KVR-Skandal in München: 37-Jährige wegen Bestechlichkeitsvorwurf vor Gericht

Der Korruptionsskandal in der Ausländerbehörde des Kreisverwaltungsreferats (KVR) beschäftigt seit Montag erneut die Justiz. Auf der Anklagebank im neuen Strafjustizzentrum sitzt eine ehemalige Mitarbeiterin (37), die 85 Vietnamesen gegen Geld unter anderem Aufenthaltsgenehmigungen verschafft haben soll. Die sollen dafür jeweils einen fünfstelligen Betrag oder noch mehr gezahlt haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau unter anderem Bestechlichkeit und Urkundenfälschung vor. Ebenfalls angeklagt ist der 34-jährige Ehemann der ehemaligen KVR-Mitarbeiterin. Das Verfahren gegen einen dritten mutmaßlichen Mittäter wurde abgetrennt.
Das Verfahren beruhe auf internen Ermittlungen des KVR, erklärt die Stadt. Nach ersten Verdachtsmomenten habe das Referat die Antikorruptionsstelle der Stadt sowie die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Der Tatzeitraum der angeklagten Fälle liege zwischen September 2024 und Mai 2025. Bereits Anfang des Jahres 2025 waren im Bereich Aufenthalte für Arbeitsmigration der Servicestelle für Zuwanderung und Einbürgerung bei dienstlich vorgeschriebenen Fallkontrollen Ungereimtheiten aufgefallen.
"Korruption ist ein Kontrolldelikt": KVR-Mitarbeiterin vor Gericht
"Die internen Ermittlungsergebnisse brachte das KVR gemeinsam mit der Antikorruptionsstelle unverzüglich zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, damit diese strafrechtliche Ermittlungen einleitet", heißt es weiter in der Mitteilung der Stadt.
Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller sagt dazu: "Korruption ist ein Kontrolldelikt. Dass die Ungereimtheiten bei der Fallbearbeitung so schnell aufgefallen sind und die verantwortliche Mitarbeiterin nun vor Gericht steht, zeigt, dass die Kontrollmechanismen innerhalb des Kreisverwaltungsreferats funktionieren. Wir haben umfangreiche Maßnahmen ergriffen und die Mitarbeitenden für das Thema sensibilisiert. Das KVR verfolgt eine Zero-Tolerance-Politik in Bezug auf Korruption und bringt auch in Zukunft jeden Verdacht zur Anzeige."
Am ersten Verhandlungstag schwiegen die beiden Angeklagten. Drei Bekannte des Paares sagten als Zeugen aus. Von den mutmaßlichen Geschäften wussten sie nach eigenen Angaben nichts.
Das Gericht ließ zudem Reisedaten und Chats verlesen. Darin geht es offenbar um Pläne, Menschen aus verschiedenen Ländern nach Deutschland zu holen.
Falscher Anwalt bereits verurteilt
Der Architekt des kriminellen Systems (28) wurde bereits im Januar wegen Bestechung in sieben Fällen und Missbrauch von Berufsbezeichnungen – er hatte sich als Rechtsanwalt ausgegeben – zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 28-Jährige hatte als Dienstleister für Migranten mit Tickets für ein Spiel des FC Bayern, einem Jobangebot für einen Zuverdienst und vor allem Bargeld die beiden KVR-Mitarbeiter gelockt. Diese beiden kamen auch aufgrund ihrer Geständnisse mit Bewährung davon.
Die Richterin sprach von einem "massiven Denkzettel": "Wir gehen bei Ihnen beiden auch davon aus, dass da nichts mehr kommen wird."