Laden-Erwachen: Händler zurück im Ruffinihaus

Ausgerechnet in der Krise kehren die Ladenbesitzer ins sanierte Ruffinihaus in der Münchner Altdstadt zurück. Ein Rundgang zwischen neuen Räumen, altem Flair – und erstaunlich positiver Stimmung.
| Ruth Frömmer
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Das fast fertig renovierte Ruffinihaus.
Petra Schramek 3 Das fast fertig renovierte Ruffinihaus.
Marion (l.) und Marina Schmöller im renovierten Spanischen Fruchthaus.
Petra Schramek 3 Marion (l.) und Marina Schmöller im renovierten Spanischen Fruchthaus.
Michael Riedl von Herrenbekleidung Hillenbrand hat reduziert.
Petra Schramek 3 Michael Riedl von Herrenbekleidung Hillenbrand hat reduziert.

München – Noch wenige Wochen, dann verschwindet das letzte Gerüst und das frisch sanierte Ruffinihaus am Rindermarkt erstrahlt wieder im neuen Glanz. Um das besondere Flair des Gebäudes zu unterstreichen, vermietet die Stadt die Räume im Erdgeschoss nach wie vor vergleichsweise günstig an kleine Händler. Die meisten konnten schon vor Monaten ihre Läden wieder beziehen. Ihre Lage ist noch angespannt, aber hoffnungsvoll.

Ruffinihaus: Endlich kommt die Stammkundschaft zurück in die Läden

Das Spanische Fruchthaus gibt es schon seit 1912. Für Senior-Chefin Marion Schmöller war es nicht einfach, aus ihrem liebevoll eingerichteten Laden voller Trockenfrüchte und exotischer Delikatessen ins Zwischenquartier im Stadtmuseum umzuziehen.

Marion (l.) und Marina Schmöller im renovierten Spanischen Fruchthaus.
Marion (l.) und Marina Schmöller im renovierten Spanischen Fruchthaus. © Petra Schramek

"Wir durften am Ruffinihaus keinerlei Plakate mit der neuen Adresse im Rosental anbringen. Wie sollten unsere Kunden uns da finden?" Immerhin, einige Stammkunden sind dem Laden auch in der Sanierungszeit treu geblieben, aber die Laufkundschaft blieb so gut wie aus. "Noch länger dort und wir wären pleite gegangen", so Schmöller. Trotzdem ist man Stadtmuseums-Direktorin Frauke von der Haar sehr dankbar für ihre Hilfsbereitschaft.

Viel Zuversicht im neuen Ruffinihaus

Zurück im Ruffinihaus geht der Blick in die Zukunft. In den neuen Räumen gibt es mehr Möglichkeiten als vorher. Und so hat die Familie viel Geld in eine neue Einrichtung inklusive moderner Kühlung investiert. Gemeinsam mit dem Schwager wurde in den Wochen vor der Eröffnung fleißig gewerkelt und so ist der Verkaufsraum sogar noch schöner als vorher geworden.

Auch ein Generationenwechsel hat in der Zwischenzeit stattgefunden. Die Geschäfte führt ab sofort Schmöllers Tochter Marina – und das in der vierten Generation. "Es wird noch eine Weile dauern, bis wir wieder schwarze Zahlen schreiben, aber wir sind zuversichtlich."

Auch Michael Riedl, seit zwölf Jahren Angestellter beim Herrenausstatter Hillenbrand, sieht die Sanierung grundsätzlich positiv. "Wir sind froh, dass wir überhaupt in die Ersatz-Räumlichkeiten einziehen durften."

Michael Riedl von Herrenbekleidung Hillenbrand hat reduziert.
Michael Riedl von Herrenbekleidung Hillenbrand hat reduziert. © Petra Schramek

Laufkundschaft und Touristen fehlten während der Sanierung

Aber auch hier blieben die Laufkundschaft und vor allem die Touristen in den 20 Monaten im Stadtmuseum so gut wie aus. "Immerhin waren wir die ersten, die schon im September 2019 wieder ins Ruffinihaus zurück durften. So konnten wir das Wiesn-Geschäft im letzten Jahr noch voll mitnehmen."

Geschäftsführer Rudolf Kapfhammer hat die Zeit genutzt, um die Ladeneinrichtung zu modernisieren. "Grundsätzlich ist unser neuer Laden sehr schön geworden und das Geschäft lief in den ersten Monaten gut an", so Michael Riedl. Auch nach dem Corona-Lockdown. "Aber seitdem geht’s rapide bergab." Kauffreudige Touristen gibt es gerade nicht. Aber auch Riedl ist optimistisch. "Wir modernisieren in der nächsten Zeit noch unsere Schaufenster und hoffen auf bessere Zeiten." In Rente gehen möchte der 64-jährige Riedl jedenfalls noch lange nicht.

"Wir sind den Münchnern sehr dankbar"

Das Café Segafredo am Rindermarkt musste während der Sanierungsarbeiten komplett schließen. Chef Luca Gazzo und sein Mitarbeiter Denis Drusian haben in der Zwischenzeit jeweils in ihrer italienischen Heimat gearbeitet. Der dritte Mitarbeiter Gennaro Sabino war während der Schließung in verschiedenen Münchner Lokalen tätig. Seit drei Monaten ist das italienische Trio wieder zurück und auch die Stammkunden entdecken peu à peu ihr Lieblingscafé wieder.

"Wir sind den Münchnern sehr dankbar für die Treue. Wenn auch bei dem ein oder anderen die Italienisch-Kenntnisse ein wenig eingerostet sind", so Drusian mit einem Augenzwinkern. Die Münchner werden es verkraften. Und haben nun wieder die Gelegenheit, auf einen italienischen Plausch. Gratis zum Espresso dazu. In ihrem wiederbelebten Traditionshaus am Rindermarkt.

Lesen Sie hier: Es braucht kleine Münchner Läden

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