Mitarbeiter wussten es seit August: Kult-Café Trachtenvogl macht den Abflug

Trachtenvogl-Wirt Christian Ohlmann will mit 48 Jahren noch einmal andere Prioritäten setzen. Die freundliche Café-Bar im Retrostil hat nur noch bis zum 30. Dezember geöffnet.
von  John Schneider
Der Wirt hinter dem Tresen: Christian Ohlmann hat das beliebte Café 23 Jahre lang betrieben. Ende des Jahres ist Schluss.
Der Wirt hinter dem Tresen: Christian Ohlmann hat das beliebte Café 23 Jahre lang betrieben. Ende des Jahres ist Schluss. © John Schneider

Für einige Menschen im und um das Gärtnerplatzviertel kommt die Nachricht wie ein Schock. Das Aushängeschild für unkonventionelle Gemütlichkeit, der Trachtenvogl in der Reichenbachstraße, schließt am 30. Dezember seine Pforten. Nach 23 Jahren.    

Seit Montag wissen es alle: Der Trachtenvogl macht dicht

Die Belegschaft weiß es bereits seit Ende August. Da hatte Wirt Christian Ohlmann alle Mitarbeiter über seinen Schritt informiert und seine Beweggründe erklärt. Seit Montag (26. Oktober) – und dem Eintrag auf der Webseite der Kult-Kneipe mit den urgemütlichen Sofas – weiß auch die Kundschaft von der anstehenden Schließung.

Das Trachtenvogl-Aus: Wirtschaftliche Gründe spielen keine Rolle 

Ohlmann will mehr Zeit für andere Dinge: "Ich möchte meinen Alltag neu sortieren, mehr Zeit für Familie, Freunde und unser Zuhause haben. Für Dinge, die neben dem Café lange zu kurz gekommen sind, für spontane Ideen, neue Interessen und kleine wie große Unternehmungen. Und gelegentlich auch für einen Tag, an dem ich einfach gar nichts vorhabe", schreibt der Kult-Wirt auf der Trachtenvogl-Webseite.

Das kann man ihm nicht so richtig übelnehmen, aber schade ist es doch. Im AZ-Gespräch betont er nochmal, dass es keine wirtschaftlichen Gründe waren, die ihn zu dem Entschluss brachten, aufzuhören. Tatsächlich war es oft schwer, einen Platz auf einem der Sofas zu bekommen. Der Umsatz dürfte gestimmt haben.

Trachtenvogl-Abschied: Was kommt nach dem Kult-Café?

Auch dass die Stadt wegen der Rücksichtnahme auf Anwohner nur eine Öffnungszeit bis 22 Uhr erlaubte, konnte durch gesteigerten Umsatz kompensiert werden, sagt Ohlmann. Auch die große Corona-Krise überstand der Trachtenvogl.

Mit Corona kamen die Schanigärten – ein Archiv-Bild vom Trachtenvogl aus 2021.
Mit Corona kamen die Schanigärten – ein Archiv-Bild vom Trachtenvogl aus 2021. © Daniel von Loeper

Schwierig sei es aber vor allem danach gewesen. Viele Beschäftigte hatten sich damals von der Gastronomie abgewendet. Doch auch dieses "Tal der Tränen" wurde durchgewatet.

Was aus dem Café im neuen Jahr wird? Anfang März wird nach umfangreichen Umbauarbeiten eine Filiale der Restaurantkette "Kaspar Schmauser" in der Reichenbachstraße 47 öffnen. Seine Kundschaft wird Ohlmanns kultiges Café mit Sicherheit vermissen – und den wunderbaren Cappuccino.

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