Love Scamming: So fiel ein Münchner auf das miese Geschäft mit der großen Liebe herein

Ohne die Hilfe eines aufmerksamen Bankangestellten würde der Münchner vermutlich noch immer Geld an die Frau überweisen, mit der er in den vergangenen zehn Jahren nur ein einziges echtes Date in der realen Welt hatte.
Der Traum von der wahren Liebe platzt in Sekunden
Der 76-Jährige war am vergangenen Dienstag bei seiner Hausbank in Pasing und wollte erneut eine größere Summe Bargeld abheben. Das hatte der alleinstehende Münchner schon ungezählte Male getan. Doch diesmal war der Mitarbeiter am Kassenschalter auf Zack: Der Bankkaufmann rechnet dem Kunden vor, dass er über die Jahre hinweg insgesamt bis zu 50.000 Euro von seinem Konto abgehoben hatte.
So kassierte "Teresa" immer wieder ab
Vorsichtig erkundigte sich der Angestellte bei dem Kunden nach dem Verwendungszweck. Schnell war dem Bankangestellten klar, dass der 76-Jährige auf eine gerissene Betrugsmasche hereingefallen war: Love Scamming wird die Methode bei der Kripo genannt.
Die Frau, die sich "Teresa Miles" nennt, hat dem Mann aus Pasing die große Liebe vorgespielt: Sie sei gebürtige Amerikanerin, habe aber auch schon in Moskau gelebt. In Kontakt kamen sie und der inzwischen 76-Jährige vermutlich 2017 oder 2018. Getroffen haben sich der Pasinger und "Teresa" nur ein einziges Mal. Wo genau das war, kann sich der Münchner heute nicht mehr erinnern. Sie machte ihn emotional abhängig.
Kontakt hielt die heute angeblich 46-Jährige über Social Media, über WhatsApp und Facebook, zu dem Münchner. Was der Mann über all die Jahre für seine große Liebe hielt, war für "Teresa" lediglich ein lukratives Geschäftsmodell. Immer wieder schwatzte sie ihm Geld ab: Mal war ihr die Wohnung gekündigt worden, mal waren es andere, natürlich völlig unverschuldete Notlagen. Immer erwies sich der Münchner großzügig und half finanziell aus. "Der Transfer des Geldes erfolgte unter anderem über sogenannte Giftcards von unterschiedlichen Drogerien", sagte ein Polizeisprecher.
Deshalb flog der Schwindel erst so spät auf
Damit der Betrug nicht auffliegt, sollte der Pasinger immer nur kleine Summen vom Konto abheben. Bei größeren Summen werden Banken schnell misstrauisch und schlagen Alarm. Das Geld wurde unter anderem auf ein Konto in Litauen überwiesen. Wer sich hinter dem Alias-Namen "Teresa Miles" verbirgt, ist unklar. Die Kripo ermittelt.
"Love Scamming": So warnt die Polizei
Die unbekannten Täter täuschen beim "Love Scamming" über längere Zeit (per E-Mail, WhatsApp) den Geschädigten vor, dass sie eine Liebesbeziehung zu diesen aufbauen möchten, wodurch bei den Geschädigten eine emotionale Bindung (zur eigentlich unbekannten Person) entsteht.
Von den Tätern werden oft große Vermögen, Geldgewinne oder Ähnliches vorgetäuscht, mit welchen ein gemeinsames Leben in der Zukunft finanziert werden soll. Dann wird vorgegeben, dass Probleme aufgetaucht sind, welche sich nur durch (Voraus-)Zahlungen verschiedenster Beträge lösen lassen.
Im Glauben an die Redlichkeit und die erwiderte Liebe/Freundschaft des Gegenübers, überweisen die Geschädigten die von den Tätern geforderten Summen, um die versprochene Leistung zu erhalten oder dem "geliebten Menschen" zu helfen, bzw. diesen zu sich zu holen. Hierbei werden die Beträge vornehmlich in das Ausland überwiesen, betont das Polizeipräsidium München.