München E-Ladesäulen: Neue Konzession entscheidet über Zukunft der SWM-Ladepunkte
Das Geschäft mit der Stromversorgung für Elektromobilität war 2016 noch nicht lukrativ – das hat sich geändert.
Vor zehn Jahren hat die Stadtverwaltung die Stadtwerke "fast noch anbetteln müssen" (so ein Insider), um E-Ladesäulen für die Besitzer von Elektro- und Hybridfahrzeugen zu errichten.
Inzwischen sind über 73.000 E-Kfz oder Hybridmodelle in München gemeldet. In den letzten drei Jahren gab es einen Sprung. Allein im Juni 2026 gab es 10.227 Neuzulassungen von E- oder Hybridautos in der Stadt. Das sind zwei Drittel der Erstzulassungen. "E-Ladesäulen zu betreiben ist inzwischen ein interessantes Geschäft", sagt das Mobilitätsreferat.
SWM haben ein Quasi-Monopol
Aktuell betreiben die Stadtwerke München (SWM) rund 1550 öffentlich zugängliche Ladepunkte (das sind die Steckdosen). Die meisten haben eine Leistung von 22 kW, so die SWM.
Weil aber die SWM an mehr als 600 Standorten sind, und der private Anbieter Qwello – als Pilotprojekt – bislang nur sieben Lade-Standorte betreiben darf, hat Qwello nun gegen die Vergabepraxis der Stadt geklagt. Erfolgreich.
Die Folge: In Zukunft muss die Stadt die Vergabe "transparent" und "diskriminierungsfrei" gestalten. Konkurrenzanbieter wollen ein größeres Stück vom Kuchen.
Weil das Thema E-Ladesäulen dringend und klimarelevant ist, entscheidet am 19. August der Feriensenat im Stadtrat, ob es das Mobilitätsreferat beauftragt, in Zukunft Konzessionen für die Aufstellung von E-Ladesäulen zu vergeben.
Andere Städte machen es vor
Eine Konzessionsvergabe hat Vorteile: "Wir hätten einen großen Gestaltungsspielraum können eine Betriebspflicht in Stunden vorgeben, die Nutzung von Ökostrom und Barrierefreiheit", erklärt Sabine Effner, stellvertretende Leiterin des Mobilitätsreferats: "Stuttgart und Hamburg sind diesen Weg erfolgreich gegangen."
Auf privatem Grund, an Tankstellen und auf Supermarktparkplätzen, entstünden gerade Schnellladestellen. Im öffentlichen Stadtraum existieren aktuell 600 Ladestandorte der SWM, dazu sieben von Qwello – und weniger anderer Pilotprojekte.
Die SWM könnten Standorte verlieren
Kann sich das Verhältnis in Zukunft drehen?
E-Ladesäulen in München: Wir fangen neu an
Die stellvertretende Mobilitätsreferentin erklärt: "Wir fangen dann neu an", so Effner. Und: "Bei einer Neuausschreibung ist es möglich, dass die Stadtwerke Standorte verlieren."
Sabine Effner: "Wir rechnen mit einer mittleren zweistelligen Bewerberzahl für Konzessionen."
Mindestens 750 Lade-Standorte zusätzlich für den öffentlichen Stadtraum
Das ursprüngliche Ziel war: 750 Standorte mit 15.000 Ladepunkten auf öffentlichem Grund. Nun rechnet das Mobilitätsreferat mit "750 Standorten zusätzlich, oder mehr", so Effner. Und hofft, dass im zweiten Halbjahr 2027 "der Ausbau startet".
Die Stadtwerke München reagieren so: Die Ladeeinrichtungen sind Eigentum der SWM, betont ein Sprecher. Rund 350 der Ladesteckdosen befänden sich allerdings auf privater Fläche. "Diese Ladepunkte werden die SWM so oder so weiter betreiben", schreiben die Stadtwerke der AZ.