"Meine Oma würde sich im Grab umdrehen": Münchnerin erlebt Schock-Moment auf der Wiesn
7,4 Millionen Besucherinnen und Besucher zählte die Wiesn in diesem Jahr – ein neuer Rekord. Eine davon war AZ-Leserin Dana Schmahfeldt. Die gebürtige Münchnerin stattete dem Oktoberfest am letzten Wiesn-Sonntag einen Besuch ab, der blieb ihr aber nicht in guter Erinnerung.
Gemeinsam mit drei Freunden wollte Schmahfeldt am Sonntagnachmittag, gegen 17.30 Uhr, das Schützen-Festzelt besuchen. Während ihre drei Begleiter problemlos den Biergarten-Bereich betreten durften, wurde die Münchnerin von einem Mitarbeiter der Security am Zutritt gehindert. Auf die Frage, weswegen ihre Freunde in den Biergarten durften, sie jedoch nicht, wurde ihr mit "Du hast kein Bändchen" geantwortet.
Wegen Jeans? Wiesn-Besucherin wird gleich zweimal der Zutritt verweigert
Für Schmahfeldt eine nicht nachvollziehbare Begründung, schließlich verfügten weder ihre drei Freunde noch andere Biergarten-Besucher über ein Bändchen. Daran kann es dann also nicht wirklich gelegen haben, weswegen der Münchnerin der Zutritt verwehrt wurde.

Als einer ihrer Freunde auf ihre Situation aufmerksam wurde, kam dieser zurück und fragte den Security-Mann, wo denn das Problem läge. Der bekam nun eine völlig andere Begründung zu hören. Er und seine beiden Freunde würden Tracht tragen, seine Begleitung allerdings nicht, daher dürfe sie nicht hinein.
"Mein Kumpel diskutierte mit dem Security-Mann, der mich nach langem Hin und Her schließlich die goldenen Hallen des Biergartens betreten ließ", schildert Schmahfeldt den weiteren Verlauf.
"Du kommst hier nicht rein, du trägst eine Jeans"
Doch das Glück sollte der gebürtigen Münchnerin nicht lange hold sein. In der Hoffnung, vielleicht im Schützen-Festzelt noch einen Tisch mit vier freien Plätzen zu ergattern, begab sich das Quartett zum Zelteingang.
Hier wiederholte sich der Vorfall vom Biergarten. Während ihre drei Freunde problemlos das Festzelt betreten durften, wurde Dana Schmahfeldt erneut am Zutritt gehindert, diesmal von einem anderen Mitarbeiter der Security. "Du kommst hier nicht rein, du trägst eine Jeans", bekam sie als Begründung zu hören. "Nur Lederhose! Nur Dirndl!", rief der Security-Mann laut Schmahfeldt in Richtung der herumstehenden Menschen am Zelteingang.
Zwar gibt Schmahfeldt gegenüber der AZ zu, dass sie an diesem Nachmittag wirklich eine Jeans getragen hatte, aber dennoch nicht ganz trachtenlos unterwegs war. "Ich sollte erwähnen, dass ich sehr wohl Tracht getragen habe – nur eben kein klassisches Dirndl, sondern ein Trachtenkorsett und eine Trachtenjacke. Sogar Trachtensocken von Mutti, und ein Dirndl-BH versteckte sich unter dem Trachtenkorsett, Edelweißohrringe aus Tantes Schmuckkästchen sowie ein Halsband mit klassischen Motiven", beschreibt sie ihr Outfit oberhalb der Jeanshose. "Summa summarum war das einzig nicht-trachtige Kleidungsstück eine klassische Jeans. Halb zivil sozusagen. Ein offenbar schwerwiegender modischer Zwischenfall."

Auf der Oidn Wiesn gab es keine Probleme
Wieder kam die Rettung in Form eines ihrer männlichen Begleiter, der sich erneut bei dem Security-Mitarbeiter nach dem Grund des untersagten Zutritts erkundigte. Wieder kam es zu einer längeren Diskussion, an deren Ende Schmahfeldt dann doch Zutritt zum Schützen-Festzelt gewährt wurde.
Nach zweimaliger Abweisung verspürte die gebürtige Münchnerin nun aber keine große Lust mehr darauf, den Nachmittag im Schützen-Festzelt zu verbringen. Aus diesem Grund zog das Quartett weiter auf die Oide Wiesn, wo Schmahfeldt mit ihrem modischen Jeans-Trachten-Mix keinerlei Probleme hatte.
Für die gebürtige Münchnerin steht fest, dass ihr fehlendes Dirndl Grund für die zweimalige Abweisung war. "Ich war komplett nüchtern und traf mich erst wenige Minuten davor mit meinen Freunden für den Wiesn-Besuch – keiner von uns war in irgendeiner Art und Weise auffällig, betrunken, aggressiv oder anderweitig problematisch – es lag also klar an dem fehlenden Dirndl", so Schmahfeldt.
"Auf einem Volksfest Teile des Volkes aufgrund 'falscher' Kleidung auszuschließen, finde ich ein No-Go", so die Münchnerin. "Die Wiesn ist für alle da – Wildhirschlederhosen vom Angermaier finden gemeinsam neben Pocahontas-Heidi-Dirndl, Restposten eines x-beliebigen 'Trachten'-Shops am Hauptbahnhof und Jeans einen Platz auf der leicht biergetränkten und verschmierten Bank und liegen sich spätestens zu Robbie Williams 'Angels' in den Armen." Genau dieser bunte Mix macht für Schmahfeldt den Zauber der Wiesn aus.
Das sagt mein beim Schützen-Festzelt zur "Nur in Tracht"-Regel
Aber gibt es im Schützen-Festzelt tatsächlich eine Dirndl-Pflicht, oder sind die beiden Security-Männer mit ihrer Entscheidung übers Ziel hinausgeschossen? Die AZ hat direkt beim Festwirt angefragt.
"Eine Regel, nach der Gäste in Jeans keinen Zutritt zum Biergarten oder zum Schützen-Festzelt erhalten, gibt es bei uns nicht. Eine entsprechende Anweisung an den Sicherheitsdienst hat es ebenfalls nicht gegeben", erklärte man beim Schützen-Festzelt gegenüber der AZ.
"Meine Münchner Oma vermutlich im Grab umdrehen"
Damit sich ein Vorfall wie dieser bei der nächsten Wiesn nicht wiederholt, will man "dieses Thema für das kommende Jahr noch einmal explizit mit dem Sicherheitsdienst besprechen."
Dana Schmahfeldt sollte also nächstes Jahr keine Probleme bekommen, auch mit Jeans ins Schützen-Festzelt zu kommen. Bei anderen Einlassregeln "würde sich meine Münchner Oma vermutlich im Grab umdrehen."
