Marina Monaco: Strandbar mit Yachthafen-Feeling im Münchner Norden
Gut 35 Meter lang ist der See und 20 Meter breit. Drumherum ist Sand aufgeschüttet, ein Zäunchen aus Seilen trennt ihn von einer 1920er-Jahre-Villa, von Liegestühlen, einem Loungebereich – und einem Dutzend kleiner Yachten, Motorbooten und Seglern, die ums Wasser herum im Sand liegen.
In einem blitzblank weiß geputzten Boot sitzt Jürgen Backof in segeltauglicher weißer Hose, schaut um sich und muss schmunzeln – weil die Kulisse überraschend witzig ist. Denn die "Marina Monaco", wie "Münchens neuer Yachthafen" heißt, ist natürlich kein Schickeria-Außenposten Münchens am Starnberger See.
Segler auf der Großbaustelle
Die neu eröffnete Freiluft-Bar liegt im schnöden Nordschwabing am Frankfurter Ring 227, mitten im Gewerbegebiet, am Rand einer monströsen Baustelle, so groß wie neun Fußballfelder. Hier haben ab 1922 die Bayerischen Leichtmetallwerke – eine Präzisionsschmiede – Maschinenteile hergestellt. 2018 hat die Münchner Hammer AG das 5,6 Hektar große Gelände gekauft, später die Hallen abgerissen, um in den kommenden Jahren das neue Gewerbequartier "Neue Schmiede" zu bauen.

Die Idee entstand am Lago
Bis zum Baustart soll das Gelände nicht brach herumliegen, sondern als Zwischennutzungsareal den Münchnern Spaß machen. Und Jürgen Backof, Chef der Eventagentur Sylvenstein (eine Tochter der Hammer AG) sollte sich dazu etwas ausdenken. Er sei im Urlaub am Lago d’Iseo in Oberitalien gewesen, erzählt er, habe da aufs Wasser und die Segelboote geschaut und sich gedacht: "Eigentlich brauchen wir sowas in München auch."

See, Springbrunnen und 800 Tonnen Sand
Eine Fachfirma legte also im Schotter einen See mit Springbrunnen und ein paar kleinen Palmen an. Aus dem Münchner Westen habe man 800 Tonnen Sand herangeschafft und Boote günstig über Kleinanzeigen zusammengekauft. "Die Segeljolle Jade", sagt Backof, "war früher am Ammersee unterwegs, der Day-Cruiser Stella Maris am Chiemsee und die Yacht Ohana auf dem Rhein." Die Bretter für die Terrassen und Stege seien alte Bierzeltböden aus dem Bayerischen Wald. "Damit es aussieht, als wär das hier immer schon so gewesen."
Inzwischen ist Backof nicht mehr nur Eventagenturchef, sondern auch Betreiber der Marina Monaco – in der man übrigens nicht schwimmen kann, "sonst hätten wir auch noch einen Bademeister gebraucht". An der Strandbar mit Loungemusik gibt es jetzt von Donnerstag bis Sonntag Getränke (Espresso 1,20 Euro, Aperol Spritz 7,50 Euro, Helles 4,20 Euro) und Antipasti, Pinsa, Tiramisu und Eis. Auch DJs und Livebands soll es gelegentlich geben.

Hallen für Padel-Tennis und Bouldern
Und es ist noch mehr geplant. Auf einer planierten Fläche nebenan soll ein Freizeitareal für Trendsport entstehen. "Bis Herbst wird eine Halle für Padel-Tennis fertig sein", sagt Hammer-Geschäftsführer Timo Oberbossel, "mit zehn Plätzen innen und drei außen." Dazu sind Plätze für Soccer, Volleyball und Bouldern geplant.
Die Zwischennutzung für die Marina Monaco ist auf "mindestens drei Jahre angelegt", heißt es bei der Hammer AG, ob der See danach bleibt, oder wieder zugeschüttet wird, sei "noch offen". Insgesamt plane man mit Zwischennutzungen für bis zu fünf Jahre.

Labore, Produktionsstätten und 99-Meter-Bürohochhaus
In den nächsten zehn Jahren soll auf dem ehemaligen Fabrikgelände zwischen Frankfurter Ring und Lilienthalallee ein riesiges Gewerbequartier entstehen. Mit Produktionsstätten, Laboren und Büros für Autoindustrie, IT, Robotik, Biotechnologie, Pharma, Forschung und Entwicklung. Auch einen Gewerbehof für Handwerk soll es geben, Gastronomie, Einzelhandel, ein Boardinghaus und einen begrünten Quartiersplatz – und ein 99-Meter-Bürohochhaus. Nur keine Wohnungen, die seien im Gewerbegebiet nicht erlaubt. Der erste Abschnitt soll ab 2029 fertig sein (die Vermarktung läuft schon). Aber erst mal soll jetzt im Liegestuhl der Sommer genossen werden.
Marina Monaco, Frankfurter Ring 227, geöffnet Do/Fr 12-24 Uhr, Sa/So 10-24 Uhr
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