50 Jahre Münchner U-Bahn: Ein neuer Zug in alten Farben

Vor 50 Jahren fuhr zum ersten Mal eine U-Bahn in München. Jetzt sieht sie farblich wieder aus wie damals.
| Christina Hertel
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Drei Herren weihen den neuen Zug im alten Gewand ein: Helmut Schütz (l.) Verkehrsministerium, OB Dieter Reiter und Ingo Wortmann (MVG).
Drei Herren weihen den neuen Zug im alten Gewand ein: Helmut Schütz (l.) Verkehrsministerium, OB Dieter Reiter und Ingo Wortmann (MVG). © Lennart Preiss/dpa

München – Vor 50 Jahren ist zum ersten Mal eine U-Bahn in München gefahren – zwischen Kieferngarten, Marienplatz und Goetheplatz. Warum diese erste Linie heute U6 heißt und nicht U1, will der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei einem Festakt zu diesem Jubiläum wissen. Die Antwort: Die U-Bahn ersetze die Tramlinie 6 in der Leopoldstraße.

Nach nur sechs Jahren Bauzeit und vier Jahren Probebetrieb wurde die U-Bahn am Dienstag, 19. Oktober 1971, eingeweiht. Von diesem Tempo kann München 50 Jahre später nur träumen. Inzwischen dauert alleine das Planfeststellungsverfahren so lange wie früher die gesamte Bauzeit, sagt Reiter.

Fahrgastaufkommen: Heute zehn Mal so hoch wie vor 50 Jahren

Auch, was die Kosten betrifft, wünscht sich der OB wohl die gute alte Zeit zurück: 450 Millionen kostete damals die ganze U6. Für dieses Geld bekomme die Stadt heute gerade so zwei Kilometer Strecke.

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Wenigstens nutzen heute laut OB etwa zehn Mal so viele Menschen wie damals die U-Bahn. Bevor durch Corona die Fahrgastzahlen massiv einbrachen, stiegen mehr als eine Million Passagiere am Tag in die U-Bahn ein. Der allererste Zug, in dem der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) im Führerhäuschen saß, um die U-Bahn einzuweihen, ist allerdings inzwischen in Rente. Er steht in Fröttmaning auf einem Betriebshof.

Doch der Zug-Typ von damals mit den blauen Ledersitzen, den Kippfenstern und der blau-weißen Lackierung fährt heute zum Teil immer noch.

Alte U-Bahnen werden erst 2025 aus dem Verkehr gezogen

Bis 2025 ist dieser U-Bahn-Typ noch in München unterwegs. Fachleute kennen ihn unter dem Namen A-Wagen. Dann rangierte die Stadt diesen Typus aus, weil es nicht mehr möglich ist, die Züge nach neusten Brandschutz-Richtlinien zu ertüchtigen, sagt Ingo Wortmann, der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Damit das Abschiednehmen nicht so schwerfällt, und um für etwas nostalgische Stimmung zu sorgen, hat sich die MVG etwas ausgedacht: Sie ließ zwei Fahrzeuge der neuesten Generation am Kopf in den Farben von damals lackieren. Die beiden Jubiläumszüge fahren ab sofort auf den Linien U1, U2, U3 und U6.

Kein Geld für die U9? Takte werden ausgeweitet

Weil in München in keinem anderen öffentlichen Verkehrsmittel so viele Menschen sitzen wie in der U-Bahn, weil es einen leistungsfähigen ÖPNV braucht, um die Klimaziele zu erreichen, würde die Stadt gerne neue U-Bahnlinien in München bauen, sagt Reiter. Pläne dafür gibt es einige. Zum Beispiel würde die Stadt gerne mit einer Linie U9 den Hauptbahnhof entlasten.

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Doch für solche Projekte bräuchte München dringend mehr Geld – sagen der OB und der MVG-Chef. Lediglich die Kosten einer Verlängerung der U5 nach Pasing werde die Stadt aber zur Not übernehmen, so Reiter. Mehr sei aus seiner Sicht nicht drin.

Bis dahin werden so lange wie möglich die Takte ausgeweitet: Montags bis freitags ist überall ein Fünf-Minuten-Takt, auf den Stammstrecken sogar ein Zwei-Minuten-Takt geplant.  


Feier mit verbotenen Ballons

OB Dieter Reiter und MVG-Chef Ingo Wortmann haben das Jubiläum mit zwei Ballons gefeiert (s. Foto oben). Keine glückliche Wahl: Denn metallbeschichtete Ballons in den Betriebsanlagen "mitzuführen" ist laut Paragraf 4 der MVV-Beförderungsbedingungen verboten. Hintergrund: Vor allem mit Helium gefüllte Exemplare sind wiederholt in Oberleitungen geflogen und haben auf der Stammstrecke Kurzschlüsse mit langen Störungen verursacht. 2019 forderte die Rathaus-SPD gar ein Verkaufsverbot.

Am Dienstag bestand aber keine Kurzschluss-Gefahr: Am Kieferngarten fährt ausschließlich die U-Bahn – sie hat keine Oberleitung.  

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