Kriegsverbrecher Demjanjuk: Wird er am Montag ausgeliefert?
MÜNCHEN/USA - Nach wochenlangem Tauziehen: Kriegsverbrecher John Demjanjuk wird vielleicht schon am Montag nach Deutschland ausgeliefert. Seine Familie lässt weitere rechtliche Schritte völlig offen.
Das Tauziehen um die Auslieferung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk aus den USA nach Deutschland geht weiter: Der 89-Jährige reagierte vorerst nicht auf eine Vorladung der US-Einwanderungsbehörde, und seine Familie ließ mögliche weitere Schritte völlig offen. Am Freitag wurde Demjanjuk nach Angaben seines Sohnes schriftlich aufgefordert, sich auf einem Amt in Cleveland zu melden.
Bis Samstag war jedoch nicht abzusehen, ob er dieser Anordnung Folge leisten werde. Dann aber würde er automatisch als flüchtig gelten. Ein mit Einwanderungsfragen befasster Anwalt erklärte, der gebürtige Ukrainer könnte möglicherweise schon am kommenden Montag nach Deutschland abgeschoben werden. Die zuständige Behörde sei entschlossen, ihn möglichst schnell in ein Flugzeug zu setzen, damit sie ihn nicht in Gewahrsam nehmen müsse.
Am Donnerstag kam die entscheidende Niederlage
Mit der Aufforderung an Demjanjuk, sich selbst zu stellen, wolle man eine Wiederholung des Spektakels vom 14. April vermeiden. Damals war der mutmaßliche KZ-Aufseher in einem Rollstuhl aus seinem Haus und von seiner weinenden Frau weggebracht worden. Kurz darauf stoppte ein Gericht in Cincinnati die Deportation jedoch in letzter Minute, nachdem die Familie wegen Demjanjuks Gesundheitszustands Einspruch eingelegt hatte.
Am Donnerstag kam dann die entscheidende Niederlage: Der Oberste Gerichtshof in Washington lehnte es ab, sich mit dem beantragten Abschiebestopp zu befassen. Zuvor hatte bereits ein Berufungsgericht in Ohio einen weiteren Aufschub der Deportation abgelehnt. Der 89-Jährige lebte bislang in Seven Hills, einem Vorort von Cleveland im US-Staat Ohio.
Dem 89-Jährigen wird Beihilfe zum Mord an 29 000 Juden vorgeworfen
Wie Demjanjuks Sohn John junior erklärte, hat die Familie keine Absicht, bei den acht übrigen Richtern des Supreme Court dagegen zu protestieren, dass Oberrichter John Paul Stevens den Fall nicht annahm. Solche Schritte würden doch nur als Verzögerungstaktik ausgelegt. Man suche aber keine Verzögerung, sondern Gerechtigkeit sagte Demjanjuk junior. Zu etwaigen weiteren Schritten äußerte er sich nicht.
Der 89-Jährige soll in München vor Gericht gestellt werden. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord an 29 000 Juden im Vernichtungslager Sobibor in Polen vor. Ein Sprecher der US-Einwanderungsbehörde erklärte, man arbeite mit den deutschen Stellen wegen Demjanjuks Abschiebung zusammen. Zu einem Zeitplan wollte er keine Angaben machen.
AP
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