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Mordprozess ohne Leichen - Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

Der Angeklagte bestreitet, Frau und Stieftochter getötet zu haben. Der Staatsanwalt fordert im Plädoyer lebenslange Haft.
| John Schneider
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Der Angeklagte sitzt zum Prozessauftakt an seinem Platz im Landgericht München I. Dem Mann wird vorgeworfen, seine Frau und Stieftochter umgebracht zu haben. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr spurlos verschwunden. (Archivbild)
Der Angeklagte sitzt zum Prozessauftakt an seinem Platz im Landgericht München I. Dem Mann wird vorgeworfen, seine Frau und Stieftochter umgebracht zu haben. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr spurlos verschwunden. (Archivbild) © Britta Schultejans/dpa

München - Roman H. (46) gibt sich in seinem letzten Wort kämpferisch: "Für mich kommt nur Freispruch infrage." Seit vier Monaten wird in einem spektakulären Indizienprozess am Landgericht gegen ihn verhandelt. Wegen Totschlags und Mord.

Der 46-Jährige soll seine 46-jährige Ehefrau Maria G. und deren Tochter (16) umgebracht haben. Doch die Leichen der beiden Frauen wurden bislang nicht gefunden.

Anwältin Antje Brandes spricht  von finanziellem Motiv

"Nur der Angeklagte weiß, warum die beiden sterben mussten und wo sich ihre Leichen befinden", sagt Staatsanwalt Daniel Meindl. Um 12.02 Uhr am 13. Juli 2019 schickte die 16-Jährige eine WhatsApp-Nachricht an ihre Freundin: "Ich schreib dir gleich", stand darin.

Meindl geht davon aus, dass Tatiana kurz nach dieser letzten Nachricht von ihrem Stiefvater getötet wurde: "Sie war nur 16 Jahre alt. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich." Das Motiv sei finanziell gewesen, ergänzt Antje Brandes. Die Anwältin vertritt den Vater von Tatiana, der als Nebenkläger an dem Verfahren teilnimmt. Roman H. habe das Testament seiner Lebensgefährtin Maria gefunden und daraus schließen können, dass sie sich von ihm trennen wollte.

Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

Für ihren Mandanten sei die "Ungewissheit eine Qual", und ohne Leichen gebe es auch keinen Ort der Trauer für ihn, seine Freude am Leben sei "komplett zerstört".

Meindl fordert lebenslange Haft für den angeklagten Deutsch-Russen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Der Ankläger ist überzeugt, dass Roman H. im Streit Maria tötete und dann die Stieftochter ermordete, um die Tat zu verschleiern.

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Der Angeklagte hatte Frau und Stieftochter selbst als vermisst gemeldet. Als immer mehr Ungereimtheiten an der Geschichte auffielen, durchsuchten die Ermittler die Ramersdorfer Wohnung der Familie und fanden Blutspuren. Auch auf einem Teppich und einer Fußmatte, die Roman H. in einem Wald deponiert hatte. Es sind die Hauptindizien in dem Mordprozess ohne Leichen.

Angeklagter beteuert weiter seine Unschuld

Wie sein Mandant fordert auch der Verteidiger von Roman H. Freispruch – weil die Taten "nicht mit der erforderlichen Sicherheit" bewiesen seien. Der Angeklagte erklärt die Blutspuren mit einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter.

Für Meindl eine "Lügengeschichte". Er bittet Roman H, nach Prozessende mitzuteilen, wo die Leichen sind. "Das ist das einzig Positive, was Sie in diesem Fall noch tun können – für die Hinterbliebenen und auch für sich selbst."
Das Urteil soll am 23. Februar verkündet werden.

 

 

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