Kreissägen-Mord in Haar bei München: Zeugin berichtet von Dreiecksbeziehung

Die Hintergründe und die Vorgeschichte des Kreissägem-Mords in Haar werden immer bizarer. Am Donnerstag erklärt eine Zeugin, über Monate mit dem Paar eine intime Beziehung geführt zu haben.
| Von John Schneider
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Die Angeklagte (r.) vor Gericht. Sie hält sich ein Blatt vor's Gesicht.
dpa Die Angeklagte (r.) vor Gericht. Sie hält sich ein Blatt vor's Gesicht.

Die Hintergründe und die Vorgeschichte des Kreissägen-Mords in Haar werden derzeit vor Gericht ausgebreitet. Am Donnerstag erklärt eine Zeugin, über Monate mit dem Paar eine intime Beziehung geführt zu haben.

München - Gabriele P. (32) hat hinter verschlossenen Türen gestanden, ihren damaligen Freund Alexander H. im Dezember 2008 getötet zu haben. Die geköpfte Leiche des Mannes wurde erst vor einem Jahr im Garten ihres Hauses in Haar ausgegraben. Das Schwurgericht versucht nun, den Hintergrund der Tat auszuleuchten. Am Donnerstag wurden dazu ehemalige Mitbewohner des Horror-Hauses und der Vater der Angeklagten befragt.

Besonders intime Kenntnisse von der Beziehung zwischen Opfer und Täterin hat Carla D. (30, Name geändert). Die junge Frau bildete gemeinsam mit dem bereits länger liierten Paar über ein Jahr eine Art Liebes-Dreieck.

Sex nicht an erster Stelle

"Haustierchen" sei sie selber damals von Gabriele P. genannt worden. "Weil ich wie eine Katze kommen und gehen konnte, wie ich wollte", erklärt die Studentin im Zeugenstand. Sie sei 2006 in einer Diskothek von der Angeklagten angesprochen worden, berichtete die junge Frau. Dann sei sie dem Lebensgefährten vorgestellt worden. In der Dreier-Beziehung sei es nicht ausschließlich um Sex gegangen. "Oft lagen wir einfach nur im Bett und haben gekuschelt." Sie und die Angeklagte hätten ohne ihn Sex gehabt. Allerdings sei das nicht viel mehr als Petting gewesen.

Carla D. hatte damals den Eindruck gehabt, die 32-Jährige werde von der Beziehung zu dem Mann zermürbt. Oft habe es Streit gegeben, er sei launisch gewesen und habe seine Freundin beschimpft. Er habe "immer wieder Sex mit anderen" gewollt. "Sie sollte ausgehen, Leute kennenlernen und heimbringen." Die Richter haken nach: Gabriele P. soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit auch von den Wünschen des Opfers nach gewalttätigem, das Leben gefährdendem Sex berichtet haben. Davon wisse sie nichts, sagt die Zeugin.

"Wohnung war dreckig"

Gabriele P. soll bei ihrer Aussage auch von Suizidgedanken des Opfers gesprochen haben. Will die Angeklagte darauf hinaus, dass ihr Freund sie aufforderte, ihn zu töten? Carla D. bestätigt auf Nachfrage der Richter zumindest, dass Alexander H. auch ihr gegenüber von Selbstmord gesprochen hätte. Allerdings in einer Form, die sie nicht ernst genommen habe: "Er sagte einmal: ‘Wenn ich mich umbringe, wird alles besser’." Gabriele P. habe auch erzählt, dass das Opfer von ihr verlangt habe, ein kleines Mädchen mitzubringen, damit sie es im Keller einsperren könnten. Ob sie das bei ihm für denkbar halte, wird Carla D. gefragt. Sie verneint das.

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Zuvor hatte eine Mitbewohnerin (29), die fünf Monate zwischen Oktober 2008 und März 2009 in Haar lebte – sie bewohnte zur Tatzeit ein Zimmer im unteren Stockwerk – über das Horror-Haus gesagt: "Die Wohnung war relativ dreckig." Den Müll habe meistens sie rausbringen müssen. Ob es, nachdem die Angeklagte die Leiche ihres Freundes auf dem Dachboden zurückgelassen hatte, im Haus seltsam gerochen habe, will das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Michael Höhne wissen. Das könne sie nicht sagen, antwortet die Zeugin: "Es hat eigentlich fast immer ziemlich schlimm gerochen." Sie habe allerdings einmal eine Matratze mit einem Blutfleck gesehen.

Vater schildert impulsiven Freund

Am Nachmittag schilderte der Vater von Gabriele P. seine Sicht auf die Beziehung zwischen seiner Tochter und ihrem damaligen Freund. Alexander H. hat er als höflich und wohlerzogen erlebt. Allerdings sei der junge Mann auch sehr impulsiv gewesen.

Dem Vater der Angeklagten gehörte wohl auch die Kreissäge, mit der seine Tochter ihren Lebensgefährten umgebracht haben soll. Sie habe eine solche Säge ausgeborgt. Als er sie zurückhaben wollte, habe ihm seine Tochter gesagt, sie habe sie weiter verliehen.

Nach einer vorübergehenden Trennung habe seine Tochter über Alexander H. gesagt: "Der kommt immer wieder an und ich werd’ den nicht los." Der Prozess wird fortgesetzt.

 

 

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