Lange Nacht der Museen in München: Das sind die Tipps der AZ

Freilich, alle 100 Orte schafft wohl nicht mal der ambitionierteste Museumsgänger. Dennoch: Die Auswahl an geöffneten Museen ist riesig, da dürfte für alle nicht nur ein Ort interessant sein. Bei der diesjährigen Langen Nacht der Museen ist wieder allerhand aus Kunst, Stadtgeschichte, Archäologie und Technik zu bestaunen. Schon zum 27. Mal öffnen die Kulturstätten nachts ihre Türen. Von 18 Uhr bis 1 Uhr ist in der ganzen Stadt allerhand Spannendes geboten. Für Familien beginnen die Programmpunkte teils um 14 Uhr.
Das Angebot reicht von Installationen und Ausstellungen über Lesungen und Livemusik bis hin zu Vorträgen. An vielen Orten gibt es außerdem kleine Speisen und Getränke. Das gesamte Programm ist im Internet unter www.muenchner.de/museumsnacht/de zu finden. Um von A nach B zu kommen, ist wieder ein Shuttle-Service eingerichtet, der mit der Eintrittskarte kostenlos genutzt werden kann. Tickets kosten 20 Euro und sind unter muenchenticket.de (zzgl. System- und Vorverkaufsgebühren) sowie bei den beteiligten Partnern erhältlich. Die AZ gibt einen Überblick, welche Museen sich lohnen könnten.
Lange Nacht der Museen in München: Bayerisches Nationalmuseum: Prunk und Luxus
Das Bayerische Nationalmuseum zählt zu den größten kunst- und kulturhistorischen Museen Europas. 1855 wurde es von König Maximilian II. gegründet und zeigt auf 13.000 Quadratmetern eine umfangreiche Sammlung regionalen und europäischen Kunsthandwerks.
Gerade nachts entsteht eine besondere Atmosphäre, wenn man zwischen edlem Tafelservice, opulenten Barockkleidern und filigranen Porzellanfiguren umherschlendert.

Zur Langen Nacht gibt es verschiedene Themenführungen. Etwa um 20 Uhr eine Führung zum Thema Mode in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um 21 Uhr geht es um Tauben auf Kunstwerken und um 23 Uhr dreht sich alles um Waffen und Rüstungen im Mittelalter. Getränke und kleine Speisen gibt es an der Camattibar sowie Livemusik mit dem Anarchist Brass Collective.
Museum Fünf Kontinente: Bollywood Beats im Foyer
Kultur, Feiern, Essen und Trinken: Das Museum Fünf Kontinente lohnt sich in der Langen Nacht für alle. Im Foyer bringt DJ Maxx (Kartik Adhia) Mumbai nach München. Sein Mix aus Bollywood-Sounds und elektronischer Musik soll die Besucher auf die Tanzfläche locken. Passend dazu serviert das neue Museumscafé Vista indisches Streetfood wie Samosas mit Chutney und Paneer-Tikka-Wraps. Dazu gibt es Mango-Lassi, Spritz, Wein, Bier und Superfood-Lattes.

Wer in die Ausstellungen hineinschnuppern möchte, macht eine Kurzführung. Im Programm: unter anderem "Krishna. Religion, Kunst und Popkultur" – einige der Werke sind erstmals öffentlich zu sehen – oder "Subsahara-Afrika. Lebendige Traditionen – Kreative Gegenwart" oder die japanische Blumenkunst Ikebana. Beim Poetry Slam tragen bekannte Szenegrößen ihre Texte vor.
Archäologische Staatssammlung: Alles über die Liebe
In der Archäologischen Staatssammlung (ASM) dreht sich in diesem Jahr bei der Museumsnacht alles ums Miteinander.
Unter dem Motto "All about love" dürfen sich Gäste auf ein gefühlvolles Programm in den Kuben am Englischen Garten freuen – so verspricht es das Museum.
Am Nachmittag (14 bis 17 Uhr) können die Kleinen beim Kinderprogramm mit dem Museumspädagogischen Zentrum in die Römerzeit eintauchen. Wie lebten die Menschen hier in Bayern vor 2000 Jahren? Wie schrieben die Römer ihre Liebesbriefe und worauf? Gebastelt wird auch.

Wer noch keine passende Begleitung für das Abendprogramm hat, findet bei einer Führung vielleicht ein passendes Match. Pinkes Bändchen an und los geht’s! Zum Beispiel auf eine der angebotenen Museumstouren: Das Team lädt ab 19.30 Uhr stündlich dazu ein, das Museum auf Führungen mit verschiedenen Themen näher kennenzulernen und gemeinsam ins Abenteuer Archäologie einzutauchen. Aber auch die Dauerausstellung ist geöffnet. Ab 19 Uhr gibt es außerdem Livemusik und passende Drinks in der Solâ-Bar. Die Dachterrasse hat bis 22 Uhr geöffnet.
Lithografie-Werkstatt: Postkarten drucken
Lithografie ist ein spezielles Druckverfahren, das Ende des 18. Jahrhunderts erfunden wurde. Basis dafür sind präparierte Steinplatten. Mit Kreide, Pinsel oder Feder werden Bilder oder Schriften auf die Steine gezeichnet oder geschrieben. Die bemalten Steine dienen dann als Druckform.

Bei der Langen Nacht der Museen wird diese Drucktechnik in der Lithografiewerkstatt im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz 8 nicht nur erklärt. Man kann sogar selbst auf Steinen zeichnen oder mit vorgefertigten Motiven eine eigene Postkarte drucken. Los geht es ab 18 Uhr, bis 1 Uhr laufen die mächtigen Pressen in der Werkstatt.
Museum Villa Stuck: Architektur, Kunst und Leben
Seit einem Jahr erstrahlen die Räume der Künstlervilla Franz von Stucks in Bogenhausen nach einer umfassenden Sanierung wieder in vollem Glanz – und auch die Fassade wurde aufwendig aufgehübscht. "Heller, offener und schöner denn je" ist das Haus nach Angaben des Museums.
Davon kann man sich auch bei der Langen Nacht der Museen ein gutes Bild machen. Es gibt um 18 und 21 Uhr Rundgänge zu den historischen Räumen.

Um 19.30 Uhr findet ein Rundgang zur Ausstellung "No Single View" von Ilit Azoulay statt, in der ihre Fotocollagen und ein Film zu sehen sind. Um 22.30 Uhr gibt es einen Rundgang zur Ausstellung "Zehn Leben" von Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz, die sich den Themen Flucht, Trauma und Sehnsucht widmen.
In der Stuckkantine gibt es vegetarische und vegane Speisen, hausgemachte Limonaden und andere ausgewählte Getränke. Die neoklassizistische Villa, 1897/98 erbaut, ist sicher einen Besuch wert.
Europäisches Patentamt: Kunst im Keller
Das ikonische Hochhaus, in dem das Europäische Patentamt seinen Sitz hat, kennt wohl jeder, der ab und an die Isar entlang radelt. Aber wer war schon mal drin?

Bei der Langen Nacht der Museen bietet sich die Möglichkeit, es von innen zu sehen. Genauer gesagt: den Kulturraum im Untergeschoss. Zu entdecken gibt es dort eine Kunstsammlung mit mehr als 350 Werken sowie die von Esther Stocker gestaltete "Cosmic Bar". Ab 18.30 Uhr erklärt sie ihr Werk. Der Eingang des Kulturraums befindet sich an der Kohlstraße.
Synagoge Ohel Jakob: Einblicke in jüdisches Leben
Synagoge bedeutet wörtlich "Ort der Zusammenkunft". Sie ist von zentraler Bedeutung für das jüdische Leben. Bei der Langen Nacht der Museen kann man die Jüdische Hauptsynagoge Ohel Jakob auf dem St.-Jakobs-Platz erkunden.

Bereits von außen beeindruckt der Bau mit seinem Steinsockel, der an die Klagemauer in Jerusalem erinnert, beeindruckend. Innen wird an diesem Samstag ein Programm aus Musik und Vorträgen angeboten.
Ab 20.30 Uhr erklärt Dinah Zenker in einem Vortrag den Namen Ohel Jakob, architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik. Ab 21.15 Uhr gibt der Synagogenchor "Schma Kaulenu" (hebräisch "Höre meine Stimme") ein Mini-Konzert unter der Leitung von David Rees.
Ab 22 Uhr hält die deutsch-jüdische Autorin Ellen Presser einen weiteren Vortrag. Danach, ab 22.30 Uhr, folgt ein Konzert des Synagogenchors. Das Restaurant Einstein im Gemeindezentrum bietet bis 22.30 Uhr koscheres Essen an.