Kurios bis historisch: Ein Blick in das Waffenmuseum des LKA

Mit dem Lippenstift kann eine Frau Wunden reißen. Statt roter Farbe schraubt sich ein Messer heraus. Auch Spazierstock und Pfeife sind keineswegs harmlos. Sie können schießen. Das Landeskriminalamt hat kuriose Waffen gesammelt - und solche, die Geschichte schrieben.
| Sabine Dobel/dpa/AZ
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Die Waffe eines Bankräubers aus dem Jahr 1971
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Eine Handtasche, die wie ein Schlagring getragen werden kann
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Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger gewährt Einblick ins LKA-Waffenmuseum
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Gibt's nicht nur bei James Bond: Kugelschreiber mit Schießfunktion
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Gehstöcke, die zu Waffen umfunktioniert wurden
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Weitere Bilder aus dem Waffenmuseum des LKA.
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dpa 10 Weitere Bilder aus dem Waffenmuseum des LKA.
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München – Ein gelber Bademantelgürtel diente als Schultergurt für eine Kalaschnikow, eine andere hielt eine rotkarierte Krawatte auf der Schulter der Terroristen. An der dritten Waffe hängt ein Zettel, darauf steht in sauberer Handschrift: "Leiche 4". Die Waffen der Olympia-Attentäter von München liegen im Museum des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA). Mitglieder des palästinensischen Terrorkommandos "Schwarzer September" hatten am 5. September 1972 das Athletendorf gestürmt und elf israelische Sportler und Trainer als Geiseln genommen. Jetzt verwaltet die Waffen Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger - der von sich selbst sagt, dass er Waffen verabscheut.

In seinem Sortiment hat Waldinger auch die zierliche Pistole, mit der Vera Brühne 1960 gemeinsam mit einem Komplizen den Arzt Otto Praun und dessen Haushälterin Elfriede Kloo ermordet haben soll. Oder die Pistole, die Kommissar "Derrick" im wahren Leben trug. Es ist eine Gas-Pistole. "Horst Tappert hat so in der Rolle gelebt, dass er tatsächlich dachte, er wäre Polizist", berichtet Waldinger. Weil er aber keiner war und keinen Waffenschein hatte, durfte er nur eine Gas-Pistole besitzen. Seine Witwe hat sie dem Museum vermacht.

 

350 Stücke umfasst das Waffen-Museum des LKA

 

Was das LKA zusammengetragen hat, könnte auch in James Bond-Filmen vorkommen. Farbenfrohe Kugelschreiber, die schießen können, ein Spazierstock, aus dem ein Totschläger hervorspringt - und ein Lippenstift, aus dem sich statt roter Farbe ein Minimesser schraubt. Auch die teure Designer-Damenhandtasche von Alexander McQueen könnte als Waffe missbraucht werden: Ihr Griff ist einem Schlagring sehr ähnlich. Zwei der rund 3000 Euro teuren Täschchen wurden Damen am Flughafen abgenommen. Bis Beamte den Taschen Legalität bescheinigten, waren die Damen weitergereist. Die Taschen kamen ins Museum.

Zu der 350 Stücke umfassenden Sammlung gehören eine schießfähige Pfeife und ein Schieß-Schlüssel. "Und wenn einem der Schlüssel weg genommen wird, kann man auch mit dem Schlüsselbund schießen", sagt Waldinger. Im Stock eines Wilderers steckt eine Kleinkaliberfunktion. "Da kann man nicht aus 300 Metern einen Hirsch erlegen. Aber man kann aus kurzer Distanz auf Tiere schießen. Oder auf Menschen."

Waldinger bekommt die Waffen manchmal zehn Jahre nach Abschluss eines Verfahrens, wenn die Asservate nicht mehr aufbewahrt werden müssen. Andere Waffen werden abgegeben. Eine Frau fand in einem Geigenkasten auf dem Speicher nach dem Tod ihres Mannes eine Maschinenpistole - und brachte sie zum LKA. Einige Waffen stammen auch aus der Zeit der Amnestie, mit der die Behörden nach dem Amoklauf von Winnenden von 2009 die illegalen Waffen aus deutschen Haushalten bekommen wollten.

 

Auch das BKA sammelt Waffen

 

Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden sammelt auch Waffen, unter anderem, um über ein Exemplar jedes Modells zu verfügen. "Wir können so Vergleichsschussabgaben machen, wenn am Tatort Spuren gefunden wurden", sagt BKA-Sprecherin Barbara Hübner. Eine solches "Lexikon" hat auch das LKA, dort sind etwa 7000 Waffen für Gutachter verfügbar.

Am Tatort entdeckte Waffen und Projektile werden ebenfalls registriert. Mehr als 9000 Stück Waffen und Munition hat das BKA gespeichert. Werden Projektile derselben Waffe bei anderen Taten sichergestellt, lässt sich der Zusammenhang ermitteln. "Jeder Schuss hinterlässt auch an der Munition, an Projektil und Hülse, eindeutige Spuren", sagt Hübner. "Wenn wir Munition finden, die aus derselben Waffe geschossen wurde, können wir das nachvollziehen."

So waren auch die neun Morde an Opfern türkischer und griechischer Herkunft, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelastet werden, auf ein und dieselbe Mordwaffe zurückgeführt worden. Die Ceska der mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen wurde in deren Wohnung in Zwickau sichergestellt - als wesentlicher Puzzlestein zur Enttarnung des NSU.

Kriminelle schätzen zunehmend alte Pistolen, die gemeinhin der Schießfunktion beraubt die Wand zieren. Sie sind günstig legal zu erwerben und können mit wenig Aufwand wieder scharf gemacht werden. Auch BKA-Sprecherin Hübner sieht einen Trend, Deko-Waffen illegal umzubauen.

Waldingers Waffenkammer birgt auch einfachste Pistolen-Varianten: ein Rohr auf ein Brett geschraubt. Pulver und Projektil werden im Rohr platziert und gezündet. Waffen Marke Eigenbau sind gefährlich: Der Schuss kann nach hinten losgehen - und den Bastler schwer verletzen.

Besonders harmlos klingt die ähnlich einfach gebaute Kartoffelkanone. Sie beschleunigt Erdäpfel aber immerhin auf 150 Stundenkilometer - so dass sie Glas durchschlagen. "Kartoffeln dürfen Sie zwar so kaufen. Aber das ist eine Schusswaffe", sagt Waldinger. Und damit: verboten.

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