Missbrauchsvorwürfe gegen Jugendtrainer "Coach Ben" – Polizei sucht weitere Opfer

Ein unter dem Namen "Coach Ben" bekannter Jugendtrainer sitzt wegen des Verdachts des jahrelangen Kindesmissbrauchs in U-Haft. Nach mehreren Anzeigen und Hinweisen aus dem Raum München suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nun gezielt weitere mögliche Opfer und Zeugen.
von  Hüseyin Ince
Sabine Lainer, Leiterin des Kommissariats 17 zur Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und die Münchner Staatsanwältin Johanna Steyrer-Meißner.
Sabine Lainer, Leiterin des Kommissariats 17 zur Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und die Münchner Staatsanwältin Johanna Steyrer-Meißner. © Hüseyin Ince

Ein 43-jähriger gebürtiger Nordrhein-Westfale sitzt derzeit in Süddeutschland in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte ihn bereits Ende 2025 festgenommen. Er wohnte zu der Zeit im Raum Wolfratshausen-Bad Tölz. Der Grund: Ein 22-Jähriger hatte den Mann angezeigt. Er berichtete, dass ihn der heute 43-Jährige im Jahr 2014 bei einem Fußballlehrgang drei Nächte in Folge missbraucht hätte, als er selbst etwa zehn Jahre alt gewesen sei.

Seit der Festnahme kamen nun weitere mutmaßliche Opfer des Mannes hinzu. Sie meldeten sich bei der Polizei, nachdem die Behörden mehr als 70 Personen im Raum München angeschrieben hatten. Denn der Trainer hatte einen hohen Wiedererkennungswert. In den Vereinen wurde er stets als "Coach Ben" bekannt.

Der Beschuldigte war teils international als Kindertrainer aktiv

Der 43-Jährige hat sehr häufig die Vereine gewechselt, für die er stets im Jugend- und Kindertrainingsbereich tätig gewesen ist. Im Zuge der Ermittlungen meldeten sich drei weitere Männer, die offenbar von "Coach Ben" missbraucht worden sein sollen. Oft nutzte er wohl Filmabende und Übernachtungen in Camps dazu, das Vertrauen der Kinder zu erschleichen.

Nun ermutigen die Behörden weitere Opfer, sich bei der Polizei zu melden. "Viele Menschen machen mit dem Erlebten einfach weiter und verdrängen die Tat. Sie brauchen oft eine Ansprache, damit sie den Mut finden, den Missbrauch anzuzeigen", sagte Sabine Lainer, Leiterin des Kommissariats 17 zur Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder.

Einer der Fälle hat sich in Oberhaching abgespielt

Insgesamt fünf inzwischen erwachsene Männer werfen dem 43-Jährigen vor, sie als Kind sexuell missbraucht zu haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verdächtige über zwei Jahrzehnte Buben missbrauchte. Drei Personen waren zum Zeitpunkt der Übergriffe 8, 13 sowie 16 Jahre alt.

Vier der insgesamt fünf Opfer hätten sich erst offenbart, als sie aktiv von den Behörden angesprochen worden sind, sagte Johanna Steyrer-Meißner. Sie ist die ermittelnde Münchner Staatsanwältin. Ein Missbrauchsfall sei aus Köln übernommen worden. Ein anderer Übergriff hat sich offenbar in Oberhaching abgespielt.

Vor allem ehemalige Spieler von "Coach Ben" und auch andere potenzielle Opfer des 43-Jährigen sowie Zeugen, die sachdienliche Hinweise oder Informationen zu weiteren möglichen Taten geben können, werden nun aufgerufen, sich mit dem Kommissariat 17 in Verbindung zu setzen. Das ist entweder per Telefon möglich, unter 089/29100 oder per Mail unter pp-mue.muenchen.k17.jms@polizei.bayern.de

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