Mit Herzblut Münchner Kindl

Sieben Tage in der Woche von morgens bis abends ist sie in der aktuellen Schäfflersaison im Einsatz. In einer längeren Pause zwischen zwei Auftritten hat Magdalena Widhopf der AZ von dieser außergewöhnlichen Zeit erzählt.
AZ: Hallo liebes Münchner Kindl! Der wievielte Auftritt war das gerade?
MAGDALENA WIDHOPF: Heute der Zehnte, zwei kommen noch. Insgesamt müsste es inzwischen der etwa 250. Auftritt gewesen sein.
Das ist schon ein enormes Pensum. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Schäffler-Tanzsaison ja erst am 6. Januar losgegangen ist.
Ja, stimmt. Die Zeit ist wunderschön, doch auch wirklich sehr anstrengend.
Ansehen tut man’s Ihnen nicht! Ihr Strahlen steckt geradezu alle an.
(lacht) Danke, das freut mich, zu hören, denn vorhin im Bus hab ich grad mal wieder zehn Minuten geschlafen. Jetzt geht’s wieder. Als Münchner Kindl will ich ja Freude bringen!
"Irgendwann kam ein Anruf mit der Frage, ob ich mir das vorstellen könnte"
Wie sind Sie zu dieser ehrenvollen Aufgabe gekommen?
Bei mir kommt einiges zusammen: Mein Vater ist bei den Schäfflern, und so war ich schon als Kind im Kinderwagen mit meiner Mutter bei Aufführungen dabei. Mich hat das von Anfang an fasziniert. Überhaupt bin ich mit Tradition aufgewachsen, habe auch viele Freunde in der Blasmusik und spiele selbst Klarinette. In der Schule hab ich in Geschichte eine Seminararbeit zum Thema "Schäffler" geschrieben und dafür auch den Vorstand interviewt. So ging’s los.
Dass Sie zum Münchner Kindl wurden?
Rückblickend schon, doch dazwischen lag noch gut ein Jahr. Ich selbst war ja gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich vielleicht mal das Münchner Kindl werden könnte. Irgendwann kam ein Anruf mit der Frage, ob ich mir das vorstellen könnte. Bei den Gesprächen zu meiner Seminararbeit hätte man mich sehr sympathisch gefunden. Ich war erst mal völlig baff.
Und dann gab’s eine Art offizielles Vorstellungsgespräch?
Ja, tatsächlich, im November 2025. Ich bekam von den Schäfflern vorab den Münchner-Kindl-Prolog geschickt. Den sollte ich vom Blatt vortragen. Doch ich habe ihn gleich auswendig gelernt. Das hat alle begeistert, und ich habe es offenbar auch gut rübergebracht.

Ganz offensichtlich.
Man sah wohl auch, dass mir Tradition und Brauchtum wichtig sind. Es war unglaublich.
Dass Sie plötzlich tatsächlich das Münchner Kindl waren?
Ja, dieses Gefühl kann ich Ihnen gar nicht beschreiben. So richtig verstanden habe ich alles erst ein paar Tage später beim Fototermin in der Mönchskutte. Das war schon sehr emotional.
Ist das ein neues schwarz-gelbes Münchner-Kindl-Gewand?
Für die Fotos wurde mir das von meiner Vorgängerin geliehen. Dann bekam ich eines maßgeschneidert.
Kann man da im Rahmen der Tradition auch Wünsche äußern?
Ja, schon. Ich wollte zum Beispiel die Kutte kürzer haben, damit ich leichter auf das Fass springen kann, auf dem ich den Prolog vortrage.
"Wir sind wie eine große Familie und helfen alle zusammen"
Darf man fragen, was das Münchner Kindl drunter trägt?
Klar: Skiunterwäsche, Thermoleggings, Jogginghose, Pullis, Jacken – insgesamt sieben Schichten! Wir treten ja sehr oft draußen auf und während die Schäffler tanzen, stehe ich dabei. Da brauche ich die Schichten, die ich bei Auftritten drinnen einzeln ausziehen kann.
Wie ist’s denn so als einzige Frau in der Männergruppe?
(lacht) Schon besonders. Die machen schon auch ihre Späße, doch sie sind auch alle für mich da und passen auf mich auf. Wir sind wie eine große Familie und helfen alle zusammen.
"Es ist eine sehr anstrengende Zeit, doch man bekommt auch so viel zurück"
Ihr seht euch ja zurzeit auch viel mehr als eure eigentlichen Familien.
Allerdings! In der Regel geht’s um 7 Uhr los zum ersten Auftritt, meist in Grundschulen. Der letzte Tanz des Tages ist mal um 17 Uhr, mal um 22 Uhr. Das schweißt schon zusammen.
Bis zum letzten Schäfflertanz-Tag am Faschingsdienstag werden Sie auf unglaubliche rund 430 Auftritte kommen!
Es ist auch tatsächlich eine sehr anstrengende Zeit, doch man bekommt auch so viel zurück. Die Menschen freuen sich so, uns zu sehen. Kleine Mädchen stehen oft richtig ehrfürchtig vor mir und wollen sich mit mir fotografieren lassen. Ältere Menschen erzählen, was sie für schöne Erinnerungen mit den Schäfflern haben. Ich bin so dankbar, dass ich das Münchner Kindl sein darf.