Mangel an Hausärzten in München: In fünf Stadtvierteln ist die Lage prekär

München hat eigentlich genügend Hausärzte – nur verteilen sie sich sehr schlecht auf die Viertel. In manchen Gegenden herrscht deshalb de facto Ärztemangel. Was die Stadt jetzt fordert.
| Florian Zick
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In einigen Münchner Stadtvierteln gibt es viel zu wenige Hausärzte. Die Folge: Haufenweise Patienten in den Wartezimmern.
Patrick Pleul/dpa/AZ In einigen Münchner Stadtvierteln gibt es viel zu wenige Hausärzte. Die Folge: Haufenweise Patienten in den Wartezimmern.

München - Die medizinische Versorgung in München ist eigentlich durchaus passabel: Im Stadtgebiet gibt es 1.160 Hausärzte und gut 150 Kinderärzte. Streng genommen ist die Stadt damit sogar überversorgt. Doch paradoxerweise herrscht in manchen Stadtvierteln trotzdem Ärztemangel.

In Hadern zum Beispiel dürften die Wartezimmer regelmäßig ziemlich voll sein. Dort muss sich ein Arzt um fast 2.300 Patienten kümmern. In der Altstadt und dem Lehel dagegen teilen sich statistisch gesehen nur 179 Einwohner einen Hausarzt.

Bei den Kinderärzten sieht es nicht anders aus: Im Stadtbezirk Schwabing-Freimann hat man die Auswahl aus 15 Arztpraxen. In Riem dagegen muss man auf jeden Fall in die U-Bahn steigen, wenn der Nachwuchs ein Wehwehchen hat. Dort gibt es seit geraumer Zeit nämlich gar keinen Kinderarzt mehr.

Münchens Gesundheitsreferentin Stepanie Jacobs (parteifrei) versucht schon länger, an dieser gravierenden Ungleichverteilung etwas zu ändern. "Es kann nicht unser Ziel sein, kranke Leute in die U-Bahn zu stecken", sagt sie. Bei der für die Ärztezulassung zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung sind die Appelle bislang jedoch weitgehend ungehört verhallt.

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Die Stadt wünscht sich, dass ein Arzt maximal 1600 Patienten versorgt. In München ist das in manchen Vierteln momentan aber nicht gegeben. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.) Grafik: AZ

Wo der Privatpatient wohnt, zieht auch der Arzt gerne hin

Das Problem ist die Gebietsaufteilung: Die Kassenärztliche Vereinigung in Bayern (KVB) begreift München als einen einheitlichen Bedarfsbereich. Das heißt: Hier zugelassene Ärzte können sich überall in der Stadt niederlassen. Und, keine Frage: Natürlich verlagern die Ärzte ihre Praxen vornehmlich dorthin, wo viele lukrative Privatpatienten wohnen.

Die sozial etwas schwächeren Stadtviertel werden dadurch mitunter zum medizinischen Brachland. Bei der KVB müsse deshalb ein Bewusstsein dafür entstehen, dass Ärztemangel nicht nur ein Thema des ländlichen Raums sei, sagt Jacobs, sondern auch in vermeintlich überversorgten Regionen vorkommen könne.

Als Lösung schlägt Jacobs eine kleinteiligere Parzellierung der Stadt vor. Wenn Ärzte bei einer Praxisübernahme nicht mehr überall hin umziehen können, sondern die Praxis nur noch innerhalb eines kleinen Plangebiets verlegen können, ließe sich in Hadern, Feldmoching oder Milbertshofen ein weiterer Ärzte-Exodus aufhalten, glaubt Jacobs.

Natürlich wären aus Sicht von Münchens Gesundheitsreferentin auch Neuzulassungen wünschenswert. Patienten hätten heute deutlich mehr Beratungsbedarf als früher, sagt sie. Zudem arbeite heute auch bei Weitem nicht mehr jeder Arzt in Vollzeit. Zusätzliche Mediziner könne man deshalb eigentlich nie genug haben. Aber das dürfte tatsächlich kaum durchsetzbar sein.

Der Wunsch der Stadt: Überall ein Arzt je 1.600 Einwohner

München weist schon jetzt einen Versorgungsgrad auf, der weit über 100 Prozent liegt. Neuzulassungen von Ärzten dürften der KVB deshalb wohl nur sehr schwerlich abzuringen sein. Jacobs fände es deshalb schon gut, wenn in jedem Stadtbezirk je 1.600 Einwohner ein Hausarzt verfügbar wäre. Um das angehen zu können, müsste man aber erst einmal das Versorgungsgebiet kleinteiliger ordnen.

In Berlin ist so etwas Ähnliches kürzlich gelungen. Wenn ein Arzt in der Bundeshauptstadt seine Praxis verlegen will, muss das nun von offizieller Stelle genehmigt werden. So kann sichergestellt werden, dass sich die Ärzte halbwegs gleichmäßig auf die Stadt verteilen.

Nun hat Berlin freilich den Status eines Bundeslands. Als Stadt tue man sich da bedeutend schwerer, eine solche Regelung durchzufechten, sagt Jacobs. Aber auch hier ging an die Kassenärztliche Vereinigung mittlerweile ein Prüfauftrag.

Wer weiß: Vielleicht bringt’s ja etwas? Sinnvoll wäre eine Neuaufteilung der Stadt auf jeden Fall, meint Jacobs. Denn in den schlecht versorgten Stadtteilen würden viele Patienten mittlerweile auch schon wegen Kleinigkeiten auf die Notaufnahmen der Krankenhäuser ausweichen, sagt sie. Und eine Notaufnahme mit lauter Schnupfenkranken – das passt schließlich auch nicht ganz zusammen.

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