Lufthansa-Streik am Flughafen München: Zwischen Frust und Glückspilzen
Wer bereits vergangenen Februar nicht abheben konnte und nun wieder in den Flieger steigen wollte, hat am Donnerstag womöglich ein Déjà-vu erlebt: Erneut steht der Flughafen still – zumindest zum Teil. In 2025 hatte der Bodenverkehrsdienst seine Arbeit niedergelegt, diesmal streikt das Bordpersonal der Lufthansa. Immerhin die größte Fluggesellschaft am Münchner Flughafen.
Von Geisterstadt-ähnlichen Zuständen wie im vergangenen Jahr kann aber nicht die Rede sein. Im Münchner Airport Center ist wie auch sonst das Klackern von Rollkoffern und die Gespräche der Fluggäste miteinander oder mit Servicekräften zu hören. Nur die gelegentlichen Durchsagen des Flughafens erinnern hier an die 275 Flüge, die für den Donnerstag annulliert worden sind.
Lufthansa-Mitarbeiterin: "Es ist heute ein bisschen langweilig"
Im Terminal 2 zeigt sich ein anderes Bild: Bei der Gepäckabgabe der Lufthansa stehen mehr Mitarbeiter als Fluggäste. Nur wenige Seelen verirren sich hier her. "Es ist heute ein bisschen langweilig", gesteht eine der Mitarbeiterinnen. Umso voller werde es dafür an diesem Freitag. Zum einen, um die annullierten Flüge nachzuholen. Zum anderen, weil die Ferien in Bayern starten.

Auch nach der Ticketkontrolle folgen nur vereinzelt Passagiere der von Absperrbändern geleiteten Zickzack-Schlange in Richtung Sicherheitsabfertigung. Ein Mitarbeiter an einem Info-Schalter in der Nähe bestätigt der AZ ebenfalls, dass im Vergleich zu sonst deutlicher weniger los sei. Die meisten Passagiere, mit denen die AZ spricht, fliegen nicht mit der Lufthansa und hatten es auch nicht vor. Eine davon ist etwa Brigitte Peisl. Sie sei erleichtert, wie geplant nach Kairo fliegen zu können.
Ähnlich ergeht es auch den anderen befragten Passagieren: Bis auf den kurzen Schockmoment, als sie das erste Mal vom Streik gehört haben und noch nicht wussten, ob es auch die eigene Reise trifft, sind sie in keiner Weise beeinträchtigt. Einige geben aber zu, dass sie in so einem Fall sehr verärgert wären.
Unverständnis bei Fluggast: "Piloten verdienen kein schlechtes Geld"
Ein Lufthansa-Passagier, der anonym bleiben möchte, sagt: "Klar ist das ärgerlich, aber ich empfinde da jetzt nicht Hass oder negative Emotionen." Er könne auch die Streikenden verstehen. Ein Trost für den Mann: Er kommt zumindest nur vier Stunden später an.
Von Ärger sprechen die Lufthansa-Passagiere Elena Apfel und Marius Koskowski zwar nicht, aber von "ein bisschen Panik", als am Mittwochabend ihr Flug nach Bangkok annulliert worden ist und es zunächst hieß, dass für die kommenden zwei Tage kein Alternativflug angeboten werden könne. Glück im Unglück: "Wir kommen jetzt sogar ein bisschen früher an", sagt Apfel.
Verständnis haben sie für den Streik trotzdem nur zum Teil. Koskowski sagt: "Beim Kabinenpersonal verstehe ich es auf alle Fälle, aber die Piloten verdienen kein schlechtes Geld und können sich nebenbei noch ein bisschen was aufbauen." Er bezieht sich auf die betriebliche Altersvorsorge, wegen der die Vereinigung Cockpit (VC) zum Streik aufgerufen hat.

Die Flugbegleiter legen ihre Arbeit nieder, weil sie verbindliche Tarifverträge sowie einen Sozialplan für Mitarbeitende fordern, da bei der Lufthansa und der Regionaltochter Cityline rund 800 Jobs bedroht seien. Für die Piloten empfinden viele der Fluggäste aber nur wenig Mitleid. "Das ist schon Jammern auf hohem Niveau", sagt etwa Peisl.
Gestrandeter Passagier: "Ich sollte gestern Abend schon zuhause sein"
Dass der Streik zudem erst am Dienstagabend angekündigt worden ist, findet Marek Wrazen nicht in Ordnung. Er fliege aber öfter und sei schon dran gewöhnt. Als die AZ mit ihm spricht, sitzt er in der Nähe der Gepäckabgabe auf einer Bank und schlägt die Zeit tot. "Ich sollte gestern Abend schon zuhause sein", sagt Wrazen. Sein Lufthansa-Flug ist annulliert worden, obwohl er bereits am Mittwoch abheben sollte. Er habe die Nacht auf Donnerstag im Hotel verbracht, aber könne zumindest am Abend heimfliegen.

Norma Khalil ist erleichtert, sich mit keinerlei Verspätungen oder Umbuchungen beschäftigen zu müssen – und das, obwohl sie nach Italien mit der Lufthansa reist. Sie dürfte die große Ausnahme sein.
