Gigantisches Wandgemälde: Kunstwerk ehrt Münchner Gastarbeiter

Eine Hauswand in der Goethestraße, 18 Meter hoch, vier Meter breit. Am vergangenen Montagabend versammelt sich davor eine große Gruppe von Menschen, die staunend zur Fassade hinaufschaut. Der Anlass ist die Eröffnung des Murals "Grüße von Gleis 11" sowie der dazugehörigen Ausstellung "Jenseits der Schlagzeilen".
Das Wandgemälde zeigt eine musizierende junge Frau und eine Kassette auf orange-blauem Hintergrund. Die Idee stammt von der Nachbarschaftsinitiative Place to be, die Umsetzung kommt von der türkischen Künstlerin Melike Kerpel.

Telefonieren war teuer, deshalb wurden Kassetten verschickt
Bei der Eröffnung erzählt sie, dass das Kunstwerk an Münchens Gastarbeiter und ihre Familien erinnern soll. Der Titel "Grüße von Gleis 11" ist bewusst gewählt: In den 60er-Jahren kamen die meisten damals so genannten Gastarbeiter an diesem Gleis an. Weil Telefonate damals teuer waren, nahmen viele Arbeiter Nachrichten für ihre Familien auf Kassetten auf und schickten sie in ihre Heimatländer – daher die weiße Kassette.
Die Frau auf dem Gemälde steht stellvertretend für die Frauen und Familien der Arbeiter, die oft hunderte Kilometer entfernt lebten. Die Saz in ihren Händen, eine traditionelle Langhalslaute, symbolisiert die musikalische Geschichte des Bahnhofsviertels.
Die Frau auf dem Bild heißt Ceren Can Ünal
Die dargestellte Frau ist am Montagabend selbst vor Ort. Sie heißt Ceren Can Ünal und kommt aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen. Melike Kerpel entdeckte im Internet ein Video von ihr, in dem sie ein Lied für ihren Großvater spielt. Kerpel war sofort begeistert und machte Ünal zu ihrem Motiv.

Bei der Eröffnung spielt diese auf ihrer Saz, ein Zuschauer beginnt sogar zu tanzen.
Im Anschluss wird die Ausstellung "Jenseits der Schlagzeilen" eröffnet. Sie zeigt, wie aus Ideen der Nachbarschaft ein fertiges Kunstwerk entsteht.
Die Ausstellung in der Goethestraße 24 ist noch bis zum 7. Juni zu sehen, jeweils während Veranstaltungen in der "Careteria".
Termine unter www.careteria.de
Der Eintritt ist frei