Mit Besen ins Krankenhaus geprügelt: Prozessbeginn in München

Streit um Kokain: 29-Jähriger wegen versuchten Totschlags angeklagt
| John Schneider
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Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz.
Uli Deck/dpa/Archivbild Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz.

München - Ein einziges Gramm Kokain war die Ursache für einen blutigen Streit, der um ein Haar einen Mann das Leben gekostet hätte. Das Landgericht verhandelt seit Mittwoch gegen einen 29-Jährigen, der mit einem Besenstiel zugeschlagen hatte.

Der Streit zwischen Hassan P. (Namen geändert) und seinem Opfer Can B. entzündete sich laut Anklage an der Qualität des Rauschgiftes. Der 29-jährige Angeklagte hatte am 28. August des vergangenen Jahres am Ostbahnhof für das Gramm 90 Euro vom Käufer bekommen. Doch der war diesmal mit der Qualität nicht zufrieden.

Er rief bei seinem Dealer an, man verabredete sich in einem Café in Berg am Laim. Can B. verlangte sein Geld zurück, Hassan P. weigerte sich, erklärte stattdessen, das Kokain habe dieselbe Qualität wie bei vorherigen Verkäufen.

Die beiden Männer beleidigten sich gegenseitig, dann zückte Can B. ein mitgebrachtes Küchenmesser. Der Dealer stellte seine Tasche mit 2500 Euro Bargeld ab, um sich auf einen möglichen Angriff vorzubereiten.

Mit Besenstiel zugeschlagen

Doch statt ihn anzugreifen, packte Can B. die Tasche und lief davon. Der Dealer rief nach seinem mitangeklagten Freund Ben C. (26), der sich in der Nähe aufhielt. Der warf ihm daraufhin einen Besen zu, den er auf der Ladefläche eines Baustellenwagens entdeckt hatte.

Hassan P. brach den massiven Besen entzwei, gab seinem Spezl eine Hälfte des Stiels und behielt das andere für sich. Beide machten sich auf die Verfolgung.

Als Can B. in einen Hinterhof fliehen wollte, wurde er von Ben C. gestellt. Der schlug drei Mal mit dem halben Besenstiel zu. Ein paar Meter weiter kam es dann zum Showdown mit Hassan P., der seinem Opfer in den Hinterhof gefolgt war. Der 29-Jährige schlug laut Anklage mindestens fünf Mal mit seiner Hälfte des Besenstiels zu.

Da seine Schläge gezielt auf den Kopf des Opfers gehen sollten, geht Staatsanwältin Nina Prantl von versuchtem Totschlag aus. Doch Can B. gelang es, die Schläge weitgehend abzuwehren. Er verletzte seinerseits den Angreifer leicht mit dem Messer am Arm.

Das Opfer muss eine Woche im Krankenhaus behandelt werden

Das Opfer nahm das Geld aus der Tasche und warf die Scheine dann mitsamt der Tasche Hassan P. zu Füßen. "Ja, gut Bruder, nimm", soll er dabei gesagt haben. Seinen Kontrahenten besänftigte das nicht, er schlug weiter auf Can B. ein.

Bis sich Nachbarn meldeten und mit der Polizei drohten. Hassan P. schlug noch einmal kräftig auf den Kopf des Opfers und floh dann mit Geld und Tasche. Sein Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen und blieb eine Woche im Krankenhaus.

Zweiter Vorwurf gegen Angeklagten

Darüber hinaus werden dem 29-jährigen P. auch noch ein gewalttätiger Übergriff gegen einen Taxler sowie Drogenhandel vorgeworfen.

Nach der Verlesung der Anklage muss der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann den Prozess schon wieder stoppen. Der Grund: Der psychiatrische Gutachter fehlte aufgrund einer Erkrankung.

Da sich dieser aber im Prozess ein Bild von den Angeklagten machen muss, wird die Verhandlung unterbrochen. Das Gericht hofft, am 22. September fortzusetzen. Sofern es der Gesundheitszustand des Gutachters zulässt.

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