"Laut gegen Brauntöne": Feiern gegen Fremdenhass

Diesen Samstag lässt eine Kampagne gegen Rechts junge Leute in die Clubs. Harry-Klein-Chef David Süß über Rassismus bei Nacht
| Laura Kaufmann
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Um Jugendliche gegen Rechtsextremismus zu sensibilisieren, hat die Stadt eine Kampagne ins Leben gerufen: „Laut gegen Brauntöne.“ Auf Konzerte mit Diskussionen im „Feierwerk“ folgt am Samstag „Die junge Nacht der Clubs“: Junge Leute ab 16 können ab 18 Uhr für fünf Euro Eintritt in den Clubs 8Below, Milchbar, Rote Sonne, Atomic Cafe und Harry Klein feiern – Motto: „Gemeinsam feiern für Toleranz und Respekt“.

Extra Anreiz: In Clubs wie diese kommen 16-Jährige normalerweise noch nicht rein.

Die AZ hat mit dem Clubbesitzer des Harry Klein, David Süß, darüber gesprochen.

AZ: Herr Süß, ist Rassismus im Münchner Nachtleben ein Thema?

DAVID SÜSS: Die Feierszene an sich ist nicht bekannt dafür, besonders rechts zu sein. Aber natürlich gibt es im Nachtleben die gleichen gesellschaftlichen Probleme, die es tagsüber gibt; es sind ja die gleichen Menschen in Clubs, die auch draußen unterwegs sind.

Ist ein Club der richtige Ort für so eine Kampagne?

Ein Club ist erst einmal kein politischer Raum. Jeder Mensch soll sich politisch engagieren – aber die Nacht ist dazu da, zu vergessen, sich in Musik zu verlieren. In Clubs hat Politik eigentlich nichts verloren.

Warum machen Sie dann mit?

Als Club hat man auch eine Vorbildfunktion und kann auf die Leute einwirken. Wir wollen da klar Position beziehen, zeigen, dass hier jeder willkommen ist und wie man mit gegenseitigem Respekt feiert.

Was passiert, wenn Sie im Club mitbekommen, dass sich Leute wegen ihrer Herkunft anpöbeln?

Zero Tolerance – der fliegt nach einer kleinen Ansprache raus. Anpöbeln geht nicht, egal aus welchem Grund. Wenn jemand eine Frau blöd anmacht, passiert das Gleiche.

Türstehern wird oft vorgeworfen, nach Hautfarbe auszusortieren.

Da muss man sehr vorsichtig sein, keinen Klischees nachzugehen. Sowas wie, oh, ein junger Türke, der pöbelt vielleicht. Es ist sehr leicht, da auf Stereotypen reinzufallen.

Wie versucht das Harry Klein, das zu verhindern?

Jeder Verantwortliche schaut auch mal an der Tür vorbei, schaut sich das an, fragt: Warum hast du den jetzt eigentlich abgewiesen? Und die Türsteher fragen, wenn sie sich nicht sicher sind, die Gäste: Warum seid ihr hier? Daran, wie die Leute auf eine Ansprache vom Türsteher reagieren, merkt man schnell, ob sie Ärger machen oder feiern wollen.

Mussten Sie jemals einen Türsteher entlassen, weil er nach den falschen Kriterien aussortierte?

Nein. Unser erster Mann an der Tür stellt die Kollegen ein, und mit der Zeit hat man einfach gleich ein Gespür dafür, mit wem man arbeiten kann und mit wem nicht. Viele sind schon fünf, sechs Jahre bei uns: Die wissen, was wir wollen.

Anderswo klappt das weniger gut.

Dieser latente Rassismus existiert ja durchaus. Wenn ich einen gut laufenden Club habe und nicht von jedem Gast abhängig bin, jemand ein bisschen fremd ausschaut – dann ist das der, den ich vielleicht nicht rein lasse.

Beschwert sich niemand bei Ihnen, er wäre nicht reingekommen, weil er dunkle Haut hat?

Doch, das kommt häufig vor. Und auch das zeigt, dass es dieses Problem gibt. Der Gast, der nicht reinkommt, ist immer verärgert. Oft spüren ausländisch aussehende Leute Benachteiligungen deswegen schon von der Grundschule an, und das zieht sich durch bis vor die Clubtür. Manchmal entwickeln sich daraus auch absurde Situationen: Bei uns ist es schon passiert, dass ein Grieche vor dem Club den schwarzen Türsteher als Nazi beschimpft.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir erklären. Neulich haben wir an der Tür acht junge Italiener abgewiesen, weil einer von ihnen so besoffen war, dass er kaum stehen konnte. Sie haben uns später schriftlich als Nazis beschimpft. Wir sagen dann: Das hatte nichts damit zu tun, wo ihr herkommt und welche Sprache ihr sprecht. Aber ihr habt schon vor der Tür rumgepöbelt. Wir hätten sie genauso wenig reingelassen, wenn sie Deutsche gewesen wären.

 

 

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