Leben im Ronald-McDonald- Haus in München: Jeder Tag ist ein Geschenk

Als Baby bekam Andreas in Großhadern ein neues Herz. Seine Familie begleitete ihn, wohnte im Ronald-McDonald-Haus. Jetzt feiern der junge Mann und das Haus 20. Geburtstag.
| Nina Job
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Als Baby bekam Andreas (Name von der Redaktion geändert) in Großhadern ein neues Herz. Seine Familie begleitete ihn, wohnte im Ronald-McDonald-Haus. Jetzt feiern der junge Mann und das Haus 20. Geburtstag.

Das Foto zeigt Andreas am Geburtstag seines zwei Jahre älteren Bruders. Seine Mutter hat ihm rote Luftballons in sein Bettchen gebracht im Ronald-McDonald-Haus neben dem Klinikum Großhadern.

Andreas freut sich, er sitzt aufrecht in seinem Bett. Es ist der erste Tag, an dem der 21 Monate alte Bub von der Station darf. Mit den anderen Kindern feiern, darf er noch nicht. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Andreas' Transplantation ist erst wenige Wochen her. Bereits im Mutterleib war eine lebensbedrohliche Herzmuskelschwäche bei Andreas diagnostiziert worden. Seine Mutter Ute K. (50) erinnert sich: "Die Ärzte haben zu mir gesagt, dass ich mich darauf vorbereiten soll, dass er nicht lange lebt." Andreas überlebte die Geburt, doch er war sehr schwach, verbrachte bereits seine ersten Lebenswochen im Klinikum Großhadern. "Sein Herz wurde immer schwächer, er konnte nicht sitzen und krabbeln", sagt seine Mutter. Nur ein Spenderherz konnte ihn retten.

Herz-OP rettet dem kleinen Bub das Leben

Der kleine Bub aus Zwiesel hatte riesiges Glück. Am 29. Dezember 1998 wurde Andreas in Großhadern transplantiert. "Bereits unmittelbar nach der Operation ging es ihm besser. Er hatte eine rosige Gesichtsfarbe, großen Appetit und zog sich schon bald alleine an seinem Gitterbett hoch", erinnert sich Ute K. "Es war, als habe er eine Energiespritze bekommen." Nach sechs Monaten durfte der Kleine zum ersten Mal nach Hause. Anfangs musste er wöchentlich zur Untersuchung kommen, dann monatlich. Wenn er sich eine Infektion holte, öfter. Immer begleitete ihn seine Familie. Mal kam seine Mutter mit, mal der Vater, fast immer sein Bruder und ganz oft seine Großmutter Adelheid G. (heute 79).

"Wir konnten immer im Ronald-McDonald-Haus wohnen und dadurch ganz nah bei ihm sein. Das war eine riesige Hilfe", sagt seine Mutter. "Der Alltag wird einem abgenommen und man kann sich voll und ganz seinem Kind widmen." Gestern feierte Haus-Leiterin Eva Wiener mit rund 200 Ärzten, Spendern, Patienten und Schirmherr Sky du Mont 20-jähriges Bestehen des Ronald-McDonald-Hauses. Etwa 3.500 Familien hat das Haus seit seiner Einweihung kostenlos beherbergt. Die Spender haben dies ermöglicht.

Andreas studiert heute in Danzig Wirtschaft und Sprachen

Andreas konnte nicht zur Jubiläumsfeier kommen. Er steckt mitten im Studium – Wirtschaft und Sprachen. Außerdem hat er selber Geburtstag: Heute wird Andreas 20 Jahre alt. Dass er einmal so alt werden würde, hatte damals - bei seiner Geburt und auch im Dezember 1998 - kaum jemand zu hoffen gewagt. "Von den Kindern, die mit ihm transplantiert worden sind, lebt heute keines mehr außer ihm", sagt seine Mutter. "Jeder Tag ist ein Geschenk."

Andreas hat seiner Mutter zum 20. Geburtstag des Ronald-McDonald-Hauses eine Grußbotschaft mitgegeben. Zusammen mit einer Filmstudentin hat er ein Video über sein Leben gedreht: In dem Film ist er beim Skaten zu sehen und beim Schlagzeugspielen. Man sieht ihm nicht an, wie nahe er dem Tod immer wieder war. Zu seinem eigenen Geburtstag hat der junge Mann zwanzig Freunde eingeladen und natürlich seinen Bruder Julian. Die jungen Leute wollen zum Pizzaessen gehen und anschließend ins Nachtleben. Am Ende des dreiminütigen Films für das Ronald-McDonald-Haus, das Klinikum Großhadern und die vielen Spender, lehnt sich Andreas sehr lässig über sein Schlagzeug und schaut direkt in die Kamera: "Vielen Dank für 20 gemeinsame Jahre. Macht weiter so!"

Ronald-McDonald-Haus - ein Zuhause auf Zeit

Das Ronald-McDonald-Haus auf dem Campus Großhadern feiert 20-jähriges Bestehen. Seit 4. Juni 1997 hat es bereits 3.500 Familien, deren schwer kranke Kinder im Klinikum behandelt werden, ein Zuhause auf Zeit gegeben.

14 Apartments, eine Gemeinschaftsküche und viele Spielsachen stehen zur Verfügung. Die McDonald's-Kinderhilfe gibt es seit 1987 in Deutschland, sie ist Teil der international tätigen Ronald-McDonald-House-Charities mit mittlerweile 362 Häusern in 42 Ländern.

München hat zwei Ronald-McDonald-Häuser – das erste wurde 1995 am Herzzentrum eröffnet. Die McDonald's-Kinderhilfe finanziert sich vorwiegend über Spenden. 2015 flossen 14,9 Millionen Euro zu der gemeinnützigen Stiftung. Die größte Summe mit 8,5 Millionen kam nach eigenen Angaben von McDonald's, seinen Franchise-Nehmern, Lieferanten und Gästen. Darüber hinaus spenden zahlreiche Privatpersonen und Firmen. Das Haus in Großhadern muss jährlich rund 180.000 Euro an Spendeneinnahmen selbst organisieren.

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