Im Residenzmuseum erfahren Einheimische dann mehr über München als Residenzstadt. Das größte Innenstadtschloss Deutschlands beherbergt originale Möbel, Gemälde und Skulpturen der Wittelsbacher.

Das dunkelste Kapitel der Stadt behandelt das NS-Dokumentationszentrum. Die aktuelle Ausstellung erklärt, wie es zum Aufstieg der NSDAP kam, wie es sich während der Diktatur in München lebte und wie diese Zeit die Menschen bis heute noch prägt. Im Jüdischen Museum erfährt man mehr über die jüdische Gemeinschaft in München.
Bei einer Stadtführung können Einheimische Geschichte hautnah erleben. Die Guides von Munich Walk Tours laufen mit Teilnehmern alle wichtigen Orte in München zur Zeit der NS-Diktatur ab. Bei einer Führung von München Tourismus durch den Justizpalast lernt man mehr über den Prozess gegen die Widerständler Hans und Sophie Scholl. Auch die Denkstätte Weiße Rose im Hauptgebäude der LMU erinnert an die Widerstandsbewegung. Hier lohnt sich besonders jetzt, zur vorlesungsfreien Zeit, ein Besuch.
Kulturausflug
Zu jedem Stadturlaub gehört ein Abstecher in die lokalen Museen. Hier hat München viel zu bieten – und wer sich auskennt, weiß auch, wo man wann günstig reinkommt. Der Eintritt in viele Münchner Museen kostet an Sonntagen nur einen Euro – darunter sind Lieblinge wie die Pinakotheken, die Glyptothek, das Ägyptische Museum oder das Museum Fünf Kontinente.

Ins Lenbachhaus kommen Besucher jeden ersten Donnerstag im Monat von 18 bis 22 Uhr sogar kostenlos rein. Auch ins Haus der Kunst erhält man jeden letzten Freitag im Monat von 16 bis 22 Uhr freien Eintritt. Nebenbei gibt es unzählige Galerien, Kunsträume und Ausstellungen in ganz München verteilt. Wer alternativer unterwegs sein möchte, bucht sich unter https://munichwalktours.de eine Street Art-Führung. Für 36 Euro fährt man hier mit einem Leihrad durch die Stadt und lernt das vermeintlich spießige München ganz anders kennen.
Aktivurlaub in der Stadt
Ausstellungen besuchen, durch Gärten spazieren, einen Kaffee genießen – natürlich ist das schön, es kann aber auch langweilig werden. Was ist mit denen, die mehr Abenteuer in ihrem Leben wollen? Klar, von München aus ist man schnell in den Bergen, wo es Wanderrouten gibt, soweit das Auge reicht. Doch der neueste Trend heißt Rennradfahren. Auch hierfür gibt es ein großes Angebot: von szenischen Touren bis hin zu anspruchsvollen Alpen-Pässen.
Wer hoch hinaus möchte, kann hingegen einen Tandemflug mit dem Gleitschirmflieger buchen. Das Paragliding bietet sich für Anfänger an, die auf der Suche nach einer ordentlichen Portion Nervenkitzel sind.

Doch auch in München wird Adrenalin-Junkies genügend angeboten – womit nicht nur das Surfen auf der Eisbachwelle gemeint ist. Von den ruhigen Münchner Isarauen bis zum Wildwasserfluss im Karwendel kann man Kajak, Kanu und Schlauchboot fahren. Ein besonderer Tagesausflug ist die traditionelle Fahrt auf einem Floß. Und auch auf dem Olympiasee darf gepaddelt werden. Da soll noch jemand sagen, München sei langweilig . . .
Sehenswürdigkeiten neu entdecken
Frauenkirche, Eisbachwelle, Viktualienmarkt, Olympiapark – alles schon gesehen? Einheimische haben oft den Eindruck, die Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt zu kennen. Doch Hand aufs Herz: Wer war wirklich schon mal auf der Aussichtsplattform im Südturm der Frauenkirche? Oder hat das Neue Rathaus von innen betrachtet? Waren Sie eigentlich schon mal in der Residenz?
Aus Angst davor, als „Touri“ abgestempelt zu werden, scheinen die Münchner diese Orte ein bisserl zu scheuen. Dabei kann man auch als Alteingesessener noch Neues in der eigenen Stadt entdecken.

Haben Sie etwa schon die Juristische Bibliothek im Neuen Rathaus besucht? Sie gilt mit ihren Wendeltreppen und der Galerie im Jugendstil als eine der schönsten Bibliotheken der Stadt. Wer das Schloss Nymphenburg schon in- und auswendig kennt, findet in Schleißheim eine Schlossanlage, die mindestens genauso prächtig ist – jedoch weit weniger besucht. Die Dreifaltigkeitskirche nahe des Lenbachplatzes macht wiederum der opulenten Asamkirche Konkurrenz.
Wer in die Natur will, findet im Westpark einen zweiten Englischen Garten, der nicht so voll ist. Und waren Sie schon mal beim Nachbarfluss der Isar, der Würm? Auch Stadtführungen lohnen sich für Einheimische: Mit einer Radtour von Munich Walk Tours lernt man München vom Fahrradsattel aus neu kennen. Eine Probiertour über den Viktualienmarkt von Servus Bavaria Tours sorgt für ein kulinarisches Erlebnis, das auch Alteingesessenen schmeckt.
Führung zum Gruseln
Wer abends öfter in der Altstadt unterwegs ist, wird sie bestimmt schon mal gesehen haben: Dunkle Gestalten in schwarzen Umhängen, mit Laterne und Lanze ausgestattet. Die Nachtwächter sind den meisten Münchnern bekannt. Doch nicht nur für Touristen sind die abendlichen Stadtführungen interessant. Einheimische können hier mehr über die Stadtgeschichte und die sich darum rankenden Mythen erfahren.
Buchen kann man die Führungen direkt beim Nachtwächter Wolfram oder bei den Anbietern Weis(s)er Stadtvogel und Servus Bavaria Tours.
Auch bei Die Stadtspürer gibt es Führungen zu Mythen, Geistern und Dämonen. Wer dachte, München zu kennen, wird hier schnell eines Anderen belehrt.