Mit 75 fast ganz der Alte: Was Münchens Ex-Bürgermeister aber Sorgen macht
Er feiere gerne, hat Hep Monatzeder mal gesagt. Aber er lasse sich halt nicht gerne feiern. So hält es der Ex-Bürgermeister auch an diesem Mittwoch, wenn er 75 wird.
Zu dieser Bescheidenheit passt, dass er sich mit der AZ einfach beim Bäcker um die Ecke treffen will. Schick essen gehen? Muss nicht sein, offenbar auch nicht mit 75. Dabei weiß Monatzeder Essen zu schätzen, kocht sehr gerne selbst. Dafür ist ja nun Zeit – und überhaupt scheint sich der Mann sehr gut mit dem Rentnerleben abseits des Scheinwerferlichts arrangiert zu haben. "Mir persönlich geht es sehr gut", sagt er. Und das glaubt man ihm sofort, wie er da hellwach, fröhlich, offen wie eh und je an einem späten Vormittag beim Bäcker sitzt und in ein Stückerl Zwetschgendatschi beißt.
Monatzeder ist sehr gut drauf. Einerseits.
Doch das ist nur die eine Seite. Denn Monatzeder macht sich viele Sorgen, so sagt er es selbst. Um die Gesellschaft, um den Planeten, die politische Debatte. Man sei doch in vielem schon weiter gewesen, sagt er. Monatzeder verfolgt vieles noch genau, natürlich auch in der Stadtpolitik. Und ist so gar nicht neidisch auf die, die heute Verantwortung tragen.
Dass zu seinen Zeiten manches leichter von der Hand ging – da würde er sicher nicht widersprechen. "Ich war immer ein unverbesserlicher Optimist", sagt Monatzeder. "Jetzt bin ich schon eher ein desillusionierter Optimist."

Dass Dominik Krause OB geworden ist – klar, das hat ihn unheimlich gefreut. Ab der Stichwahl habe er fest daran geglaubt, dass es wirklich klappen könnte mit dem Sieg gegen OB Dieter Reiter (der jahrelang Bandkollege Monatzeders war).
Das sind Monatzeders Erinnerungen an den Ganz-Jung-Stadtrat Krause
Monatzeder spricht – übrigens wie der andere Silberrücken der Münchner Grünen, Sigi Benker – ohne jede Süffisanz über den viele Jahrzehnte jüngeren Neu-OB Krause. Da ist einfach sehr viel Respekt und Anerkennung.
Als Monatzeder schon kein Bürgermeister mehr war, aber noch mal Stadtrat, 2014 war das, zog Krause als (ganz) junger Mann erstmals ins Rathaus ein. "Er war schon da ein ganz ausgleichender Typ, aber auch ganz klar", sagt Monatzeder. Super fand er zum Beispiel, dass Krause jetzt gegen das Abschiebeterminal am Flughafen gestimmt hat. "Er hat Mut, er lässt sich nicht einlullen."
Monatzeder kann sich unheimlich aufregen über viele Debatten des Jahres 2026, etwa zu den Kosten für neue Stadtbäume. "Bei Starkregen sind sie wie ein Schwamm!", sagt er. Die Bäume hätten einen wahnsinnigen Wert für diese Stadt.
So wie die renaturierte Isar, seine renaturierte Isar, die sein alter Kollege Christian Ude kürzlich so hervorgehoben hat, als es um die Ehrenbürgerwürde für Monatzeder ging. Die Renaturierung war einst sein Projekt, das Ergebnis sieht Monatzeder hier in den Isarauen vor seiner Haustür. "Ich bin schon stolz, wie unglaublich das angenommen wird", sagt er beim Bäcker. Ob er auch selbst einfach mal reinspringe zum Baden? "Ich bin Taucher", sagt Monatzeder bestimmt. "Taucher gehen nicht baden." Frühe Termine meidet der Polit-Rentner Monatzeder inzwischen auch. Vor 11 Uhr, das muss wirklich nicht mehr sein.
Worüber sich Hep Monatzeder immer noch wahnsinnig aufregen kann
Monatzeder, der bis vor wenigen Jahren noch im Landtag saß, ist immer noch Vorsitzender des Vereins "München für Harare", diese Städtepartnerschaft lag ihm immer besonders am Herzen. Demnächst wird er wieder hinfliegen. Und sonst, wie verbringt der Polit-Rentner seine Zeit? "Morgens hole ich mir eine Zeitung, mache mir einen Kaffee", sagt er. "Das ist doch ein wunderbarer Tagesstart – wenn ich mich nicht gleich wieder aufregen muss."
Über die AfD zum Beispiel regt er sich auf, aber auch über die soziale Ungleichheit. "Diese Diskussionen um Verzicht machen mich wahnsinnig", sagt er. "Verzicht ist doch ein Privileg der Reichen, die anderen können das doch gar nicht."

Da kann man sich auch sehr gut vorstellen, wie er mit seinem Alt-OB Christian Ude beisammensitzt. "Er hat mir damals so viele Freiheiten gegeben", schwärmt Monatzeder. Man telefoniert oft. Oder trifft sich. "Er kann auch sehr gut kochen", sagt Monatzeder. Und schiebt hinterher: "Also mittlerweile." Da ist es wieder, dieses spitzbübische Monatzeder-Grinsen. Der Mann ist eben auch mit 75 noch (fast) der Alte.

