"Kotzen erlaubt, Betteln verboten": Dicht & Ergreifend melden sich nach Wiesn-Festnahme mit Statement
Update, 10. Oktober: Nun melden sich die Musiker selbst – mit einem ausführlichen Statement auf Instagram. "Kotzen erlaubt, Betteln verboten" überschreiben die Hip-Hop-Musiker ihre Stellungnahme:
"Für unseren Song 'Identität' haben wir ein Musikvideo auf dem Gelände des 'Bahnwärter Thiel' gedreht. Passend zum Thema haben wir um die Ecke auf der Wiesn ein soziales Experiment durchgeführt", schreiben die Musiker.
"Größte legale Drogen-Party auf diesem Planeten"
Und weiter: "Die Wiesn ist bayerisches Kulturgut, bei dem jährlich Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen und gemeinsam das Leben feiern. Gleichzeitig ist sie auch die größte legale Drogen-Party auf diesem Planeten. Saufen bis zur Besinnungslosigkeit. Inklusive Schlägereien, Vergewaltigungen und Todesfällen. Wenn der Exzess zur Identität wird, muss man sich die Frage stellen: Was ist eigentlich Identität?"
Genau um diese Frage drehe sich ihr Song 'Identität': "Wie viel von dem, was wir sind, steckt in dem, was wir anhaben? Um das herauszufinden, sind wir als Punks verkleidet auf der Wiesn durchs uniformierte Trachtenmeer gelaufen. Die Antwort kam schnell. Auch sie trug eine Uniform – und führte uns ab."
Update, 9. Oktober, 10.31 Uhr: Die Punker-Aktion könnte für Dicht & Ergreifend noch ein Nachspiel haben. Wie die SZ berichtet, sind Polizei und Stadtvertreter im Gespräch, wie man in der Sache weiter vorgehen soll.
Zum einen wurde von den beiden Musikern gegen das Bettelverbot verstoßen, was vom Kreisverwaltungsreferat mit einem Bußgeld geahndet werden könnte.
Aktion war Teil eines Musikvideodrehs
Zum anderen war die Aktion Teil eines Musikvideodrehs, für den offenbar keine gebührenpflichtige Drehgenehmigung vorlag, wie sie im Falle einer kommerziellen Nutzung erforderlich sei. In diesem Zusammenhang ist nun das Wirtschaftsreferat gefragt.
Auf eine SZ-Anfrage zu dem Vorfall hatte das Management von Dicht & Ergreifend bis Donnerstagnachmittag nicht reagiert.
Ursprungsmeldung vom 7. Oktober: Dicht & Ergreifend sind eine deutsche Hip-Hop-Band, die man hierzulande vor allem wegen ihrer sozialen und gesellschaftlichen Texte kennt, die zum Großteil in bairischer Mundart verfasst sind. Als Punks sind die beiden Rapper Lef Dutti (bürgerlich Fabian Frischmann) und Urkwell (bürgerlich Michael Huber) noch nicht in Erscheinung getreten – bis jetzt.
Für den Dreh eines Musikvideos für ihren neuen Song "Identität" waren die beiden niederbayerischen Musiker als Punks verkleidet, mit aufgestachelten Haaren, Buttons und Ketten, auf der Wiesn unterwegs.
Dicht & Ergreifend schnorren als Punks verkleidet Wiesn-Besucher an
"Wir haben das Experiment gemacht, dass wir auf die Wiesn gegangen sind und in diesen Klamotten geschnorrt haben, und zwar mit den Worten 'Hey, hast du mal 16 Euro für eine Maß Bier?'", erzählt Lef Dutti in einem Gespräch mit dem BR2-Magazin "Zündfunk".
Entgegen aller Erwartungen war das Geld für das Bier überraschend schnell erbettelt. "Ein Typ sagte: 'Ja logisch, da komm her'" und drückte uns 20 Euro in die Hand.
Betteln verboten: Polizei nimmt Dicht & Ergreifend-Musiker fest
Sehr viel mehr Geld konnte Dicht & Ergreifend aber dann nicht mehr erschnorren, denn ziemlich schnell wurde die Polizei auf die Musiker aufmerksam und führte sie ab, da Betteln auf der Wiesn und in ganz München nicht erlaubt sei. "Nicht einmal Rap-Betteln", feixte Lef Dutti.
Doch was wollten die beiden mit dieser Verkleidungsaktion bezwecken? Als Punks unter tausenden von Menschen in Tracht wollten die beiden feststellen, wie viel Identität rein in der Optik steckt.
Das Video zur neuen Single "Identität" endet damit, dass die Band als Punks verkleidet mit vielen anderen Menschen in Tracht um ein Feuer tanzt und sich am Ende alle die Kleidung vom Leib reißen und verbrennen.
Polizei erkennt Musiker und macht Selfies mit ihnen
Polizeiuniformen wurden in dem Clip kein Raub der Flammen, für die Beamten, die die beiden auf der Wiesn abgeführt haben, hatte Lef Dutti nur positive Worte übrig: "Die waren extrem nett, haben uns dann auch irgendwann erkannt und wollten Selfies mit uns machen. Haben wir dann auch gemacht. Der Hauptkommandant hat dann auch gesagt: 'Da misch’ ich mich nicht ein'."
Das neue Album der Band trägt den Namen "Zweiländerdreieck" und ist am 2. Oktober erschienen. Am 17. Oktober startet die dazugehörige Tour, in deren Rahmen Dicht & Ergreifend am 28. und 28. November im Münchner Kesselhaus auftreten.
