München im Dauerregen: Wie lange es noch dauert

Pfützen-Slalom statt Biergarten: Seit Tagen hagelt, nieselt und tröpfelt es in München. Wetterfrosch Gery Keller erklärt, warum wir derzeit nicht ohne Schirm außer Haus können - und warnt: Das miese Wetter bleibt erstmal.
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Stadtführung unterm Schirm: Touristen halten durch.
Sigi Müller Stadtführung unterm Schirm: Touristen halten durch.

MÜNCHEN - Pfützen-Slalom statt Biergarten: Seit Tagen hagelt, nieselt und tröpfelt es in München. Wetterfrosch Gery Keller erklärt, warum wir derzeit nicht ohne Schirm außer Haus können - und warnt: Das miese Wetter bleibt erstmal.

Sommer sieht anders aus: Seit Tagen regnet es, was das Zeug hält. Ein Experte erklärt, warum das so ist, wie es am Wochenende wird – und warum Österreich noch schlechter dran ist.

Warum regnet es so viel? „Tief Qinton über dem Mittelmeer schaufelt feuchte Luft zu uns“, sagt Gery Keller vom Wetterdienst Meteomedia. Die Luft rauscht in einem großen Bogen über den Balkan, Tschechien und Polen in Richtung Süddeutschland, wo sie von den Bergen aufgehalten wird – und die Wolken regnen sich kräftig ab. „Gleichzeitig ist die Luft in Bodennähe kalt, in rund 5000 Metern Höhe kommt immer wärmere Luft heran“, sagt Keller. Das sorge für noch mehr Wolken.

Fällt diesmal besonders viel Regen? In den letzten 48 Stunden maß Meteomedia im Großraum München 50 bis 70 Liter pro Quadratmeter. Besonders dramatisch ist es am Alpenrand: Dort fielen 100 bis 150 Liter. Im ganzen Juni regnet es sonst im Schnitt 130 Liter.

Manchmal regnet es in Giesing, im Zentrum aber nicht – warum? In München gibt es laut Deutschem Wetterdienst fünf Klima-Zonen: Die City ist der wärmste Ort, der Westen ist der kälteste. Im Norden wabert oft Nebel aus dem Erdinger und Dachauer Moos. Der Süden liegt höher – dort bekommen die Einwohner mehr Sonne ab. Dafür regnet’s aber auch öfter.

Neben dem Regen fiel am Montag auch Hagel – wie kommt das? Hagel entsteht bei Sommergewittern. In einer Gewitterwolke entstehen kräftige Aufwinde, die über 100 Stundenkilometer schnell sind – die schleudern Wassertropfen in die Höhe, manchmal bis zu 10 000 Meter hoch. Dort herrschen Temperaturen von minus 30 Grad. Der Tropfen gefriert, wird schwerer und fällt, – und kann unten wieder hochgeschleudert werden. So wird das Hagelkorn wird immer größer. Irgendwann ist es zu schwer – und stürzt endgültig ab.

Müssen wir Hochwasser befürchten? Laut Wasserwirtschaftsamt steht die Isar knapp vor der Meldestufe 1 – der ersten von vier. Sprecher Matthias Junge: „Es müsste aber eine Woche mit der jetzigen Intensität regnen, damit wir Hochwasser fürchten müssen.“ Das Wasser in der Isar steige nur, wenn es über der Loisach und im Raum Garmisch sehr stark und anhaltend regnet. Der starke Regen hat aber die Renaturierungsarbeiten unterbrochen, auch die Baustelle des Praterkraftwerks ist außer Betrieb.

Hat der Rest Europas auch Mistwetter? Nein – „der Regen konzentriert sich nur auf Südbayern, die Ostschweiz und Österreich“, sagt Gery Keller.

Und wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Das dauert noch: „In den nächsten 15 Tagen wird es keine stabile Hochdrucklage mit Sonne von morgens bis abends geben“, sagt Keller. Schlechte Nachrichten – immerhin wird es wärmer: Ab heute soll es weniger regnen, ab Donnerstag kommt wärmere Luft. Die Temperaturen steigen auf 25 Grad. „Hin und wieder wird auch die Sonne scheinen“, sagt Meteorologe Keller, „dafür kann es nachmittags und abends Gewitter geben.“ Die Ösis trifft es härter: „Im Salzburger Land, Nieder- und Oberösterreich werden sie noch einiges abkriegen.“

Thomas Gautier

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