München bekommt bald einen neuen Hauptbahnhof – als Zwischenlösung für zehn Jahre

München bekommt ein neues Hauptbahnhofsgebäude. Gemeint ist nicht der gläserne Bau mit dem 70-Meter-Hochhaus, von dem man schon viele Visualisierungen gesehen hat. Sondern: ein Interimsbau.
Dieser soll auf der Seite der Bayerstraße entstehen, wo sich früher die Taxis gehalten haben. Baubeginn soll diesen März sein. So hat es Kai Kruschinski, der Projektleiter der Zweiten Stammstrecke am Donnerstagvormittag erklärt.
Er nannte das Gebäude das neue "Herzstück" für alle Passagiere am Münchner Hauptbahnhof.
Der Bau soll fünf Stockwerke hoch werden. Rein kommen ein neues Reisezentrum, Schließfächer, Fundbüro, Lager, Büros, eine Mitarbeiter-Kantine, aber keine Gastro für die Allgemeinheit. Fertig soll der Bau 2027 werden.
Er werde in "Modulbauweise" errichtet und solle ansprechend aussehen, sagte Kruschinski. Denn schließlich soll das Gebäude zehn Jahre lang bleiben. 20 Millionen kostet der Bau laut der Deutschen Bahn.

Die Gebäude beim Starnberger Flügelbahnhof werden abgerissen
Auch auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs tut sich etwas: Die Bahn will die Gebäude beim Starnberger Flügelbahnhof abreißen. Denn sie braucht Platz, um das Vorhaltebauwerk für die U9 zu errichten.
Im Spätsommer will die Bahn am Hauptbahnhof den tiefsten Punkt ihrer Baustelle erreicht haben. 45 Meter unter der Erde soll eine Station entstehen. Mit dem S-Bahnhof Marienhof hinter dem Rathaus wird das der tiefste Bahnhof in ganz Deutschland.
Fertig wird der neue Hauptbahnhof Stück für Stück bis 2038. "Es ist wie Tetris", sagt Kruschinski. Wenn ein Teil fertig sei, könne mit dem nächsten begonnen werden.
Darum ist der Stammstrecken-Chef Olympia-Fan
Kruschinski bezeichnet sich selbst übrigens als einen großen Fan von Olympischen Spielen. "Wenn sie 2036 in München stattfinden, dann wird die Stammstrecke da auch fertig sein", sagt er. Das liege daran, dass mit den Spielen die Bürokratie seiner Einschätzung nach vereinfacht werde - und die sei derzeit eine große Bremse.
Auch bei Stammstrecken-Baustelle geht es heuer voran. Ab September soll eine große Tunnelbohrmaschine zum Einsatz kommen, die zwischen Marienhof und Donnersbergerbrücke einen "Erkundungsstollen" bohrt, aus dem später der Rettungsstollen werden soll.
Kruschinski vergleicht die Bohrmaschine mit einem Maulwurf, der sich durch Münchens Erdreich wühlt. Allerdings im XXL-Format: Die Bohrmaschine ist 178 Meter lang und 700 Tonnen schwer. Sie wird gerade in Schwanau gefertigt. Ab Juni soll sie an der Donnersberger Brücke aufgebaut werden. Die "Verkehrstunnel", in denen einmal die S-Bahn fahren soll, sollen ab 2028 gebaut werden.

Wo es 2026 zu Einschränkungen kommt
Bemerken werden die Münchner die Stammstrecken-Baustelle heuer auch am S-Bahnhof in Laim. Dort wird am Gleis zwei die Bahnsteigkante fertig. Dafür wird der bestehende Bahnsteig abgerissen. Für Fahrgäste hat das Folgen: In Laim werden nicht mehr alle S-Bahnen halten, sagt Kruschinski.
Auch am Ostbahnhof starten die Tiefbauarbeiten für die unterirdische Station. Außerdem soll der Bau der Fußgänger-Unterführung starten, mit der man unter den Gleisen hindurch kommen soll. Für die Fahrgäste bedeutet das Einschränkungen: Voraussichtlich an Ostern werde es erste Sperrungen geben.
Die Zweite Stammstrecke soll rund 9,4 Milliarden Euro kosten. Kruschinski ist sich sicher, dass sich diese Investition und die Einschränkungen, die die Fahrgäste heute wegen der Baustelle auf sich nehmen müssen, auszahlen werden: Das Münchner S-Bahn-Netz, das für Olympia '72 gebaut wurde, sei ursprünglich nur auf 250.000 Passagiere ausgelegt gewesen.
"Heute haben wir 850.000 Fahrgäste", sagt der Projekt-Chef. Und München wachse weiter. Deshalb brauche die S-Bahn eine Entlastung.