Altstadt anders erleben: Diese Orte kennen viele Münchner nicht

Münchens Herz schlägt rund um den Marienplatz: Was es dort auch für echte Münchner Neues und Schönes zu entdecken gibt. 
von  Ruth Frömmer, Carmen Merckenschlager, Myriam Siegert, Niclas Vaccalluzzo, Christa Sigg, Thomas Müller, Jan Krattiger
Seifenblasen glitzern in der Abendsonne: Auch an diesem Wochenende ist wieder Sonnenschein angekündigt. Perfekte Bedingungen also für einen Ausflug in die Altstadt.
Seifenblasen glitzern in der Abendsonne: Auch an diesem Wochenende ist wieder Sonnenschein angekündigt. Perfekte Bedingungen also für einen Ausflug in die Altstadt. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Klar, die Münchner kennen ihre Innenstadt: Vollgepackt mit Sehenswürdigkeiten – häufig auch mit Touristen – ist sie für die Einheimischen nicht immer unbedingt ein Sehnsuchtsort. Viel Trubel, Gedränge und teure Preise? Stimmt nur zum Teil. Denn freilich ist rund um den Marienplatz immer was los. Aber zu Recht, muss man sagen.

Es gibt herrlich viel zu entdecken, anzuschauen und zu genießen. Deshalb widmen wir uns mal einem Ort in der Stadt, der bekannter nicht sein könnte, aber mindestens genauso viel auch für Einheimische zu bieten hat.

Und nicht nur Erlebnisse, sondern auch Wissen rund um den Marienplatz ist wirklich spannend. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Marienplatz bis zum Oktober 1854 Schrannenplatz bzw. einfach nur Markt hieß? Durch die Umbenennung stellte der Magistrat den Platz unter die Obhut der Schutzheiligen Maria. Die Hoffnung: ein schnelles Ende der Cholera-Epidemie, die im Sommer 1854 in München Tausende Opfer forderte.

Oder aber, dass die Weinstraße noch heute an die im 14. Jahrhundert ansässigen Weinhändler erinnert? Über Jahrhunderte hinweg galt der Marienplatz nämlich als der größte Weinumschlagplatz Süddeutschlands.

So oder so: Die Altstadt hat Etliches zu bieten und lohnt immer einen Besuch. Hier ist garantiert für jeden noch etwas zum Entdecken dabei – zwischen Innenhöfen, Dachterrassen, Museen und sehr, sehr guter Bratwurst.

Die AZ wünscht viel Spaß beim Urlauben in der eigenen Stadt.

Verwöhnen lassen am Markt

Wenn die Sonne scheint, sind die Plätze vor dem Poseidon sehr gefragt. Aber mit etwas Glück findet man einen Platz.
Wenn die Sonne scheint, sind die Plätze vor dem Poseidon sehr gefragt. Aber mit etwas Glück findet man einen Platz. © Caitlin Neitzke

Fisch-Fans wissen es längst: Bei Poseidon am Rande des Viktualienmarkts finden sie ihr Eldorado. Bei schönem Wetter sind die Plätze vor dem Fischbistro am Viktualienmarkt heiß begehrt. Aber auch drinnen lässt es sich gemütlich sitzen. Wer To-go bevorzugt: Das Poseidon hat seit Kurzem auch täglich wechselnde Fischsemmeln im Angebot.

Natürlich nicht die Klassiker mit Matjes oder Bismarckhering. Bei Poseidon landen immer wieder andere Fische auf der Semmel, zum Beispiel Schwertfisch (Preis variiert je nach Fisch). Der wird immer à la minute gebraten und obendrauf kommen Salat, Zwiebeln und eine Soße nach Geheimrezept. Die Fischsorten ändern sich täglich. So wie die Mittagsgerichte auch. Immer auf der Karte steht die Bouillabaisse (19,50 Euro), auf die der Chef Marcel Mergen besonders stolz ist. Beliebt sind natürlich auch die Spaghetti mit frischen Meeresfrüchten (19,50 Euro).

Idyllischer Innenhof mit Kunst

In der Maxburg kann man eine Tasse Kaffee mit Blick auf gute Architektur und Kunst genießen oder einfach nur durchatmen.
In der Maxburg kann man eine Tasse Kaffee mit Blick auf gute Architektur und Kunst genießen oder einfach nur durchatmen. © cis

Der Innenhof der Neuen Maxburg ist der ideale Platz, um eine Pause einzulegen. Man kann hier durchatmen und in den weißblauen Himmel schauen. Es gibt aber auch einiges an Kunst zu sehen auf der Grünfläche, etwa den hohen Brunnen mit der Mosesfigur, die Josef Henselmann um 1955 geschaffen hat. Über Sep Rufs formidable Architektur kann man ohnehin nur ins Schwärmen geraten, dazu gehört freilich auch das Treppenhaus im Justiztrakt. Aber wir wollen draußen bleiben und umrunden die Burg, von der nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nur noch der massive Renaissanceturm übrig geblieben ist.

Ansonsten regiert Rufs Fünfzigerjahre-Eleganz, in die sich die "Kunst am Bau“ mehr oder weniger gut fügt. Da wären zum Beispiel an der Südfassade die Mosaiken von Blasius Spreng und Wilhelm Braun sowie auf der Westseite überm Durchgang ein zum Abstrakten tendierendes Engelsrelief von Karl Knappe.

Wer schon mal da ist, sollte einen Abstecher in die Dependance der Sammlung Goetz an der Pacellistraße 5 machen. Aktuell sind dort Arbeiten von Cindy Sherman zu sehen – samstags ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Und spätestens jetzt hat man sich einen Kaffee verdient. In der Maxburg kann man den natürlich auch draußen genießen. Die feinen Kuchen und Torten im Café Kreutzkamm sind auch nicht zu verachten.

Ein echter Rückzugsort

Der Kabinettsgarten ist ein perfekter Platz, um dem Altstadttrubel zu entfliehen.
Der Kabinettsgarten ist ein perfekter Platz, um dem Altstadttrubel zu entfliehen. © Imago

Für echte Altstadtkenner und regelmäßige Besucher der Allerheiligen-Hofkirche ist dieser Ort längst kein Geheimtipp mehr. Vielen bleibt er jedoch verborgen – und gerade darin liegt der besondere Reiz des Kabinettsgartens: ein wunderschöner, ruhiger Rückzugsort mitten in der Stadt. Wer eine Pause von der Hektik der Innenstadt und den Touristenströmen sucht, findet hier den idealen Platz zum Durchatmen.

Man kann sich ziemlich sicher sein: Hierher verirren sich nur wenige zufällig. Der begrünte Innenhof liegt etwas versteckt hinter der Residenz. Vom Marstallplatz aus, direkt neben der Allerheiligen-Hofkirche, führt ein kleiner, unscheinbarer Zugang in diese grüne Oase. Angelegt wurde der Innenhof Ende des 19. Jahrhunderts, 2002 erhielt er eine umfassende Neugestaltung. Herzstück des Kabinettsgartens ist eine Skulptur des Bildhauers Fritz Koenig.

Ein geradliniger Weg führt zu einem kleinen Springbrunnen. In den Wasserflächen entlang des Weges zwischen den Rasenstreifen können Besucher an heißen Tagen ihre Füße erfrischen. Dicht belaubte Platanen spenden Schatten. Dank der stimmungsvollen Beleuchtung lohnt sich ein Besuch auch nach Einbruch der Dunkelheit.

Kaffee, Kuchen und mehr ganz oben

Die Freundinnen Marianne und Carola genießen die Aussicht beim Oberpollinger bei einem gemütlichen Ratsch. Der Trubel unten am Stachus ist ganz weit weg.
Die Freundinnen Marianne und Carola genießen die Aussicht beim Oberpollinger bei einem gemütlichen Ratsch. Der Trubel unten am Stachus ist ganz weit weg. © Daniel Loeper

Öffentliche Dachterrassen sind in München eine Rarität und kommen oft recht exklusiv daher. Aber wenn der Oberpollinger am Stachus geöffnet hat, dann hat auch das zugehörige Restaurant im fünften Stock des großen Kaufhauses geöffnet.

Was viele nicht wissen: Dazu gehört eine wunderbare Dachterrasse über den Dächern der Altstadt. Und das Beste: In der Regel findet man hier ohne Probleme einen Platz.

Vorher holt man sich nach Lust und Laune etwas im Selbstbedienungsbereich. Die Auswahl ist riesig. Wer auf Nummer leicht gehen will, der stellt sich einen bunten Salat zusammen oder greift zu einem frisch gepressten Saft. Aber auch sonst findet sich was für jeden Geschmack. Von Currywurst bis Braten, von Pasta bis Geschnetzeltes.

Besonders beeindruckt hat uns die riesige Kuchentheke. Hier gibt es nichts, das es nicht gibt. Klassischer Marmorkuchen, jede Menge Rührkuchen, Käsesahnetorte, Erdbeerkuchen und vieles mehr. Das günstigste Stück kostet 3,95 Euro. Eine Tasse Cappuccino dazu gibt’s für 4,20 Euro.

Und dann setzt man sich nach draußen und schaut rundherum über die Dächer auf das Künstlerhaus, die Kuppel des Justizpalastes, den Alten Botanischen Garten, die Alte Börse und die Maxburg.

Die Dachterrasse ist umgeben von kleinen Bäumchen, Blumen und Sträuchern und sogar ein Vogelhäuschen gibt es hier. Beim Oberpollinger entspannen sich die Münchner von jung bis alt und jeder so, wie er es am liebsten mag.

Mit der Spachtel

Was eine Eistüte: Die gibt’s bei Venchi.
Was eine Eistüte: Die gibt’s bei Venchi. © privat

Sonne, Sonne, Sonne und Temperaturen über 20 Grad: wenn das kein Eis-Wetter ist. Wer mal was Besonderes ausprobieren mag, kann das bei Venchi (Marienplatz 17). Dort wird das Eis klassisch italienisch kunstvoll in die Waffel gespachtelt. Dafür darf man sich eine Waffel-Größe und -Art aussuchen. Obendrauf kommt dann noch ein Keks. Obwohl das Eis nicht ganz günstig ist, ist die Schlange immer lang. Kleine Portion ab 4,60 Euro, in der Gourmetwaffel kostet’s 2 Euro mehr, mit Schokoaufstrich oder Streusel noch mal 1,50 Euro extra.

Süßes und Salziges am Markt

Diesen Rauchzipfel werden Sie lieben!
Diesen Rauchzipfel werden Sie lieben! © tse

Eine gute, also eine wirklich gute Bratwurst in München? Ein schwieriges Unterfangen. Und einer der Momente, in denen man sich als Münchner wünscht, (ganz kurz) Franke zu sein.

Eine sehr gute Bratwurst, also eine wirklich sehr, sehr gute, gibt’s am alten Schlemmermeyer-Standl am Viktualienmarkt (gleich an der Heiliggeistkirche): "Schlemmen am Markt“ heißt der Stand – das Wurst-Sortiment ist aber geblieben.
Die ultimative Wurst: der "Bayerische Rauchzipfel“ – eine grobkörnigere Rote, gut gewürzt und zart geräuchert. Ein Traum! 4,50 Euro kostet sie hier.

Danach gibt’s zur Abrundung noch was Süßes, ebenfalls auf die Hand. Kein Geheimtipp, aber ein absolutes Muss: eine Zwetschgennudel vom Café Schmalznudel. 3,20 Euro kostet sie inzwischen, ist aber jeden Cent wert.

Im Tal: Hier kracht die Kruste

Deftiges auf die Hand: der Straßenverkauf vom Haxnbauer im Tal.
Deftiges auf die Hand: der Straßenverkauf vom Haxnbauer im Tal. © Daniel Loeper

Obacht, liebe Vegetarier und Veganer: Jetzt wird’s deftig! Beim Haxnbauer im Tal (Ecke Sterneckerstraße) gibt’s nämlich ordentlich was auf die Hand: etwa die Haxn-Semmel (mit Kruste, Kraut, Salat und Soße, 6 Euro). Nix für den kleinen Hunger zwischendurch – danach ist man pappsatt. Wo gibt’s das sonst in der Altstadt für diesen Preis? Der pure Genuss!

Wer was anderes möchte, greift zur Haxn-Leberkässemmel (mit süßem Senf, 4,50) oder der Haxnfetzensemmel (mit Kraut, Karotte, Kren, Röstzwiebeln, Salat und Soße für 8,50 Euro).

Bis 20 Uhr gibt’s das Ganze auf die Hand. Aber: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oft sind die Semmeln abends schon krachend ausverkauft.

Waldspaziergang & Wasserwelten

Ex-Kirche mit Riesenhirsch: das Jagd- und Fischereimuseum.
Ex-Kirche mit Riesenhirsch: das Jagd- und Fischereimuseum. © imago

Nicht nur, aber vor allem mit Kindern, ist das Jagd- und Fischereimuseum in der Neuhauser Straße 2 in der ehemaligen Augustinerkirche einen Besuch wert.

Seit hier vor gut zehn Jahren umgebaut wurde, ist museumspädagogisch einiges geboten: In der Abteilung Jagd unternehmen die Besucher mithilfe einer Chipkarte und dank Großdioramen einen Spaziergang durch die heimische Tierwelt und ihre Lebensräume, vom Gewässer über Wiesen, Berge und Wälder bis hin zum urbanen Lebensraum – inklusive Quiz und Buzzerspiel.

In der Fischereiabteilung wähnt sich der Besucher sogar unter Wasser. Hier berichten die Fische selbst von ihren Wasserwelten – vom Gebirgsbach, über die Isar und die Donau bis ins Meer, wo man sogar in ein Piratenschiff klettern kann. Und wer’s doch ein bisschen klassischer mag: In beiden Abteilungen gibt es auch noch die historischen Ausstellungen mit vielerlei Exponaten – und ein paar Tieren zum Streicheln.

Einzigartige Bar-Erlebnisse

Die Tam Tam Treppenbar in den Kammerspielen ist von Donnerstag bis Samstag geöffnet.
Die Tam Tam Treppenbar in den Kammerspielen ist von Donnerstag bis Samstag geöffnet. © Tam Tam

Man denkt es kaum, aber auch wer in der Altstadt etwas unter der Touri-Fallen- und Schicki-Oberfläche unterwegs sein mag, hat dazu viele Möglichkeiten. Zum Beispiel im Unter Deck am Oberanger 26, einer der traditionsreichsten Subkultur-Bars der Stadt. Neben dem bodenständigen Barbetrieb stehen auch regelmäßig laute, wilde, experimentelle Bands auf der Bühne. Oder die Crème de la Crème der lokalen DJ-Szene steht an den Plattentellern. Geöffnet ist das Unter Deck von Montag bis Samstag, ab 20 Uhr bis spät.

Ähnlich kultig und noch etwas künstlerischer angehaucht ist die Tam Tam Treppenbar in den Kammerspielen (Hildegardstraße 1, 3. OG, Eingang im Blauen Haus). Dort gibt es von Donnerstag bis Samstag ab 21 Uhr in quietschbuntem Ambiente Getränke und kleine Snacks.

Mutige fragen auch nach "Special Drinks & Tricks“ oder den neusten Schallplatten. Es spielen auch kleine Livebands, es gibt Open-Mics oder andere Kunst-Happenings. Auf jeden Fall garantiert abseits des Mainstreams.

Interessant dürften auch die Apollon Foyers in der Staatsoper werden: Immer freitags (11 bis 17 Uhr, ab 8. Mai) stehen die Türen des Vorderhauses offen für alle.

Von oben nach unten schauen

Fast 100 Meter ragen die Türme der Frauenkirche in die Luft: Deshalb bietet sich auch allen, die den Südturm besteigen, ein spektakulärer Ausblick über die Stadt und das Umland.
Fast 100 Meter ragen die Türme der Frauenkirche in die Luft: Deshalb bietet sich auch allen, die den Südturm besteigen, ein spektakulärer Ausblick über die Stadt und das Umland. © IMAGO

Kein Geheimtipp, trotzdem absolut lohnenswert: Wie wäre es mal wieder mit einem Perspektivwechsel? Das geht am spektakulärsten auf dem Südturm der Frauenkirche.

Der ist seit 2022 wieder täglich für Besucher geöffnet und bietet in fast 100 Metern Höhe einen phänomenalen Blick weit über die Stadtgrenzen hinaus. Nach oben geht es über einen Aufzug und eine Wendeltreppe, der Ausblick ist somit nicht barrierefrei zugänglich.

Geöffnet ist montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11.30 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7,50 Euro, für Kinder und Jugendliche werden 5,50 Euro fällig und Kinder bis einschließlich 6 Jahre steigen kostenlos nach oben.

Karten gibt es im Domshop in der Kapelle des Südturms zu kaufen.

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