Interview

Michael Mittermeier plant neuen Comedy-Club in zentraler Lage in München

Michael Mittermeier hat seinen Lucky Punch Comedy-Club gerade über die ganze Stadt verteilt und verkauft jetzt seinen eigenen Whisky. Aber er hat eine neue Location im Auge.
Thomas Becker |
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Einmal´mild und einmal hart: Michael Mittermeier mit Lucky und Punch, seinen ersten beiden Whiskys von St. Kilian.
Einmal´mild und einmal hart: Michael Mittermeier mit Lucky und Punch, seinen ersten beiden Whiskys von St. Kilian. © Enrico Meyer

Drei Jahre lang hatte Michael Mittermeier im alten Gasteig mit dem Lucky Punch Comedy-Club sein eigenes Theater. Dort allerdings musste er wie alle anderen Mieter wegen der Sanierung diesen Herbst ausziehen. Die Club-Idee lebt derzeit auf vier kleinen Münchner Bühnen weiter – bis zum großen Befreiungsschlag, den der Comedian im AZ-Interview andeutet. Und seinen eigenen Whisky hat Mittermeier nun auch.

AZ: Herr Mittermeier, neuerdings machen Sie auch in Whisky, vertreiben über die Destillerie St.Kilian im unterfränkischen Rüdenau mit Lucky & Punch zwei Single Cask Single Malts, benannt nach Ihrem so erfolgreichen Comedy-Club in der Fat Cat, 59 Euro die Flasche. Wie kam es dazu?
Michael Mittermeier: Es muss so um das Jahr 2000 herum gewesen sein, als ich in das Thema Whisky eingestiegen bin, durch einen Freund. Auf Tour war ich dann relativ schnell der Whisky-Euphoriker, habe mir eine mobile Whisky-Bar bauen lassen, und jeden Abend nach dem Gig wurde bei mir im Hotelzimmer immer die Bar aufgebaut – und ich hab’ die Bar halt immer aufgefüllt mit Whiskys, von denen ich gesagt habe: "Komm, lieber einen geilen Whisky kaufen, als an der Hotelbar überteuerte Scheiße trinken." Mittlerweile habe ich auch eine Whisky-Sammlung daheim, habe aber leider zu spät angefangen. Anfang der 2000er haben wir das einfach weggetrunken.

Kleine Geschmacksprobe: Michael Mittermeier testet seinen Whisky.
Kleine Geschmacksprobe: Michael Mittermeier testet seinen Whisky.

Was waren in der Zeit Ihre liebsten Whiskys?
Die zwei meist getrunkenen Tour-Whiskys, von denen ich wahrscheinlich 30, 40 Flaschen gekauft habe, waren der 18er MacAllan und der 18er Yamazaki. Das sind keine Whiskys, die man einfach so kauft und sagt: "Den trinken wir mal ein bisschen am Abend."

"Whisky ist ein Entschleunigungsgenuss"

Eine Weile lang hatten Sie auch mal einen Whisky-Podcast.
Ich glaube, es war der erste.

In der Experten-Prosa heißt es über den milden Lucky: "Im Glas öffnet er sich mit floralen und weinigen Noten und frischer Orange, dazu kommen Trockenfrüchte, karamellisierte Walnüsse, Honig und Toffee, getragen von cremiger Vanille und dezenter Eichenwürze." Und über den rauchig-torfigen Punch: "Am Gaumen ist er cremig und vollmundig, der aschige Rauch legt sich sanft über die fruchtig-würzigen Aromen, ohne sie zu überdecken. Der lange Nachklang gehört dunkler Schokolade und harmonisch eingebundenem Rauch."
Ich konnte mich so schwer entscheiden, weil ich trinke gern milde, mag aber auch die harten Whiskys. Dann kam die Idee: Warum machen wir nicht zwei? Lucky und Punch! Die Idee war zu gut, um sie nicht zu machen. Wenn wir Glück haben, ist das wirklich eine Marke, die bestehen kann. Schließlich gibt es eigentlich keine bessere Geldanlage als Whisky. Whisky ist ja ein Genuss-Ding. Du hast ein Glas, und an dem nippst und riechst du schon mal drei Stunden lang. Wahrscheinlich trinke ich mit einem Whisky weniger Alkohol als Leute, die zu zweit eine Flasche Wein trinken. Für mich ist Whisky ein Entschleunigungsgenuss. Wie gesagt: Der Michel ist heute sehr glücklich. Meine Frau hat schon gesagt: "Viel Spaß!" Die weiß, dass ich heute sehr beseelt nach Hause komme.

Michael Mittermeier mit St. Kilian im Fasslager.
Michael Mittermeier mit St. Kilian im Fasslager.

Sie präsentieren Ihre Whiskys im Spiritory, im Stemmerhof in Sendling, keine fünf Meter entfernt vom Hoftheater.
Eine unserer vier Pop-Up Locations für den Lucky Punch Comedy Club! Wir mussten ja leider aus dem Gasteig ausziehen. Wir haben eine Location im Auge, die aber noch nicht spruchreif ist. Wir müssen schauen, ob wir diesen Raum, den wir alle gerade wahnsinnig toll finden, genehmigt kriegen.

"Wir zaubern jetzt einen komplett anderen Raum"

Was das für ein Raum ist, wollen Sie nicht verraten?
Einer, den niemand auf dem Zettel hat.

In der City?
Sehr zentral. Die Lage ist ultra und der Raum ganz anders als der Lucky Punch im Gasteig war. Wir zaubern jetzt einen komplett anderen Raum, der etwas unfassbar Eigenes hat. Wobei viele Comedians gesagt haben, dass der Lucky Punch vom Spielen her der schönste Club war.

Klingt so, als wären Sie ziemlich optimistisch, dass es klappt mit der neuen Location.
Wir sind jedenfalls guter Dinge und glauben, dass wir die Genehmigung bekommen, aber das dauert halt seine Zeit. Deswegen sind wir jetzt einfach noch in den vier anderen Locations unterwegs.

Michael Mittermeier mit dem Whisky-Heber am Fass.
Michael Mittermeier mit dem Whisky-Heber am Fass.

Wie läuft es da?
Von Tag eins an: gut. Wir haben am Sonntag im Gasteig zugesperrt und hatten am Montag die erste Show im Einstein Kultur. Freitag und Samstag sind wir in der Nachtkantine, dazu im Stemmerhof und im Heppel & Ettlich. Ich habe ja eineinhalb Jahre lang zwischen 55 und 60 Locations angeschaut, von ehemaligen Techno-Clubs bis zu Diskotheken und anderen Räumen –  da lernst du viel. Wenn mal was dabei war, war es einfach nicht bezahlbar. Weil wir den Lucky Punch gern genauso weiter betreiben würden wie in den ersten drei Jahren dieses Erfolgskonzepts, in denen wir die Szene nach oben geboostet haben. Die Comedy-Szene in München ist jetzt eine komplett andere als vor drei Jahren, und das schreiben wir uns auf die Fahnen. Da sind wir schon sehr stolz darauf, was wir da gefördert haben. Es gibt viele Comedians, die ihre Jobs gekündigt haben, weil wir jetzt da sind. Wir sind eigentlich die beste Kulturförderung.

"Der Comedy-Club geht auch im  BR weiter"

Rechnet sich das?
Finanziell ist das natürlich Bullshit, aber die Idee war, so viele Locations zu nehmen, damit die Comedians einfach weiterspielen können. Der zweite Abend im Einstein Kultur war bereits ausverkauft. Am ersten Abend in der Nachtkantine standen da 220 Leute – wir hatten mit 80 oder 100 gerechnet. Wir haben da eine Marke erschaffen, klar, auch mit der Fernsehsendung im BR, die ja auch nächstes Jahr weitergeht: Wir haben eine Zusage für die vierte Staffel von Programmchefin Iris Mayerhofer.

Aber wollten Sie nicht auch in Wien eine Stand-up-Bühne initiieren?
Wien haben wir Anfang Mai aufgemacht. Ich sehe all das als eine Mischung aus Give and Take. Ich bin seit 40 Jahren dabei – was ist denn meine Legacy in 10, 20 Jahren? Antwort: das Fördern der jungen Comedians. Und ich hab’ ja auch was davon! Ich werde inspiriert, bin ja meistens der Älteste am Abend. Das Programm, mit dem ich nächstes Jahr auf Tour gehe, heißt "Old boy" – das hat mittlerweile eine schöne Ironie. Ich bin Gott sei Dank kein Stehengebliebener, sonst würden die mich in den Clubs auch gar nicht spielen lassen. Vor allem würde ich es spüren. Es gibt sicher viele Comedians aus meiner Generation, die keinen Bock haben in den Clubs zu spielen. Aber wir lernen ja von den Jungen. Die schauen anders auf die Welt. Wenn ein 19-Jähriger etwas über Friedrich Merz oder die Gesellschaft sagt, hat das einen völlig anderen Impact. Das hält jung. Der Jojo zum Beispiel ist mit 21 einer unserer Jüngsten im Lucky Punch. Angefangen hat er mit 17 – und jetzt geht er nächstes Jahr mit mir auf Tour.

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