Michael Lerchenberg: "Pekny muss sich zurückziehen"

Der Schauspieler sagt in der AZ, warum der freigesprochene Komödien-Chef nach den Missbrauchsvorwürfen das operative Geschäft verlassen sollte. Pekny selbst gibt eine Erklärung ab.
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Kabarettist Michael Lerchenberg.
Kabarettist Michael Lerchenberg. © dpa

München - Das Sofa steht noch da. Es ist das Sofa, auf dem Thomas Pekny betrunkene schlafende Frauen - einvernehmlich, wie er sagt - intim fotografiert und berührt hat. Der Chef der Komödie im Bayerischen Hof wurde freigesprochen (AZ berichtete) - aber jetzt so weiterzumachen, als wäre nichts passiert, fällt den Beteiligten schwer. Mehr als das.

Die aktuellen Schauspieler, die in der Komödie für die Stücke proben, haben ein sehr ungutes Gefühl - trauen sich aber nur selten, das öffentlich zu äußern.

Thomas Pekny wurde vor Gericht vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs  freigesprochen.
Thomas Pekny wurde vor Gericht vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs freigesprochen. © Peter Kneffel/dpa

Immer mehr Personen distanzieren sich von Pekny

Benedikt Zimmermann ist einer der wenigen Künstler, der mit der AZ offiziell redet. Er sagt: "Ich werde selbstverständlich meinen Vertrag erfüllen. Ich distanziere mich jedoch von Herrn Pekny ganz klar. Ich denke, ich spreche auch für einige Leute meiner Generation, da ich weiß, dass sich einige nicht trauen, sich diesbezüglich zu äußern und das Geschehene ganz schlimm finden! Unter diesen Umständen ist es schwer, unter seiner Leitung unbeschwert Theater zu spielen." Aber: Wie soll es jetzt weitergehen?

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Der beliebte Schauspieler und Kabarettist Michael Lerchenberg sagt zur AZ: "Ich erkläre mich solidarisch mit Pascal Breuer! Bravo! Leider sind viele Kollegen, vor allem nach Corona, nicht wirklich frei, sich zu entscheiden. Auch ein Vertragsbruch würde zu ihren Lasten gehen. Aber Thomas Pekny muss jetzt den Druck rausnehmen und sich aus dem operativen Geschäft, dem Theater und der Öffentlichkeit zurückziehen. Anders geht das nicht mehr. Die Schauspieler müssen wieder unbelastet und mit Freude auf der Bühne stehen können, und das Publikum will unbehelligt ins Theater gehen wollen. Ich persönlich bin in der glücklichen Lage: Ich kann in der Komödie im Dezember spielen, wenn ich will. Aber ich muss nicht wollen - so sich die Dinge nicht ändern, will ich auch nicht!"

Problem: Pekny ist alleiniger Gesellschafter der Komödie, letztlich kann ihm niemand sagen, dass er sich zurückziehen soll - höchstens er selbst. Gerade als viele Theaterleute noch munkeln, dass sie ihm diese Einsicht nicht zutrauen, verschickt Pekny am Freitagnachmittag eine schriftliche Erklärung an die AZ.

Pekny schickt schriftliche Erklärung an die AZ

Darin heißt es: "Das juristische Verfahren ist meiner Sichtweise der Geschehnisse von vor fünf Jahren mit dem Freispruch gefolgt. Dass bei den Ereignissen vor fünf Jahren aus einer übermütigen Laune heraus, Menschen im Nachhinein das Gefühl hatten, in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, bedauere ich zutiefst. Diesen Vorwurf mache ich mir, unabhängig von der in meinen Augen richtigen juristischen Bewertung." Weiter schreibt Pekny: "Ich verzeihe mir nicht, dass ich den Hergang damals nicht wesentlich gewissenhafter hinterfragt habe. Ich wollte und will niemanden ausnutzen, in keiner Weise. Mich haben die Geschehnisse so betroffen gemacht, dass ich sicher in Zukunft Situationen, die Menschen um mich als belastend empfinden könnten, wesentlich sensibler bewerten werde."

Und: "Ich habe bereits Maßnahmen getroffen, die auch meine Firmenstruktur verändern werden, um Hierarchien aufzubrechen und den Mitarbeitern, Kollegen und Zuschauern, die durch die Vorgänge irritiert sind, zu signalisieren, dass mein Freispruch für mich kein ,weiter so' bedeutet, sondern Anlass bietet, vieles auf den Prüfstand zu stellen, in erster Linie, um unser wunderschönes Theater im Bayerischen Hof zu erhalten."

Wie das konkret ausschauen soll? Auf AZ-Nachfrage heißt es von der Komödie: "Wenn in einem Betrieb unserer Größe strukturelle Veränderungen beschlossen werden müssen, so kann dies nicht innerhalb weniger Tage entschieden werden. Bitte geben Sie uns noch etwas Zeit."

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