Kritik der TU München: EU setzt falsche Klimavorgaben für Autos

Wissenschaftler der TU München werfen der EU "Fehlsteuerung" bei den Klimazielen für Autos vor. Sie kritisieren mehrere Punkte bei der Regulierung.
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Elektroautos produzieren keine Abgase. CO2-neutral sind sie dennoch nicht. (Symbolbild)
Elektroautos produzieren keine Abgase. CO2-neutral sind sie dennoch nicht. (Symbolbild) © Jan Woitas/dpa

Wissenschaftler der TU München werfen der Europäischen Union (EU) vor, die Autohersteller beim Klimaschutz in die falsche Richtung zu lenken: In einem neuen Weißbuch fordern die Forscher, nicht mehr wie bisher die bei der Fahrt am Auspuff entstehenden CO2-Emissionen zu Grunde zu legen. 

TUM-Präsident Thomas Hofmann fordert "Technologieoffenheit"

Stattdessen sollen die Klimavorgaben den CO2-Ausstoß über die gesamte Lebensdauer eines Autos berücksichtigen: von der Produktion bis zur Wiederverwertung. Zum heiß umstrittenen Für und Wider eines mittelfristigen Verbots von Verbrennungsmotoren nehmen die Wissenschaftler in der Studie nicht explizit Stellung. TUM-Präsident Thomas Hofmann forderte jedoch "Technologieoffenheit", um der Industrie nicht Innovationsmöglichkeiten zu nehmen.

Kritik: Klimaziel der EU in Gefahr 

Mit der Veröffentlichung wollen die Wissenschaftler der EU-Kommission eine Handlungsempfehlung für die im November anstehende Überarbeitung der Klimaziele für die Autoindustrie geben.

Ohne grundlegende Revision würde die EU nach ihrer Einschätzung ihr Ziel für das Jahr 2030 weit verfehlen, das eine Reduktion der CO2-Emissionen von Neuwagen um 55 Prozent vorschreibt. Grundlage der Untersuchung war eine sogenannte Metastudie: die Auswertung von 19 Studien der vergangenen Jahre und 47 Szenarien zur Klimabilanz von Autos. 

Elektroautos besser – aber nicht klimaneutral

Demnach sind reine Elektroautos mit Batterieantrieb besser für das Klima als Fahrzeuge mit herkömmlichen Motoren: Ein höherer CO2-Ausstoß bei der Herstellung in der Fabrik wird demnach beim Fahren früher oder später ausgeglichen. Im Schnitt sind die Lebenszyklus-Emissionen eines Batterieautos demnach um 41 Prozent niedriger als diejenigen eines Autos mit Verbrennungsmotor.

Die Kritik der Wissenschaftler zielt darauf, dass in den EU-Klimavorgaben für Autos die bei der Herstellung entstehenden CO2-Emissionen nicht berücksichtigt sind. Somit fällt unter den Tisch, wie klimafreundlich oder -schädlich die Produktion war. "Wir wollen das gute Elektroauto vom schlechten Elektroauto unterscheiden", sagte Johannes Fottner, einer der beteiligten Professoren. 

Kein Anreiz für CO2-sparende Autofabriken

Außerdem geben die bisherigen EU-Klimavorgaben der Industrie laut Studie keinerlei Anreiz, in die "Defossilisierung" ihrer Produktionsprozesse zu investieren, obwohl das auch die CO2-Bilanz von Verbrenner-Autos verbessern würde. 

Thomas Hofmann, Präsident der Technischen Universität München. (Archivbild)
Thomas Hofmann, Präsident der Technischen Universität München. (Archivbild) © Leonie Asendorpf/dpa

Ein Verbrenner-Aus würde von vornherein "bestimmte Technologien abschneiden", sagte TUM-Präsident Hofmann. "Da glaube ich, ist man nicht gut beraten." Der Wissenschaftler forderte, die CO2-Emissionskette eines Fahrzeugs von Anfang bis Ende "integral" zu betrachten. Allerdings würde auch das den Verbrennungsmotor nach Hofmanns Einschätzung nicht unbedingt retten: "Da kann am Ende rauskommen, dass Verbrenner per se keine Chance haben."

In internationalen Hochschulvergleichen liegt die TUM innerhalb der EU seit Jahren in der Spitze. Allerdings schneiden sowohl die britischen Spitzenuniversitäten als auch die ETH Zürich regelmäßig besser ab.

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7 Kommentare
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  • Flo91 am 03.09.2026 13:17 Uhr / Bewertung:

    Einerseits wird gesagt, dass E-Autos generell 41% sauberer sind wie Verbrenner und am Ende wünscht man sich dennoch "Technologieoffenheit"?

    Ein Verbrenner KANN nie so effizient werden wie ein E-Fahrzeug und hinkt auf die ganze Lebenszeit schon jetzt massiv hinterher, obwohl E-Autos quasi erst in ihrer Jugend sind, während Verbrenner mehr oder weniger zu Ende entwickelt sind.

    Muss man nicht verstehen...

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  • Radl Rainer am 01.09.2026 17:09 Uhr / Bewertung:

    Damit dürfte klar sein, dass Autos als Ganzes nicht mit einer emissionsneutralen Welt vereinbar sind. Die Studie sagt nichts anderes, als dass die Abschaffung privat genutzter Fahrzeuge zwingend notwendig sein wird, um die Klimakastrophe zu stoppen.

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  • FRUSTI13 am 01.09.2026 17:19 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Radl Rainer

    Wenn Sie eine emissionsneutrale Welt haben wollen, dann hören Sie sofort auf zu Atmen!

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