Mehr als 1.000 Euro Miete pro Zimmer: Luxus-WGs für Besserverdiener

Familienwohnungen werden zu Luxus-WGs: Eine dänische Firma vermietet Apartments an Führungskräfte – und kassiert kräftig ab.
| Lea Kramer
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Geschirr und Küchengeräte sind in der Tumblingerstraße schon da.
Life X 2 Geschirr und Küchengeräte sind in der Tumblingerstraße schon da.
Waschen müssen die Bewohner der Wohnung "Isar" aber selbst.
Life X 2 Waschen müssen die Bewohner der Wohnung "Isar" aber selbst.

München - Die Zweckentfremdung von Wohnraum wird in München mit empfindlichen Strafen geahndet. Doch ein findiges Unternehmen aus Dänemark hat ein neues Schlupfloch entdeckt: Es bietet möblierte Wohngemeinschaften auf Zeit an – zu horrenden Preisen.

"Bedeutende Menschen brauchen einen gewaltigen Raum", heißt es in der Annonce für ein 18 Quadratmeter großes Zimmer in Haidhausen. Es ist einer von vier Räumen, den Life X in der 122 Quadratmeter großen Wohnung namens "Burg" vermietet. Wer künftig dort wohnen mag, muss der Webseite zufolge nur seinen Koffer mitbringen. Der Rest ist schon da: Fernseher, Internet, Töpfe, Handtücher, Bettwäsche, Putzfrau – und eben Mitbewohner. Die Kosten für das besagte Zimmer: 1.250 Euro monatlich.

 

Geschirr und Küchengeräte sind in der Tumblingerstraße schon da.
Geschirr und Küchengeräte sind in der Tumblingerstraße schon da. © Life X

Junge Berufstätige sollen gemeinsam in den Apartments wohnen

Ein Preis, der selbst Besserverdienende empfindlich treffen sollte. Die werden ihn vermutlich nicht selbst bezahlen müssen, denn das Angebot richtet sich vorwiegend an Unternehmen aus dem Ausland. Die sollen "junge Führungskräfte", die vorübergehend in München arbeiten, wie es auf der Internetseite heißt, in einer der Wohnungen von Life X einquartieren. Dadurch könnten Mitarbeiter unkompliziert ein neues Zuhause finden und bekämen als Bonus gleich Kontakt zu anderen Jetsettern aus aller Welt.

Damit das mit dem Wohlfühlen besonders gut klappt, greift die Firma bei der Möblierung auf skandinavische Designklassiker in Pastelloptik zurück – freilich instagramtauglich. Das Unternehmen mit Sitz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist noch recht jung. Gerade haben die Gründer von dort einen Erfolg vermeldet: 7,5 Millionen Euro Frühfinanzierung haben sie von einem Berliner Wagniskapitalgeber für ihr Start-up erhalten.

Life X vermietet sechs Wohnungen in München

In München bietet Life X noch fünf weitere Wohnungen in guter Lage an. Sie tragen Namen wie Kamin, Horizont oder Markt. Verfügbar sind die Zimmer in den Wohngemeinschaften größtenteils ab Ende Oktober. Einige Zimmer können auf der Onlineplattform bereits nicht mehr gebucht werden. Eine künstliche Verknappung könnte von der Firma allerdings auch als strategisches Marketinginstrument zum Start der Vermietungen in München genutzt werden.

Auf diese Art suggerieren Unternehmen möglichen Kunden eine vermeintlich erhöhte Nachfrage.

Neben München und Kopenhagen ist Life X in weiteren europäischen Großstädten wie Berlin, Wien, London und Paris vertreten. Die Firma bietet offenbar dort Immobilien an, wo der allerhöchste Mietpreis zu erzielen ist – und nicht einfach in großen Metropolregionen mit vielen freien Jobs und einer guten Wachstumsprognose, wie etwa Offenbach oder Leverkusen.

Waschen müssen die Bewohner der Wohnung "Isar" aber selbst.
Waschen müssen die Bewohner der Wohnung "Isar" aber selbst. © Life X

Ist das Geschäftsmodell Zweckentfremdung?

Auf den Münchner Immobilienmarkt üben derartige Geschäftsmodelle zusätzlichen Druck aus. Dem Markt werden zur Gewinnmaximierung bewusst größere Wohnungen entzogen. Dort, wo früher eine Familie ein Zuhause fand, leben plötzlich Menschen, denen eigentlich auch ein Ein-Zimmer-Apartment genügen sollte. Darüber hinaus sind die Möbel für den Vermieter steuerlich absetzbar.

Die Stadt geht gegen Angebote von Kurzzeitvermietungen, wie etwa die des Übernachtungsportals Airbnb, mittlerweile gerichtlich vor. Komplette Wohnungen dürfen in München nicht länger als acht Wochen als private Ferienwohnung angeboten werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 500.000 Euro rechnen. Ob im konkreten Fall eine Zweckentfremdung vorliegt, prüft das Amt für Wohnen und Migration mittlerweile.

"Das Geschäftsmodell sieht vor, dass einzelne Zimmer vermietet werden. Dies führt nicht zwangsläufig zu einer Zweckentfremdung", sagt ein Sprecher des Sozialreferats. Die Stadt stelle zunehmend derartige Vermietungen fest. Oft enden die vor Gericht.

Lesen Sie hier: Scharfe Kritik an neuen Plänen für Parkstadt Schwabing

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