Kraftorte rund um München: Hier tanken Sie Weisheit

Im zweiten Teil der AZ-Serie „Kraftorte“ zeigen wir Ihnen Orte, die ihren Geist und ihren Körper miteinander in Einklang bringen. Es geht in den Wald, an Quellen und zu Klöstern.
| Clemens Hagen
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Der zweite Tel unserer Serie über Kraftorte rund um München.
Renate Dodell/dpa Der zweite Tel unserer Serie über Kraftorte rund um München.

In der Wochenend-Ausgabe haben wir Ihnen den ersten Teil unserer Serie „Kraftorte rund um München“ präsentiert – Orte der Liebe. In Teil zwei geht es nun um Orte der Weisheit. Vorgestellt werden drei ganz besondere Plätze im Münchner Umland – zwischen dem Kloster Wessobrunn und dem Eibenwald bei Paterzell. Und weil alle drei Orte so idyllisch gelegen sind, schlagen wir auch gleich eine entsprechende Tour vor, damit Ihr Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Die Ideen für die Spaziergänge stammen von dem Münchner Stadtführer Christopher Weidner (49, „Die Stadtspürer“, www.mystisches-muenchen.de). Er bietet geführte Touren in ganz Europa an und hat sogar schon ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Mystische Orte in Oberbayern“.

Hier geht's zum ersten Teil unserer Serie

Weidner über die Orte der Weisheit: „Hier ist nicht Weisheit im herkömmlichen Sinn gemeint, vielmehr geht es bei diesen Plätzen darum, dass der Geist angesprochen wird. Hier kann der Besucher Hilfe erfahren, um Dinge besser zu verstehen, Probleme zu lösen.“


Das ehemalige Augustiner-Kloster in Weyarn im Kreis Miesbach. Foto: dpa

Kloster Weyarn: Der Weltenbaum

Unsere Wanderung startet in Weyarn im Klosterhof: Am westlichen Ende des Hofes ist ein Torbogen, durch den wir auf einen Weg gelangen, in den wir nach links einbiegen und der uns auf den Mangfallweg bringt. Wir wenden uns nach rechts, wo uns ein Weg weiter hinab ins Mangfalltal bringt.

Nun geht es eine Weile auf dem Hochufer entlang, bis wir auf die Holzkirchener Straße treffen. Dort wenden wir uns nach links, folgen der Straße auf dem parallelen Fußweg über die Mangfall, vorbei am Gasthof Mühltal und unter der Autobahnbrücke hindurch. Kurz darauf zweigt rechts eine Teerstraße ab, in die wir einbiegen. Der Weg führt uns am linken Mangfallufer entlang bis wir zur Maxlmühle kommen. Von dort führt uns eine Holzbrücke wieder über die Mangfall. Dahinter geht es einen Naturweg steil aufwärts aus dem Tal hinauf auf die Anhöhe bei Berg. Hier öffnet sich der Blick auf das Panorama der Alpen.

Wir folgen der Straße, die in einer Linkskurve auf eine Siedlung zusteuert – Fentbach. Rechts von uns fallen jetzt terrassenartige Erhebungen auf, auf deren höchsten Punkt ein Baum zu erkennen ist – das Weyarner Lindl: Seit dem 14. Jahrhundert steht hier eine Linde. Der Baum, den wir heute antreffen, ist ein Nachfolger einer uralten Baumahnin, die das Zeitliche gesegnet hat, ein heiliger Baum, der diesen Platz als Kultplatz kennzeichnete.

Länge: ca. 11 Kilometer

Dauer: 3 Stunden Gehzeit

Schwierigkeit: mittel


Das Kloster mit seinen drei Quellen ist ein Ort der Ruhe und Spiritualität. Von hier beginnen wir einen entspannten Spaziergang. Foto: imago

Wessobrunn: Träume unter der Tassilo-Linde

Über dem Kloster mit seinem Brunnenhaus und den drei Quellen, dem Römerturm, auch „Grauer Herzog” genannt, liegt der Zauber einer großen Vision. Doch dazu müssen wir das Kloster hinter uns lassen und unsere Schritte zu jener Baumahnin lenken, die ihren Namen einem Adelsherren verdankt.

Wir beginnen unseren Spaziergang im Klosterhof und spazieren an der Pfarrkirche St. Johann Baptist vorbei und links durch eine Hecke, genau gegenüber vom „Grauen Herzog“, dem markanten romanischen Turm, und stehen vor dem aufsteigenden Gelände mit dem Brunnenhaus. Doch zunächst wenden wir uns gleich nach rechts. Der Weg zur Tassilo-Linde, benannt nach Herzog Tassilo III., dem letzten bayerischen Agilolfinger-Herzog, ist gut beschildert und führt über einen ausgebauten Pfad, an einer Mariengrotte und einem künstlich angelegten Teich vorbei – und zur Klostermauer wieder hinaus. Wir wenden uns nach rechts und folgen dem Weg noch ein Stück die Klostermauer entlang, bis er hinab zur Linde führt, die an einem Abhang steht.

Die Linde ist ein Baum der Liebe, der Begegnung. In der Tassilo-Linde, ist es sogar möglich, im Herzen der Linde Platz zu nehmen, denn sie ist hohl. Hier finden wir Ruhe – aber keine Stille, denn selten ist man allein. Nach der Linde folgen wir den Treppen hinab und überqueren auf einer Brücke einen Bach. Nach der Brücke führt der Weg links weiter, bis wir auf eine Straße stoßen. In diese biegen wir rechts ein und folgen der Schmuzerstraße, bis rechts ein Weg zwischen den Häusern zum Kloster weist. Diesen Weg nehmen wir und gelangen schließlich zurück zum Klosterhof.

Jetzt überqueren wir den Klosterhof, und stehen vor rechteckig eingefassten Teichen, in denen Fische ihre Kreise ziehen und in deren Mitte ein Weg hinauf zum Brunnenhaus führt, in dem die drei sagenhaften Quellen entspringen. Die drei Bögen des barocken Brunnenhauses erinnern an die drei Quellen, die einst der treue Wesso hier entdeckte.

Die Drei spielt in der ganzen Legende eine tragende Rolle. Natürlich ist dies auch ein Verweis auf die christliche Symbolik der Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Abseits davon ist die Zahl Drei auch die Zahl der Beziehung, denn sie verkörpert das Dritte, das entsteht, wenn sich zwei verbinden.

Aller guten Dinge sind drei. Die Drei ist eine Zauberzahl: „Du musst es dreimal sagen“, weist Mephisto Faust an, damit er in die Stube hereinkann.

Das deutsche Wort Brunnen, das sich aus dem weniger geläufigen Wort „Born“ für Quelle entwickelte, entstammt der gleichen Wurzel wie das Wort „geboren“. Jede Quelle erinnert an unsere Herkunft aus dem Schoß der Erde, aus dem wir ebenso entsprungen sind, wie das Wasser, das hier an das Licht der Welt tritt. Im Brunnenhaus verschmilzt die magische Drei mit der Kraft des Wassers, aus dem alles Leben kommt, zum Dreiklang der Verbundenheit des Menschen mit Gott und der Welt.

Natürlich darf ein Abstecher ins Kloster nicht fehlen. Die ehemalige Benediktinerabtei wird heute von Missions-Benediktinerinnen aus Tutzing geführt. Diese veranstalten auch Besichtigungen des sehenswerten Inneren der Gebäude. Im ehemaligen Fürstentrakt können wir uns vom üppigen Stuck überraschen lassen, der weltweit seinesgleichen sucht.

Länge: 2 Kilometer

Dauer: 1 Stunde Gehzeit

Schwierigkeit: leicht


Im Eibenwald findet man Ruhe und erfährt einiges über den geheimnisvollen Eibenbaum.    Foto: Renate Dodell

Eibenwald: Auf den Spuren der Druiden

Wir starten am Gasthof „Eibenwald“, den wir links liegen lassen, und nehmen den Spazierweg Richtung Eibenwald, der direkt am Gebäude vorbeiführt. Rechts von uns breiten sich Wiesen aus, die Berge haben wir im Rücken. Wir kommen an einem prächtigen, alten Birnbaum vorbei und bald danach wenden wir uns nach rechts und folgen dem Weg immer weiter, der uns kurz vor dem Waldrand noch einmal nach links abzweigen lässt. Über einen kleinen Bach führt er direkt in den Wald hinein.

Nun halten wir uns links und betreten den Eibenwald, der eigentlich ein Mischwald ist. Der Wald ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands und auf verschiedenen Stationen wird im Sinne eines Lehrpfades auf die Eigenheiten der Eibe hingewiesen. Wir folgen dem Rundweg, müssen dabei immer wieder Gatter öffnen, welche die Jungeiben vor Wildverbiss schützen sollen. Wenn nach der letzten Station der Weg offiziell nach links in Richtung einer lichteren Stelle mit hochgewachsenen Buchen weiterführt, machen wir einen Abstecher nach rechts, der mit „Abkürzung“ beschrieben wird. Gerade an diesem Teilstück befinden sich die sehenswertesten Eiben, unter anderem ein besonders geheimnisvolles hohles Exemplar.

Sie können am Ende der Abkürzung kehrtmachen und den offiziellen Weg nehmen, der Sie in einem weiten Rechtsbogen zum Ausgangspunkt am Waldrand zurückführt, oder Sie gehen ein Stück des bereits gelaufenen Weges zurück. Vielleicht hängt der althochdeutsche Name „iwa” mit dem Wort „ewa” für Ewigkeit zusammen, dann wäre die Eibe der immergrüne Baum, der den Tod überwindet – und bringt.

Von der Giftigkeit der Eibe sprach bereits Julius Cäsar. Er berichtete, dass der Eburonenkönig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenfürsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe heißt Taxin, ist stärker als das des Fingerhuts und führt zu einem schnellen Herzstillstand. Zwar ist die Eibe auch für Menschen giftig, allerdings müsste man wenigstens 50 Gramm davon essen.

Kein Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Begleiter in die Anderswelt. Eiben haben auch psychoaktive Wirkstoffe: Besonders an warmen Tagen dünsten sie Pseudoalkaloide aus, sodass viele Menschen nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und Wärme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten von Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufstörungen, die sich nach einem mehrstündigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zustände bis hin zu Trance können eintreten. Hielten die Druiden also deshalb unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?

Die Begegnung mit der Eibe ist in jedem Fall etwas Besonderes.

Länge: ca. 2,5 Kilometer

Dauer: 3/4 Stunde Gehzeit

Schwierigkeit: leicht

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