Makel: Alleinerziehend – Was hilft, wer hilft

Wer ein Kind solo aufzieht, hat Schwierigkeiten, sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. Die AZ hat mit Betroffenen gesprochen und zeigt, wo es Unterstützung gibt.
| Von Eva von Steinburg
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Momente des Glücks zusammen mit dem Kind: Doch für Alleinerziehende ist die Erziehungsarbeit ungleich schwerer. Sie müssen die Zeit für das Kind und die für die Arbeit miteinander vereinbaren – und haben oftmals kaum Unterstützung dabei.
dpa Momente des Glücks zusammen mit dem Kind: Doch für Alleinerziehende ist die Erziehungsarbeit ungleich schwerer. Sie müssen die Zeit für das Kind und die für die Arbeit miteinander vereinbaren – und haben oftmals kaum Unterstützung dabei.

München - Sie möchten für ihre Kinder da sein, dafür braucht es Zeit – aber auch Geld. Doch beides sind knappe Güter, vor allem für Münchner, die alleinerziehend sind. Obwohl der Münchner Stellenmarkt viele Möglichkeiten bietet, haben sie oft Schwierigkeiten, diese zu nutzen. Keine Betreuung für die Kleinen, kein Job. Die AZ hat mit Betroffenen gesprochen und zeigt, in welchen Dilemma Alleinerziehende stecken.

Sie kennt die Probleme von Alleinerziehenden in München, wie kaum eine andere: Heike Kuhfuß (46) ist Alleinerziehenden-Coach: "Es gibt keine Wohnungen, keine Kinderbetreuung und viel zu wenig Teilzeitstellen. Das geht besser!", sagt die Beraterin der Deutschen Angestellten-Akademie.

28.720 Haushalte in München werden von Solo-Eltern geführt. Davon sind 7.700 in der Grundsicherung, die Familie lebt also von Hartz IV. Die Firmen in der Stadt würden flexible Mitarbeiter vorziehen – Alleinerziehende fielen durchs Raster, auch wenn sie gut ausgebildet seien, sagt die Beraterin. Ihr persönlicher Trick: "Wenn ich mit ledigen Müttern Lebensläufe erstelle, lasse ich die Angabe zu Kindern frei. Nur wenn diese Frauen ihre Kinder verstecken, haben sie eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch", hat sie festgestellt. Ihr empörtes Fazit: "Es ist beschämend, wie ein Kind den Marktwert von berufstätigen Frauen dimmt."

Alleinerziehenden-Messe soll Solo-Eltern helfen

Das Jobcenter München steuert da bewusst dagegen: Am Dienstag lud es 3.700 alleinerziehende Mütter und Väter, die im Moment Hartz IV beziehen, zur Alleinerziehenden-Messe in das Kolpinghaus ein. Hier drei hilfreiche Angebote für Solo-Mütter und -Väter:

  • Das Programm "Kurz vor 3" bietet Alleinerziehenden Münchnern – mit Kindern unter drei – gute Bewerbungs-Workshops, EDV-Kurse und Lebensberatung an: Alle Teilnehmer gehen zusammen zum Fotografen, um einen Lebenslauf mit Profi-Foto präsentieren zu können. Zudem gibt es Kurse zur Anwendung von Word und Outlook, einen Erste-Hilfe-Kurs für Eltern und Infos, wie sich die Energiekosten daheim senken lassen. Kleinkinder werden während der Workshops betreut, auch die Fahrtkosten werden erstattet. Weitere Infos: www. avanta-muenchen.de
     
  • Plötzlich alleinerziehend – komme ich mit meinem Geld noch hin? Kinderreiche Familien mit nur einem Verdiener schaffen es selten, ohne Schulden über die Runden zu kommen. Bei Ebbe in der Haushaltskasse helfen die Schuldnerberaterinnen vom "Verein für Fraueninteressen" im Lehel. So behalten alleinerziehende Mütter und Väter einen Überblick über ihre Finanzen und üben sich darin Kosten einzusparen: "Es müssen noch keine Schulden da sein, wir arbeiten auch sehr gerne präventiv, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", sagt Petra Helling vom FIT-FinanzTraining. Kontakt: www.fit-finanztraining.de
     
  • Teilzeit-Berufsausbildung für junge Eltern: Sie suchen einen Ausbildungsplatz in der Stadt, können aber nur Teilzeit arbeiten? Die Lösung könnte das Münchner Projekt "Teilzeit-Berufsausbildung für junge Eltern" sein. Denn: Jede betriebliche Ausbildung, wie Friseurin oder Kfz-Mechaniker, kann auch mit nur 20-stündiger wöchentlicher Arbeitszeit absolviert werden, dauert dann aber um einige Monate länger. Ausbildungs-Beginn: im September. Infos gibt es beim Jobcenter München und bei den Arbeitsvermittlern in den Münchner Sozialbürgerhäusern.

AZ-Umfrage unter Alleinerziehenden: Wie kommen Sie über die Runden?

Joy Cervo (43): "Ich wohne in Laim. Für Felix (2) habe ich gerade einen Kindergartenplatz in Puchheim bekommen. Doch das ist leider zu weit weg, finde ich. In Nigeria habe ich als Buchhalterin gearbeitet, meine Zeugnisse sind schon fertig übersetzt. Ich möchte noch besser Deutsch lernen, um meine Post selbst beantworten zu können. Das Jobcenter will mir eine Ausbildung vermitteln. Aber es ist schwer für mich alleine mit dem Kind. Der Vater kümmert sich sehr unregelmäßig."

Alina B. (31) mit Sohn Jaydan (1): "Ich habe elf Jahre lang im Münchner Nachtleben als Bar-Frau gearbeitet. Das geht jetzt mit Kind natürlich nicht mehr.

Deswegen brauche dringend einen Kita-Platz. Dann könnte ich aufhören, Hartz IV zu beziehen und tagsüber in der Gastronomie als Bedienung Geld verdienen. Das wäre schon einmal etwas. Eine richtige Berufsausbildung wäre aber noch besser für meine und unsere Zukunft."

Für Dominik (fünf Monate) sucht diese 33-jährige Spanierin einen Krippenplatz: "Vor dem Baby habe ich in München im Verkauf gearbeitet. Als ich dann schwanger war, gab es aber einen großen Streit mit dem Vater. Er hat mich aus der Wohnung geworfen. Dank dem Wohnungsamt habe ich aber wieder ein Dach über dem Kopf. Manchmal bin ich sehr traurig über unsere Lage. Sobald mein Sohn gut versorgt ist, möchte ich Kinderpflegerin lernen."

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