Ludwigsfeld: Siedlung mit viel Eigeninitiative und Geschichte

AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller trifft in Ludwigsfeld auf Geschichte, viel Grün und außergewöhnlich freundliche Menschen.
| Sigi Müller
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Hier haben zwei Glückliche offenbar erst geheiratet.
Sigi Müller 7 Hier haben zwei Glückliche offenbar erst geheiratet.
Die letzte Baracke beherbergt heute den TSV Ludwigsfeld.
Sigi Müller 7 Die letzte Baracke beherbergt heute den TSV Ludwigsfeld.
Diese Stele steht inmitten von Obstbäumen.
Sigi Müller 7 Diese Stele steht inmitten von Obstbäumen.
Die Russisch-Orthodoxe Kirche des Erzengels Michael.
Sigi Müller 7 Die Russisch-Orthodoxe Kirche des Erzengels Michael.
Die Menschen in der kleinen Siedlung kennen sich.
Sigi Müller 7 Die Menschen in der kleinen Siedlung kennen sich.
Oh, wie grün grünt Ludwigsfeld!
Sigi Müller 7 Oh, wie grün grünt Ludwigsfeld!
Schön verzierte Häuser.
Sigi Müller 7 Schön verzierte Häuser.

Ludwigsfeld - Ich glaube, egal, wie viel man in München unterwegs ist, es wird immer Ecken geben, die man nicht auf dem Schirm hat. Aber wenn man sie schon im Bezirksausschuss vergisst, muss ich mir sicher keinen Vorwurf machen. Später mehr dazu. Eine Journalistin hatte mich gefragt, ob ich die Siedlung Ludwigsfeld kenne, ihre Geschichte, wie es heute da auschaut?

Vom Bezirksausschuss vergessene Siedlung

Ich kannte sie vom Vorbeifahren. Auf dem Weg nach Dachau geht’s in Karlsfeld rechts weg. Viel mehr wusste ich nicht. Also habe ich die Siedlung besucht. Auffällig, alle Straßen tragen Namen von Edelsteinen. Die Siedlung ist auf einem Gelände eines ehemaligen Außenlagers vom KZ gebaut. Nach der Befreiung durch die Amerikaner waren die Baracken für Menschen, die sich durch die Kriegswirren fernab ihrer Heimat befanden.

Diese Stele steht inmitten von Obstbäumen.
Diese Stele steht inmitten von Obstbäumen. © Sigi Müller

Ab 1952 wurde mit Geldern aus dem Marshallplan eine Siedlung für 3.800 Menschen gebaut. Kaum zu glauben, dass 1996 ein Bewohner den Vorschlag an den 24. Münchner Stadtbezirk richtete, man möge doch die Rubinstraße als Einbahnstraße ausweisen und man damals feststellte, dass die Siedlung vom Bezirksausschuss völlig vergessen worden war.

Ehemalige Baracken: Heute Gärtchen und Rollschuhplatte

Heute leben 20 Nationalitäten in der Siedlung, darunter auch noch Familien ehemaliger Zwangsarbeiter. Ludwigsfeld gilt als Beispiel gelungener Integration. Was mir bei meinem Spaziergang auffiel, war das viele Grün. Schön eingewachsen ist die Siedlung. Alte Obstbäume, aber auch große Baumarten überall. Dschungelgleich an manchen Ecken. Man sieht viel Eigeninitiative. Kleine Gärtchen wurden angelegt.

Die letzte Baracke beherbergt heute den TSV Ludwigsfeld.
Die letzte Baracke beherbergt heute den TSV Ludwigsfeld. © Sigi Müller

Auf der Rollschuhplatte, einer großen, geteerten Fläche auf dem Grundriss einer ehemaligen Baracke, findet normal ein großes Siedlungsfest statt. In Eigeninitiative wird ein großes Zelt aufgebaut. Heuer fällt es wegen Corona aus.

Freundliche Menschen und der TSV in der Baracke

Über einem kleinen Vordach liegt ein Brautschmuck, wahrscheinlich vom Brautauto und zeigt damit an, dass sich offensichtlich zwei Menschen gefunden und geheiratet haben. Ein Stück weiter steht die letzte Baracke. Darin ist der TSV Ludwigsfeld untergebracht. Auffällig ist die Freundlichkeit der Menschen hier. Ich werde angesprochen, man erzählt mir viel, man zeigt mir versteckte Mosaiken, erklärt mir Wandbemalungen. Andere lächeln mich im Vorbeigehen an und grüßen.

Die Menschen in der kleinen Siedlung kennen sich.
Die Menschen in der kleinen Siedlung kennen sich. © Sigi Müller

Eine Frau erzählt mir von der letzten Baracke. Das passiert mir nicht oft, denn mit Kamera bewaffnet durch ein Stadtviertel zu gehen, zu schauen, Bilder zu machen, wirkt für viele Menschen oft fast bedrohlich. Das Einzige was wirklich fehlt in dieser schönen Siedlung, ist ein Lokal. Vielleicht hat ja jemand eine Idee.

In diesem Sinne eine schöne Woche.

Ihr Sigi Müller

Lesen Sie hier:: Fundstücke aus dem KZ Dachau - Vom Dunkeln ans Licht

Steinstraße in Haidhausen: Idyllisches Vorstadt-Flair

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