"Lovelace-Hotel" lädt Heimkinder über die Feiertage ein

Soziale Aktion von Gastronom Michi Kern: 40 junge Menschen von sechs bis 18 Jahren sollen die letzten Gäste vor der Schließung des Lovelace-Hotels sein.
| Eva von Steinburg
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Michi Kern vom "Lovelace".
ho Michi Kern vom "Lovelace".

München - "Immer radikal, niemals konsequent", das ist die Lebensmaxime von Michi Kern, Münchner Gastronom. Nur 24 Monate war er der Macher des ungewöhnlichen und luxuriösen Pop-up-Hotels "The Lovelace". Zwei Jahre hat er das prächtige Palais der früheren Bayerischen Staatsbank in der Kardinal-Faulhaber-Straße belebt.

Michi Kern vom "Lovelace".
Michi Kern vom "Lovelace". © ho

Kurz nach dem Jahreswechsel gehen im "The Lovelace" die Lichter aus. Über die Weihnachtstage gibt Kern aber 40 Kindern und Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen hier Raum für Action und Fröhlichkeit. Ihre Betreuer sind miteingeladen. (Lesen Sie auch: Streit im Stadtrat um Oskar-von-Miller-Baustelle)

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Von 24. bis 27. Dezember werden Heimkinder aus Feldkirchen staunen: über die unendlich hohen weißen Wände im Palais und die edlen dunkelblauen Vorhänge. Auf den weiß bezogenen großen Doppelbetten dürfen sie nach Herzenslust herumhüpfen: "Sie machen Kissenschlachten, rennen durch das große Haus und spielen Verstecken. Es geht um das Erlebnis, woanders zu übernachten. Für Kinder ist das immer ein Abenteuer, auch wenn es uns Erwachsene trivial erscheint", erklärt Michi Kern (52).

Michi Kern: Der Luxusaspekt ist nicht entscheidend

Ein eigenes Hotelzimmer mit Musik, Dusche und Toilette, das Ambiente und die Privatsphäre begeistert Sechs- bis 18-Jährige, glaubt Kern: "Sie glauben nicht, wie schwer sie aus den Zimmern zu bringen sind."

Schon zum sechsten Mal bietet Michi Kern Zimmer für Jugendliche aus Wohngruppen der Inneren Mission an. Den Luxusaspekt hält er bei der Übernachtung allerdings nicht für entscheidend, sondern die neue Erfahrung und den Input, an dem junge Menschen wachsen: "Manche Kinder waren noch nie in der Innenstadt! Andere essen zum ersten Mal vegan und mögen es."

Das festliche Weihnachtsprogramm schaut so aus: Die jungen Leute gehen auswärts essen, bekommen eine Führung im Nationaltheater und nehmen an einem Workshop in Philosophie, Yoga oder Boxen teil. Am Heiligen Abend sind 40 Kids ins Restaurant "Brenner" eingeladen. Danach ist Bescherung unter dem Christbaum im Hotelfoyer.

Kern lebte einst selbst im Kinderheim Feldkirchen

Weihnachten hat für den Gastronomen persönlich keine große Bedeutung, aber er freut sich mit den eigenen Kindern: "Für die ist die Aufregung schon riesengroß." Michi Kern hat einen dreijährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter: "Es fühlt sich an wie 40 Kinder", scherzt er noch.

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Seine Beziehung zum Kinderheim Feldkirchen hat Geschichte: Im Alter zwischen zehn und 17 Jahren lebte der Szene-Gastronom selbst im Kinderheim Feldkirchen – wegen "Jungs-Pubertäts-Problemen", wie er sagt.

Der Münchner erinnert sich an eine gute Zeit dort, umgeben von lauter Kindern, mit Fußballspielen und Pfadfinderaktionen. "Die pädagogische Arbeit ist sehr gut", sagt er heute. Sein Lebensweg ist dafür das beste Beispiel: Als schlechter Hauptschüler hat es der junge Kern über die Realschule und das Gymnasium an die Uni geschafft und letztlich studiert: Der Münchner Macher hat einen Bachelor-Abschluss in Philosophie.

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