Millionen-Beute mit Flex

Eine italienische Familie vor Gericht: Der Vater und seine Söhne schlagen als Einbrecher mit ihrer Flex in ganz München zu
| John Schneider
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Bevorzugte Beute-Orte: Bogenhausen, Solln und Gräfelfing - die markierten Punkte auf der Karte zeigen es an.
John Schneider 2 Bevorzugte Beute-Orte: Bogenhausen, Solln und Gräfelfing - die markierten Punkte auf der Karte zeigen es an.
Die Einbrecher-Söhne: Claudio (l.) und sein jüngerer Bruder Sony, die mit dem Papa auf Raubzug gegangen sind.
John Schneider 2 Die Einbrecher-Söhne: Claudio (l.) und sein jüngerer Bruder Sony, die mit dem Papa auf Raubzug gegangen sind.

München Sie haben sich lange nicht gesehen. Aber als sich der Florentiner Autohändler Angiolo G. (48) und seine beiden Söhne Sony (20) und Claudio (25) umarmen wollten, gingen die Justizwachmeister dazwischen. Dem Trio sind nach Überzeugung der Ermittler 55 Einbrüche zwischen dem 11. August 2002 und dem 12. Februar 2011 in ganz Deutschland zuzuschreiben.

Nach ihrer Verhaftung im April 2011 wurden sie auf verschiedene bayerische Gefängnisse verteilt. Auch die Mama aus Florenz war angereist. Schluchzend hörte sie zu, was ihrem Mann und ihren Söhnen vorgeworfen wird.

Fast fünf Millionen Euro haben die Einbrecher laut Anklage erbeutet. Staatsanwalt Kai Gräber präsentierte die Karte des Ermittlungsverfahren „Flex“ mit vielen markierten Punkten. Einer der Schwerpunkte der Einbrüche: München.

Sie suchen gezielt nach Tresoren - und flexen sie auf.

Im feudalen Wohnmobil (Wert 300 000 Euro) kundschafteten die drei Florentiner lohnende Objekte aus und schlugen dann zu. Ihre Masche: Sie hebelten Fenster aus oder schnitten sie heraus. In den Häusern suchten die Bandenmitglieder dann gezielt nach Tresoren. Die wurden vor Ort mit der Flex geöffnet. War das nicht möglich, nahmen sie die Tresore mit.

Gleich der erste Fall sorgte für Aufsehen. Papa G. war 2002 mit einem unbekannten Komplizen - die drei Florentiner waren Teil einer größeren Bande – in ein Schloss bei Kolbermoor eingestiegen. Sie warfen den 150-Kilo-Tresor um, flexten ihn fachmännisch auf. Im Schlafzimmer entdeckten die Einbrecher einen verdeckten Wandtresor. Der wurde mit der Spitzhacke geöffnet. Beute: Bargeld für 8000 Euro, 50 Goldmünzen, Armbanduhren vom Feinsten, Damenschmuck, antike Füllfederhalter. Zusammen 50000 Euro.

In diesem Stil ging’s weiter. Den größten Coup landete die Einbrecher-Familie am 12. Februar 2011 bei einem Multimillionär in München. Dort schleppten sie Schmuck, Uhren, Devisen und Bargeld im Wert von über 1,8 Millionen Euro aus dem Haus.

Die Beweislast ist nach Absicht der Ermittler in vielen Fällen erdrückend. Nach anfänglichem Zögern gestand das Trio 13 Taten. Der Vater wird wohl mit siebeneinhalb Jahren Haft davon kommen. Der ältere Sohn Claudio muss viereinhalb Jahre einfahren, sein jüngerer Bruder kommt nach drei Jahren und drei Monaten Gefängnis raus, berichtet sein Anwalt Florian Ufer.

Das Urteil soll am Dienstag gesprochen werden.

 

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