München fordert 3,3 Millionen Euro – Nachbargemeinde wehrt sich
Viele, die sich den Traum von der Doppelhaushälfte erfüllen und München trotzdem nicht ganz aufgeben wollten, ziehen nach Ottobrunn. Mit der S-Bahn ist der Marienplatz nur 25 Minuten entfernt. Bis zur Stadtgrenze sind es sogar nur knapp 750 Meter.
Was viele nicht wissen: Zwischen der Großstadt und dem Vorort läuft derzeit ein Rechtsstreit. Es geht um eine Summe von mehr als drei Millionen Euro, ums Trinkwasser und ums Verhältnis zwischen Nachbarn.
Der Reihe nach: München bekommt sein Trinkwasser zum Teil aus dem Loisachtal im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Stadtwerke München haben damit auch einige Umlandgemeinden mitversorgt. Darunter auch Ottobrunn. 2016 teilte Garmisch mit, das nicht mehr zu dulden. Gemeinden, die eine eigene Wasserversorgung aufbauen können, sollten das tun - spätestens von 2026 an.
Im Höhenkirchner Forst gibt es Brunnen, die auch den Ostteil von Ottobrunn, der bislang sein Wasser von den Stadtwerken bekam, mitzuversorgen. Schon vor etwa einem Jahr, am 30. Juni 2025, ging deshalb das Wassernetz von den Stadtwerken München an die Gemeinde Ottobrunn über. So schildert es Bettina Winklmann, die Werkleiterin des Wasserversorgungsbetrieb Ottobrunn.
"Technisch ist das Ganze abgeschlossen", sagt sie. "Was nicht abgeschlossen ist, ist die Frage, was wir für das Netz zahlen müssen."
Diesen Preis verlangen die Stadtwerke München für ihr Wassernetz
3,3 Millionen wollen die Stadtwerke München laut Winklmann haben. "Wir sagen, das ist zu hoch bewertet", sagt sie. Schließlich bezahlten die Ottobrunner jahrzehntelang eine Gebühr für das Wasser. "Die Bürger haben das Netz schon einmal abbezahlt." Außerdem sei das Netz schon Jahrzehnte alt. Es stehe eine Sanierung an, die sich mehrere Jahre hinziehen soll.
"Unsere Gutachter sagen, das Netz ist noch zirka 100.000 Euro wert", sagt Winklmann. Grundsätzlich arbeite die Gemeinde gut mit den Stadtwerken zusammen. "Aber an der Stelle sagen wir einfach: Das ist zu viel." Entscheiden muss darüber nun ein Gericht.
"Ein merkwürdiges Vorgehen"
"Das ist eine befremdliche Situation", sagt Leon Matella, der Fraktionschef der Grünen im Ottobrunner Gemeinderat. Denn schließlich seien die Stadtwerke doch kein privates Unternehmen, sondern eine Tochtergesellschaft der Stadt München. "Dass sie trotzdem versuchen, den letzten Euro aus einer Nachbargemeinde herauszupressen, ist ein merkwürdiges Vorgehen", findet Matella.
Drei Millionen Euro sei für Ottobrunn viel Geld. Die Gemeinde rechnet mit Gewerbesteuereinnahmen von zwölf Millionen Euro in dem Jahr. München kalkuliert mit rund 3,3 Milliarden.
An seinen Parteikollegen, Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), hat sich Matella trotzdem noch nicht gewandt: "Ich denke, wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie es weitergeht." Er geht fest davon aus, dass das Gericht seiner Gemeinde recht geben wird. Denn schließlich sei das Wassernetz "völlig heruntergekommen". Über Jahre hinweg haben die Stadtwerke nur sehr wenig investiert, sagt Matella. Äußern wollten sich die Stadtwerke München zu dem Rechtsstreit nicht. Sie verweisen darauf, dass das Verfahren noch laufe.
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