Mordprozess in München: Opfer war die "Liebe des Lebens"

Ein 27-jähriger Bürokaufmann schneidet seiner Ex-Freundin die Kehle durch. Vor Gericht bittet er die Angehörigen um Verzeihung.
| John Schneider
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Der Angeklagte wird vorgeführt.
Daniel von Loeper Der Angeklagte wird vorgeführt.

München - Ein großer, schlaksiger Typ mit dunkler Brille nimmt auf der Anklagebank Platz. Auf den ersten Blick eher der Typ netter Junge von nebenan als brutaler Mörder. Und doch hat der Bürokaufmann Pascal K. (27) vor einem knappen Jahr seine ehemalige Freundin Petra F. (Name geändert) umgebracht. Er stach laut Anklage mindestens 13 Mal auf die 21-Jährige ein, schnitt ihr die Kehle durch.

In einer Erklärung, die seine Anwältin Birgit Schwerdt vorträgt, berichtet Pascal K., was in seiner Hasenbergl-Wohnung vorgefallen sein soll. Er hatte mit Petra F. telefoniert, sie sollte an diesem 11. Dezember noch einmal zu ihm kommen.

Erst die Faust, dann das Messer

Sie kam, habe sich im Wohnzimmer auf die Couch gesetzt. Es kam zum Streit, er nannte sie einen "verlogenen Menschen". "Sie gab mir dann eine Watschn", berichtet er. Er habe ihr daraufhin Faustschläge verpasst und sei dann mit einem Messer aus der Küche auf sie losgegangen.

Als sie zu Boden ging, habe er ihr die Kehle durchgeschnitten. Wie er zu einer solchen Tat fähig sein konnte, verstehe er selber nicht. "Petra war die Liebe meines Lebens", sagt er vor Gericht. "Ich bitte ihre Familie um Verzeihung." Er wüsste aber, dass so etwas unverzeihlich ist. Er werde den Rest seines Lebens mit dieser Schuld herumlaufen. Die Mutter des Opfers wusste von dem Treffen und tauchte kurz nach dem Tod ihrer Tochter bei Pascal K. auf. Auch die Abstellkammer, in der der Täter die Leiche versteckt hatte, fiel ihr laut Anklage auf. Doch Pascal K. behauptete, den Schlüssel für die Kammer verloren zu haben. Beide verließen die Wohnung, der Täter floh, stellte sich aber wenige Stunden später der Polizei.

Das Opfer war die "Liebe des Lebens"

Staatsanwältin Nina Prantl hat den Tathergang etwas anders rekonstruiert. Pascal K. habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt, sagt sie. Während der ganzen anderthalb Jahre andauernden Beziehung zwischen den beiden war er niemals gewalttätig geworden. Die junge Frau habe auch deswegen nicht mit einem Angriff auf ihr Leben rechnen können.

Die Beziehung war zwei Monate zuvor zu Ende gegangen. Für ihn völlig überraschend. Trotz vieler Streitigkeiten schien sie ihm die perfekte Frau für ihn. Im Nachhinein erst habe er erkannt, dass das wohl "Wunschdenken" war.

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Sie kritisierte die Sauberkeit in seiner Wohnung, empfand ihn als nicht männlich, nicht dominant genug, weder im Umgang mit seiner Familie, noch im Umgang mit ihr, berichtet der Angeklagte der Vorsitzenden Richterin Elisabeth Ehrl. Er selber sei spielsüchtig gewesen, sei immer wieder Sportwetten eingegangen und habe im Laufe der Jahre 27 000 Euro verloren. Als Petra F. mit ihm Schluss machte, sei er in "ein tiefes Loch gefallen", war arbeitsunfähig. Auch in der U-Haft bekommt er Anti-Depressiva. Der Prozess wird fortgesetzt.

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