"Mangels Masse": OB Reiter teilt gegen seine Konkurrenten aus

„München. Reiter. Passt.“ – mit dem Slogan will die Münchner SPD nicht nur die Wiederwahl ihres Oberbürgermeisters erreichen, sondern auch eine „stabile Mehrheit“ im Stadtrat.
Irene Kleber |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
71  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Ab sofort plakatiert die Münchner SPD für die Kommunalwahl – und wirbt vor allem mit dem Gesicht ihres Oberbürgermeisters Dieter Reiter.
Ab sofort plakatiert die Münchner SPD für die Kommunalwahl – und wirbt vor allem mit dem Gesicht ihres Oberbürgermeisters Dieter Reiter. © iko

Süffisant ist Dieter Reiter ja gern. Am Freitagmorgen – nur zwei Monate sind es noch bis zur Kommunalwahl am 8. März – scheint Münchens SPD-Oberbürgermeister besonders viel ironischen Frohsinn gefrühstückt zu haben.

Wahlkampf? "Ist kein Thema für mich", sagt er – um dann gleich mal angriffslustig gegen seine konkurrierenden OB-Kandidaten Clemens Baumgärtner (CSU) und Dominik Krause (Grüne) zu holzen: "Mit den Ideen der Mitbewerber muss ich mich nicht auseinandersetzen, mangels Masse."

Sechs Reiters in Plakatgröße

Derweil hängen an der weißen Wand hinter ihm in der SPD-Zentrale am Oberanger gleich sechs Dieter Reiters in Plakatgröße. "Überraschenderweise bin ich drauf", witzelt der OB – der mit seiner Wahlplakate-Präsentation und flankiert vom Münchner SPD-Chef Christian Köning nun eben doch in die heiße Phase des Wahlkampfs startet.

Mal schaut Reiter da wie ein Kümmerer eine ältere Dame an, mal forsch ins Gespräch vertieft. Und auch mal wie ein freundlicher Onkel, umringt von Kindern.

Auf dem Hauptplakat lächelt er, gewandet in einen nachtblauen Mantel, ins Weite und zeigt Zähne, Stehkragen aufgestellt. Rechts oben in der Ecke steht "Team SPD". Und ganz unten, in dicken weißen Lettern: "München. Reiter. Passt."

OB Dieter Reiter überall: So sehen die Wahlplakate der Münchner SPD zur Kommunalwahl am 8. März aus.
OB Dieter Reiter überall: So sehen die Wahlplakate der Münchner SPD zur Kommunalwahl am 8. März aus. © iko

Die Ausgangslage: "einzigartig"

Er wolle "einfache Botschaften" transportieren, sagt der Oberbürgermeister. Und man habe alles auf den amtierenden OB zuspitzen wollen, erklärt Frank Stauss, der mit seiner Agentur Team Stauss die Kampagne konzipiert hat. Dafür sei die Ausgangslage in München nämlich "einzigartig". Eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Verian im Sommer im Auftrag der Münchner SPD in München stichprobenartig gemacht hat (1021 Teilnehmer), habe folgendes Bild ergeben: 87 Prozent der Befragten finden, dass München eine hohe Lebensqualität hat, 87 Prozent fühlen sich sicher in der Stadt, 89 Prozent halten München für wirtschaftlich stark.

96 Prozent kennen Dieter Reiter

Und jetzt kommt’s: 96 Prozent kennen demnach Dieter Reiter (67), der bereits zwei Amtsperioden lang regiert – aktuell mit einer grün-roten Rathaus-Koalition, in der es nicht selten knirscht (aber nur 66 Prozent kennen den CSU-Mann Baumgärtner und 56 Prozent den Grünen Krause). 77 Prozent finden, Dieter Reiter passe gut zu München. 65 Prozent seien mit seiner politischen Arbeit zufrieden. Man finde ihn mehrheitlich auch "durchsetzungsstark", "bürgernah", "glaubwürdig" und "besonnen".

Münchens SPD-Chef Christian Köning (l.) stellt mit OB Dieter Reiter die Plakatkampagne für die Kommunalwahl am 8. März vor.
Münchens SPD-Chef Christian Köning (l.) stellt mit OB Dieter Reiter die Plakatkampagne für die Kommunalwahl am 8. März vor. © SPD

OB: "Ein Pfund, mit dem man wuchern muss"

"Die Zufriedenheit", sagt der OB, "ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern muss." Er werbe deshalb mit Bewährtem und mit den sozialdemokratischen Botschaften seiner Stadtpolitik: Gerechtigkeit (vom Mieterschutz bis zu Hilfen in Not), Fortschritt (wie beim Azubiwerk, bei den Alten- und Servicezentren oder Münchens Olympiabewerbung), Zusammenhalt, Soziales und Stabilität (auch gegen einen Rechtsruck). "Ich will, dass München eine Stadt ist, in der sich alle zu Hause fühlen können. Dafür braucht es keine Ideologie, sondern Verlässlichkeit und Zusammenhalt."

Was fehlt: Die Farbe Rot

Was übrigens auf keinem der Motive zu sehen ist, ist die SPD-Farbe Rot – auf eine Nachfrage antwortet der OB süffisant: "Steht ja Team SPD drauf. Wenn ich wüsste, dass die Farbe Rot meiner SPD Stimmen bringt, hätte ich’s rot gemacht." Da klingt durchaus heraus, dass Reiter mit seinen Genossen in Berlin mitunter fremdelt.

Aber eins macht er ganz klar: "Ich will, dass die Leute wählen gehen. Und mir geht’s drum, eine starke SPD im Stadtrat zu haben, ohne die nicht regiert werden kann. Ohne stabile Mehrheit, das ist nicht das, was ich anstrebe." Er könne zwar viel alleine entscheiden, "aber nicht alles."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • Mobilist vor 9 Stunden / Bewertung:

    Reiter ist der ideale OB für die bräsigen Münchner. Unvergessen sein Slogan vor 12 Jahren "Damit München München bleibt". Keinerlei eigenen Ideen und auch kein Interesse an der Stadtentwicklung. Dem Planungsausschuss verlässt er, wenn er überhaupt mal da ist, meist vorzeitig.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • wahrsager vor 12 Stunden / Bewertung:

    Wenn 96 % den Reiter kennen, ist das eher ein schlechtes Zeichen. Da kriegt er bei der Wahl vielleicht nur 36 %.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • Perlacher vor 18 Stunden / Bewertung:

    Realistischer wäre es den alten Mann bei seinem Mittagsschlaf in seinem Rathausbüro zu zeigen! München braucht OB Reiter wie Herpes und Fußpilz!

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.